Pakistan braucht Hilfe!

Im Gegensatz zum Erdbeben in Haiti oder seinerzeit zum Tsunami in Südostasien ist die Flutkathastrophe in Pakistan in den Medien nur eine Randnotiz, verschwindet fast neben anderen Meldungen. Und dennoch wird sie als verheerender eingeschätzt als der damalige Tsunami. Nur, während damals die Spenden reichlich flossen, wird es diesmal schwer werden, genügend Geld und Hilfe zu organisieren. Warum?

Es ist eine Erfahrungstatsache, dass am meisten gespendet wird, wenn das mediale Interesse groß ist. Das sah man gut bei Haiti. Warum ist das hier anders? In der ZEIT hat sich Karsten Polke-Majewski Gedanken dazu gemacht, durchaus nachvollziehbar.

Was mich schockiert, sind etliche Kommentare, die es ablehnen, einem muslimischen Land und gar einem, das als Brutstätte des fundamentalistischen Islam gilt, Geld zukommen zu lassen. Selbst wenn dies über die im Artikel genannten Organisationen geschieht, die alle nicht muslimisch sind. Warum die ZEIT es ablehnt, auch z.B. Muslim Aid oder Islamic Relief zu erwähnen, würde mich mal interessieren. Insbesondere Islamic Relief, deren Mitarbeiter seit Jahren in Pakistan tätig sind, sich gut auskennen und für die Koordination der Erdbebenhilfe 2005 ausgezeichnet haben.

Auf meiner Website sind beide verlinkt – möge Allah die Spender belohnen.

Update: Laut einer Meldung des SPON planen ARD und ZDF im Unterschied zum Erdbeben in Haiti KEINE Spendengala.

Mörderische Verbündete

700 Tote in Pakistan, überwiegend Zivilisten, gehen auf das Konto von US-Amerikanischen Drohnenangriffen 2009. Dabei geschehen dann Dinge, wie dies:

On June 22, the US struck at a house officials called a “suspected militant hideout,” burying a few locals inside. When others rushed to the scene to rescue them, they launched another missile, killing 13 apparently innocent Pakistanis. When they held a funeral procession on June 23, the US hit that too, ostensibly on the belief that Baitullah Mehsud might be among the mourners. He wasn’t, but the attack killed at least 80 more people.

Gestern wieder ein Angriff: vermutlich 29 Tote.

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Die Frage ist wirklich, wie lange die pakistanische Regierung sich wird halten können, wenn die Bevölkerung ernsthaft genug hat. Und wie lange die Armee selbst auf der gleichen Seite stehen will, wie die, die diese feigen Angriffe befehlen. Die USA könnte irgendwann feststellen, dass sie die Pakistani falsch einschätzt. Aber das wollen sie ja heute noch nicht hören.

„Eines Tages werden wir alle Terroristen sein“

In Pakistan gärt es. Die Berichterstattung in der deutschsprachigen Presse gibt die Sicht des Westens wieder, vernachlässigt aber, wie zu oft, die Gegenseite.

Pakistanische Presse gibt es auch online in englisch – also könnte sich eigentlich jeder über die dortige Sichtweise informieren. So gab es heute einen Kommentar in der Pakistan Daily, dessen Titel ich in deutsch übernommen habe.

Sehr deutlich beschreibt der Autor die Veränderung des Verhältnisses zwischen der USA und deren Verbündeten und Pakistan, seit der Hauptfeind dort nicht mehr der Kommunismus, sondern die islamische Welt ist. So deutliche Worte lese ich selten, schon gar nicht in westlichen Zeitungen:

Coming back to the context of Pak-US relations, consider the following most plausible scenario in the immediate future:
Through covertly managed organized violence, collaborations, propaganda, bombings and political manipulations, the US succeeds in destabilizing Pakistan to an extent of complete political chaos, limited anarchy and a near civil war situation. Under the pretext of threat to international security, American and Nato forces are moved from Afghanistan to Pakistan. Pakistan’s nuclear assets are seized, a puppet regime is installed: Pakistan is de-nuclearized, India (the newest US ally) becomes a dominate regional power, Iran is contained, China-Russia growing political clout is checked, the US-West’s historical global dominance is achieved – the world is saved!

Is that what the Pakistani nation wants and deserves?

Imran Khan’s perspective on Pakistan’s foreign policy and domestic priorities is correct: we need to politically-militarily disengage Pakistan from the US-West’s global objectives. We need to immediately end this so-called “war on terror” against our own citizens. We need to negotiate peace with political dissidents in NWFP, Balochistan and in every corner of Pakistan.   We must appreciate the fact that political dissent is not terror!

Diese Stimme ist der des afghanischen Journalisten, dessen Artikel ich gestern besprach, gar nicht so fern. Nur: diese wird lauter werden. Pakistan hat mehr staatliche Identität, andere Mittel, um sich gegen die zerstörerischen Methoden der USA zu wehren. Es gibt – wie Nawaz Sherif, ausgerechnet, durchaus schon Politiker, die in diese Richtung denken. Das Resultat wird aber manchen gar nicht schmecken:

Allow me to go one step further: what we need is revolutionary political leadership in this country. We deserve a change in the political mindset and political conduct of this nation’s leaders. We need fresh leadership in Pakistan.

