Um die Kölner Moschee der DITIB hat es von Anfang an viel Streit gegeben. Ich fand immer, die DITIB hätte sich ziemlich viel Mühe gegeben, Öffentlichkeit herzustellen, die Stadt mit einzubeziehen, bis zu Punkten, wo ich dachte, muss das denn sein.

Denn – abstrahieren wir doch mal von der Tatsache, dass es sich um eine Moschee handelt. Tatsache ist, dass dort in Ehrenfeld ein Grundstück seit Jahren im Eigentum eines eingetragenen Vereins steht und dieser das daraufstehende Gebäude gemäß einer Erlaubnis für seine satzungsgemäßen Zwecke nutzte. Dieses Gebäude sollte nun abgerissen und ein neues, dem Zweck besser dienendes, errichtet werden. Ein völlig normaler Vorgang, dessen Berechtigung sich bereits aus der Eigentümerstellung ergibt.

Der Bauherr, als Verein eine Privatperson, ist weder verpflichtet, die Art des Baus über das baurechtlich gebotene hinaus von Dritten beeinflussen zu lassen, noch, seine inneren Angelegenheiten öffentlich zu machen. Die DITIB hat sich, auch mit dem Architekturwettbewerb, da schon sehr weit reinreden lassen. Anscheinend hat das den Eindruck erweckt, dass man sich dort daher verpflichtet habe, alles öffentlich zu bekakeln – und nun, nein, wie schlimm, änderte sich der DITIB-Vorstand und es geht ein entsetzter Aufschrei um. Haben die doch nicht gefragt, bevor der so bequeme Ali Dere abgelöst wurde. Wie brüskierend!

Ehrlich – nach der Pleite mit den „Vermisst“-Plakaten und der Teilnahme an der unsäglichen Sicherheitspartnerschaft hätten auch bei den anderen Verbänden Köpfe rollen müssen. Und auch das hätte keinen brüskieren dürfen, selbst wenn die dann nachrückenden Personen nicht so handzahm wären.

Hoffen wir, dass die DITIB sich in Zukunft etwas mehr Profil und Rückgrad leistet – könnte anderen Verbänden auch gut zu Gesicht stehen.

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Die Rückkehr des Blockwarts?

Noch schwelt der Streit um den unmöglichen Umgang mit der letzten „Muslim-Studie“, da fällt einem von Friedrichs Kollegen noch mehr ein: der niedersächsische Innenminister Schünemann fordert nunmehr die Bürger dazu auf, „auffällige“ Muslime zu melden. Und nicht nur die Bürger, sondern auch Schulen, Jugendämter, Ordnungsämter, Ausländerbehörden, Aufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge und Asylsuchende, Sozialverwaltungen und Finanzbehörden. Totalüberwachung von Muslimen.Vor allem gehe insbesondere Gefahr von gut integrierten Personen mit guter Ausbildung und Sprachkenntnissen aus.

Ja, es ist der gleiche Innenminister, der jahrelang sogenannte „verdachtsunabhängige Kontrollen“ vor Moscheen durchführen ließ. Das Parlament hatte große Mühe, ihn davon abzubringen. Erst sein Ministerpräsident  – Wulff, btw. – musste ihn anweisen, diese rechtswidrige Praxis einzustellen.

Jetzt wird, weil es bekannt geworden ist, über diese neue Idee von ihm diskutiert. Wie ich ihn einschätze, wird er sich nicht davon abbringen lassen – und wie ich die Lage in Deutschland einschätze, wird es viele geben, die dies als willkommene Einladung für Spitzeltätigkeit sehen.

Wird dem nicht nachdrücklich von allen Seiten Einhalt geboten, sehe ich das ohnehin vorhandene Misstrauen auf beiden Seiten sich zu Mauern in ungeahnter Höhe entwickeln. Müsste ich damit rechnen, von jedem, mit dem ich zu tun habe, bei jeder meinem Gegenüber unverständlichen Bewegung „gemeldet“ zu werden, könnte ich niemandem mehr trauen.