We all do not need to be politically loyal to our contemporary political dispensation or to our present political allies.  We must completely reject a global political system of US-West’s dominance.

We all ought to be political dissidents! After all, dissent is a vital element of the democratic political process.  It is a duty of an engaged citizenry!

One day we all might be considered terrorists by our Western “friends.” Never mind.  So be it!

Hoffen wir, dass irgendjemand in den USA mal einsieht, dass ihnen nicht die Welt gehört und nicht sie allein definieren, wer Terrorist ist und wer nicht. Von pakistanischer Seite aus sind die Amerikaner, die derzeit das Land unsicher machen, durchaus auch Terroristen.

Das betrifft insbesondere mal wieder – Blackwater. Weiterlesen – hier:

BLACKWATER AND PAKISTAN

Camp Chapman, now identified as a Blackwater command post near the Pakistan border has an unclear mission.  Continual reports coming out of Pakistan indicate that Blackwater and/or other US contracting firms have become involved in criminal activities and terrorism.

Top Pakistani military analyst, Brigadier General Asif Haroon Raja has tied Blackwater and other US contractors to the assassination of Pakistani army officers, attacks on government installations and ties to terrorist groups who have killed hundreds of civilians.

Raja has indicated that, rather than being employed as CIA contractors in search of high profile terrorists, these contractors are working with, among others Israel and India coordinating terrorist operations meant to destabilize the government of Pakistan, America’s only military ally in the region.

If US contractors are working inside Pakistan, under cover of the CIA but actually serving the intelligence services of India or Israel, primary enemies of Pakistan, but also countries who are doing nothing to aid the US in Afghanistan, this would represent a serious threat to US security.

It has been reported that US personnel have been arrested carrying explosives and weapons near Pakistani nuclear facilities.  Are they working for Israel or are they working for Iran?  How would we know?

Man beachte die Quelle. Wenn das kein Terrorismus ist – aber warum gilt dort der „Kampf gegen den Terror“ nicht?

Pakistan als nächstes?

Laut einer Meldung von AP wollen „Senior US officials“ – wer auch immer sich hinter einen solchen Bezeichnung verstecken mag – Angriffe gegen angebliche Taliban-Ziele innerhalb pakistanischer Städte fliegen lassen – z. B. in Quetta. Quetta ist eine bevölkerungsreiche Stadt, kein verlassenes Höhlengebiet, wo man noch mit der Ausrede hinkäme, wer da lebt, ist selbst schuld (Vorsicht, böse Ironie). In Quetta gäbe es massenweise unbeteiligte Tote und Verletzte.

Keine pakistanische Regierung, die noch ein bisschen als Regierung überleben will, dürfte das unwidersprochen zulassen. Die Wut unter den Pakistani über die wachsweichen Proteste der Offiziellen gegen Drohnen-Angriffe der USA auf pakistanischem Gebiet brodelt seit langem. Ein Überfall auf eine der großen Städte wäre möglicherweise das Signal zu einer Revolution und würde auch gerade den mit den Taliban verbundenen Gruppen großen Zulauf verschaffen. Aber vielleicht ist das genau die Absicht der USA? Ein drittes islamisches Land in einen Krieg stürzen, um dann dort eingreifen zu können, ungestört vom Rest der Welt. Schließlich fehlt ja für die berüchtigte Pipeline noch der in Pakistan geplante Zugang zum Meer….

Armes Pakistan ….

Change?

Obamas Wahlslogan wird zumindest für die Menschen in Afghanistan und Pakistan unglaubwürdig:

Bei mutmaßlichen US-Raketenangriffen im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan starben mindestens 22 Menschen. Laut regionalen Behörden waren viele Zivilisten Opfer der jüngsten US-Angriffe. In beiden Staaten wächst die Kritik: Der afghanische Präsident Hamid Karzai beklagte öffentlich die zivilen Opfer, sein pakistanischer Amtskollege Asif ali Zardari nannte die US-Angriffe kontraproduktiv zum Kampf gegen den Terror. Der neue US-Präsident Barack Obama schweigt indes zu den ersten Angriffen unter seinem Kommando.

http://www.vn.vol.at/webvn/2009-01-26/Politik.php

Solange die USA nach eigenem Gutdünken auf fremdem Staatsgebiet Bomben werfen und Menschen töten, erreichen sie nur eines: Widerstand. So gewinnt man keine Herzen, sondern nur erbitterte Gegner.

Indien/Pakistan

Auch fast in Vergessenheit geraten über Gaza und in der deutschen Presse ohnehin etwas stiefmütterlich behandelt: der durch die Anschläge in Mumbai verschärfte Konflikt zwischen Indien und Pakistan. Es geht um sehr viel mehr als um die Schuld an den Anschlägen – Professor Shameem Akhtar erläutert den Gesamtzusammenhang. Es ist ein langer Text, aber wer etwas mehr wissen will, wird ihn sicher gerne lesen.

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?c=Article_C&cid=1231760470706&pagename=Zone-English-Muslim_Affairs%2FMAELayout