Herr Schünemann, mir graut vor Ihnen.

Mein Dank an das MiGazin für die Veröffentlichung. Der Artikel dort ist wie immer lesenswert.

Update:

Schünemann hatte ursprünglich behauptet, dieser Entwurf für eine Handlungsanweisung sei mit DITIB und Schura Niedersachsen abgestimmt. Ich hatte das hier unerwähnt gelassen, da ich es ohnehin nicht glaubte. MiGazin bringt nun die Stellungnahme der DITIB zu dieser Lüge in voller Länge. Sehr deutlich, und das von der DITIB.

Als wär’s ein Stück von mir

Manchmal lese ich etwas, und es trifft mich tief im Herzen. So ging es mir heute morgen mit Kübra Gümüsays Kolumne in der taz: Beobachtet. Sie beschreibt an drei Beispielsfällen aus ihrer Bekanntschaft, wie sich die Beobachtung von jungen Muslimen durch den Verfassungsschutz auf deren ganz normales Leben auswirkt. Sie hat dabei ganz simple Ereignisse ausgewählt, nichts besonders hartes. Keinen Fall wie den, über den ich vor kurzem schrieb. Die Kommentare sind teilweise gehässig, wie ich nicht anders erwartet hatte.

 

Es ist das Ergebnis eines langen Prozesses. In den achtziger, neunziger Jahren war es für niemanden ein Problem, sich in seiner Moschegemeinde, seinem Verein zu engagieren. Nach 2001 änderte sich das. Warnungen der Verbände verhallten ungehört – die Stigmatisierung völlig durchschnittlicher Vereinsmitglieder oder Moscheebesucher wurde fortgesetzt und verschärft. Jeder Aktive sah sich irgendwann vor die Wahl gestellt, seine Aktivitäten aufzugeben, zu verheimlichen oder die Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Welche Konsequenzen? Probleme bei Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis oder Einbürgerung, beim Nachzug des Ehegatten, bei der Arbeitssuche bis hin zu Kündigungen. Es gab sogar Kündigungen von Bankkonten – weil jemand quasi den falschen Namen hatte.

 

Viele nahmen und nehmen dies in Kauf. Sie sagen: wir fürchten nur Allah, nicht die Menschen. Dieses Statement, laut ausgesprochen, wird ihnen dann auch gerne wieder vorgeworfen. Ich respektiere jeden, der dies tut, kann aber die anderen auch nicht unbedingt verdammen.

 

Für die Älteren, wie für mich, war es hart, dem zusehen zu müssen. Gut ausgebildete, vorbildliche junge Muslime rannten gegen Wände. In einem Land, das viele von ihnen für IHR Land hielten.

 

Die Vereine und Moscheen kämpfen mit den Folgen dieser Entwicklung: trotz Mitarbeit werden viele nicht offiziell Mitglieder, um ihre Namen nicht bekannt geben zu müssen. Im Gegenzug wird dann den Verbänden vorgeworfen, sie verträten viel weniger Menschen als sie angeben.

Offizielles Auftreten, die Übernahme von Führungspositionen leisten sich nur die, die damit rechnen, dann „verbrannt“ zu sein. Dauerhaft, manchmal werden Dinge von vor zwanzig Jahren ausgegraben, um jemandem zu schaden.

 

Manchmal, wie einer von Kübras Fällen richtig schildert, reicht auch Verwandtschaft. Hier wurde die Sippenhaft wieder eingeführt. Daher überlegt sich mancher, mit wem er Kontakt haben will, mit wem nicht. Oder, wie ich, vermeidet Kontakte auch zu Freunden, um diese nicht zu belasten. Das wurde mir gestern aus anderem Anlass bewusst. Mich hat der Verfassungsschutz auf diese Weise zu viele Freunde gekostet: nicht, weil sie sich von mir abgewendet hätten, sondern weil ich sie nicht mehr anrief oder ihnen schrieb, um sie nicht in Schwierigkeiten zu bringen.

 

Um all dies zu dokumentieren, und auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat der Verfassungsschutz ausreichend Personal. Ergebnis der Beobachtung: keines. Seit fast zwanzig Jahren. Die sogenannten Erfolge haben alle nichts mit normalen Moscheevereinen zu tun, von zweifelhaften Anstiftern einmal ganz zu schweigen.

 

Aber in Deutschland herrscht Religionsfreiheit.

Ein Platz zum Beten

In Frankreich, insbesondere in Paris und Marseille, war es seit langem Thema: Betende auf den Straßen vor einigen Moscheen am Freitag. Das lag vor allem daran, dass es insbesondere in Paris schwierig war und ist, ausreichend Platz in den Moscheen zu schaffen – Grundstückspreise sind hoch und Genehmigungen für Moscheebau schwer zu erhalten.

Gerade die Rechte (fröhlich von PI dokumentiert) versuchte alles Mögliche, um den Menschen die Gebete zu verleiden, bis hin zu Bratwurst- und Schweingrillfeten am Freitag.

Nun haben sie es teilweise geschafft, es gibt ein neues Gesetz, so, wie die derzeitige französische Regierung es ja liebt, Muslime zu schikanieren. Das Beten auf der Straße ist jetzt verboten. Ob und wie das durchsetzbar ist, frage ich mich, auch, ob dieses Gesetz eine Klage beim EuGH überstehen würde. Zumal die Straßennutzung z.B. für katholische Prozessionen nicht betroffen ist.

Ein Interview mit Claude Géant, dem zuständigen Minister, lässt da einiges durchblicken, interessant ist aber, dass zumndest im Pariser Stadtviertel Goutte d’Or, wo die Situation sehr bedrückend war, eine Lösung dergestalt gibt, dass die Stadt nunmehr einen Platz zur Verfügung stellt. Das hat dann ja zumindest etwas Gutes. Wenn man aber liest, dass der zuständige Bezirksbürgermeister erklärt hatte, dass diese Gebete – einmal in der Woche – ihn nicht stören würden, merkt man, wie weit das neue Gesetz wieder eine politische Maßnahme zum Wählerfang am rechten Rand darstellt.

Politische Straftaten – Anschläge auf Moscheen – Fremdenhass?

Seit dem letzten Sommer hat es mindestens sieben Anschläge auf Moscheen in Deutschland gegeben – die Polizei gab an, es könnten zehn sein, da dies aus einem Bekennerschreiben hervorging. Bislang hielten sich die Schäden in Grenzen.

Einige Lästermäuler meinten, es handele sich um innerislamische Streitigkeiten, dagegen spricht jedoch, dass es gerade in Berlin die verschiedensten Moscheen traf – die Sehitlik-Moschee der DITIB, die alte Ahmadi-Moschee, die An-Nur-Moschee – völlig unterschiedliche Richtungen der Betreiber.

Nun erhielt ich vorhin den link zu einer Anfrage im Bundestag über „Politische Straftaten“. Fragesteller sind Abgeordnete der Regierungsparteien. Laut dieser Anfrage werden politische Straftaten in „Hasskriminalität, Fremdenfeindlichkeit, antisemitisch, Polizei (?), bzw. Konfrontation gg rechts/links aufgeteilt. Da stellt sich mir wirklich die Frage, wo die Anschläge gegen Moscheen und Muslime einzuordnen wären. Vor kurzem gab es eine unfreundliche Diskussion, weil genau der Vorschlag gemacht worden war, diese gesondert auszuweisen. Angesichts dieser Liste würde ich mich inzwischen dafür aussprechen. Denn – wo gehört das sonst hin?

Fremdenfeindlichkeit? Klar, jeder Muslim ist ein Ausländer, und Moscheen sind fremd.

Die erste Moschee in den USA

Auf einem blog beschreiben zwei amerikanische Muslime ihre Tour durch die USA: 30 Moscheen in 30 Staaten während des Ramadan. Dabei kamen wundervolle Bilder und Berichte zustande – ich habe mal den über die vermutlich erste Moschee auf amerikanischem Boden herausgepickt:

Ross is home to the first mosque that was ever built in the United States. A Syrian farmer by the name of Hassan Juma immigrated to the U.S. and settled in Ross in the late 1800s. More Syrians came into town shortly after and the community built a mosque in 1929  after spending years praying in each other’s basements. It was later demolished in the 1970s but there’s a Muslim cemetery nearby where many of the original community members are buried. In 2005, a new mosque was built on the same land as the original mosque.

Und auch ein Friedhof gehört dazu:

I find the cemetery about a hundred feet from the mosque. I begin reading the names on the tombstones and the birth dates below them. 1882, 1904, 1931.  Each of them has a star and crescent symbol at the top of the stone reflecting a Muslim was buried there.

Insgesamt, eine wundervolle Idee, ein toller blog (kommt gleich in meine linkliste) mit wunderbaren Photos. Sowas müsste man mal woanders machen. Viel Freude beim Lesen!

Tag der offenen Moschee

Auch in diesem Jahr findet wieder der „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober statt. Es gibt eine Liste der teilnehmenden Moscheen, mit Telefonnummer, wer sich vorher gerne erkundigen möchte. Leider scheint sie, wie in jedem Jahr, nicht ganz vollständig zu sein. Ich habe eben kurz durchgesehen, etliche Moscheen, die ich kenne und die jeden Tag teilnehmen, stehen nicht darauf. Also wer in seiner Nachbarschaft eine kennt, einfach hingehen und fragen.

Auf der einen Seite finde ich das Ganze ja eine nette Idee. Sie kam auf, als vor ca. 15 Jahren auch die muslimischen Verbände meinten, es könne bei den Nichtmuslimen Interesse geben, sich die Moscheen mal wirklich vorführen und erklären zu lassen. Das klappt bisweilen recht gut, es kommen jedes Jahr Menschen – oft etwas abhängig von Wetter und Konkurrenzveranstaltungen, leider aber oft die gleichen wie im Vorjahr. Vielleicht auch, weil das Buffet in vielen Moscheen gut ist?

Hinzu kommt jedes Jahr die übliche Quote an Provokateuren. Wer in der Moschee als Vortragender oder Fragenbeantworter ausgeguckt wurde, kennt die Spielchen. Aber auch das ist dann für die anderen Besucher oft recht lehrreich.

Im Internet wird oft moniert, dass sich die Muslime nun gerade den Tag der Deutschen Einheit ausgeguckt hätten. Ehrlich: egal, welchen Tag wir genommen hätten, es hätte Ärger gegeben. Ein christlicher Feiertag? Nein, also wirklich nicht. Ein Sonntag? eigentlich auch nicht (fällt diesmal zusammen, ist Zufall). Was bleibt dann? 1. Mai? Da gehen doch etliche aus der Community auch auf Gewerkschaftsverantstaltungen. Und wollen, dass auch andere hingehen.

Und so wählte man wohl den 3.10. – auch unter dem Gesichtspunkt, sich als Teil der deutschen Gesellschaft zu sehen. Manche aber scheinen gerade das übel zu nehmen.

Mir persönlich gefällt der Titel nicht: er erweckt einen Irrtum, nämlich, dass die Moscheen an den anderen 364 Tagen geschlossen seien. Im Gegensatz zu vielen wochentags abgeschlossenen Kirchen sind sie das aber nicht. Gäste sind i.d.R. auch immer willkommen – nur, wer Gespräche sucht, kommt eventuell ungelegen, wenn niemand da ist, der kenntnisreich genug ist, um Auskünfte zu erteilen. Das sollte man bei unangemeldeten Besuchen einfach einrechnen und es nicht den Anwesenden übel nehmen, wenn sie nicht recht wissen, was sie mit einem anfangen sollen.

Viele Moscheen bieten auch Führungen an, für Schulklassen und andere Gruppen. Einfach fragen.