Haiti – Ein Jahr danach

Vor einem Jahr verwüstete ein starkes Erdbeben einen großen Teil Haitis. Der Wiederaufbau geht stockend voran, eine Choleraausbruch verschlimmert die Lage, bringt das Land aber wenigstens zeitweise wieder in Erinnerung.

Viele der Helfer sind das ganze Jahr dort gewesen, ich lese immer mal hier und da etwas. Heute berichtet Islamic Relief, dass eine Inspektion ihrer Projekte vorgesehen ist und zwei Mitglieder demnächst berichten werden. Wer sich dafür interessiert, kann das hier verfolgen:

Blog Islamic Relief USA

Öl in Haiti? – Der Grund für das amerikanische Engagement?

Auch hier bin ich dafür kritisiert worden, dass ich das amerikanische Engagement bei der Erdbebenhilfe für Haiti so skeptisch betrachtete. Ich habe mich selbst gefragt, was ist wohl der Grund für dieses Handeln der USA und fand keine recht befriedigende Antwort.

Die lieferte mir nun ein Artikel eines bloggers beim „Freitag„:

Nun stolpert der aufmerksame Leser immer mehr über Berichte, welche die vermutlich großen Ölvorkommen vor der haitianischen Küste als auch in den Tiefen der Karibikinsel selbst beschreiben: Demnach, so berichten bereits am 28. Januar 2008 auf der haitianischen Website von „Radio Metropole“ (www.metropolehaiti.com) gäbe es unter Haïti’s Oberfläche grosse Erdölvorkommen, sowie strategisch wichtige Erze, unter anderem Uran 235 und Uran 238 (!) sowie Zirconium im Jacmel-Gebiet. Beide äußerst seltenen Elemente werden bekanntermaßen sowohl für den Bau von Atombomben als auch Brennstäben verwendet.

„Ferner“, so Daniel Mathurin, „haben wir 20 Stellen auf Haïti mit Ölvorkommen identifiziert“ und meint weiter, „dass 5 davon von Experten der Petroindustrie und Politikern als sehr wichtig angesehen werden: Das Zentralplateau, einschließlich der Region Thomond, -der Ebene Cul-de-sac und die Bucht von Port-au-Prince, sind voll von Erdöl“, sagt Mathurin und fügte hinzu, „dass die Ölreserven von Haïti grösser seien als die von Venezuela, einem der weltgrößten Ölförderländer – “ Haïti habe zum Vergleich so viel mehr Erdöl als Venezuela, wie ein Glas Wasser und ein olympisches Schwimmbecken.“

Ich kann nur raten, den gesamten Artikel zu lesen, und ihn zu verbreiten, da ja unsere geliebten Massenmedien sowas reihenweise ignorieren. Und DAS ist wirklich ein Skandal.

Gaza hilft Haiti

Durch etliche blogs und Foren zieht sich die unsägliche Diskussion, „warum Muslime nicht für Haiti spenden“. So wird eine Lüge verbreitet, die hier in hetzerischer Weise die Erdbebenkathastrophe zum Islam-bashing missbraucht. Das konnte ich auch, wie bereits in meinem ersten Artikel zum Thema angemerkt, an den auf diesem blog eingehenden Suchanfragen merken.

Der Politblogger ist der Auffassung, das seien nur PI und die paar Hetzseiten. Ich bin im Gegenteil der Meinung, dass das – mal wieder – nur die Spitze des Eisbergs ist. Hinter diesen Tiraden steckt Methode. Diese drückt sich darin aus, dass es bislang keine deutschsprachige Quelle gibt, die die Hilfen aus muslimischen Ländern oder durch muslimische Organisationen auch nur erwähnt. Wer das als Zufall oder „nicht so schlimm“ sehen will, muss ziemlich gutgläubig sein.

Der Haaretz widme ich hier meinen Dank – sie veröffentlicht eine völlig unerwartete Hilfsleistung, nämlich von Menschen aus der Westbank, aber auch sogar aus Gaza, die versuchen, auch das Ihre zu tun, um den Haitianern etwas zukommen zu lassen.

Palestinians in Gaza are offering donations and financial support for the victims of Haiti’s devastating earthquake at the Strip’s Red Cross headquarters, the Palestinian Ma’an news agency reported on Monday.

The Ma’an reported said that Gazan family members of Palestinians imprisoned in Israel also participated in the effort, offering financial donations and goods such as blankets and covers, as well as food and milk for children.

Head of the Committee to Break the Siege Jamal Al-Khudary said „people may be astonished at our ability to collect donations from our people [in Gaza]; we tell them that this is a humanitarian campaign and our people love life and peace ?“

„We are here today supporting the victims of Haiti ? we feel for them the most because we were exposed to our own earthquake during Israel?s war on Gaza.“

The Red Cross director was only able to accept financial donations as transferring goods out of the Strip is near impossible, Al-Khudary added.

Mögen die, die die Muslime so verleumden, dabei aber in ihren Wohnungen voller Überfluss sitzen, vor den Palästinensern in Grund und Boden schämen!

Hilfe für Haiti – und ihre Rückseite

Haitis Menschen brauchen Hilfe, dringend. Aber wenn ich dann höre, welche Summen die USA vollmundig ankündigt, wie neben Clinton auch noch Bush von Obama als Beauftragte vor die Kamera gestellt werden, dann wird mir doch ganz anders. In welcher Form wird denn die Hilfe aus den USA kommen? Wieder als Soldaten? Zu viele Jahre haben die Amerikaner dort mitgemischt, als dass man ihnen nicht ein gutteil Verantwortung auch für die völlig desolate Lage der Insel bereits vor dem Erdbeben geben müsste. Gerade was den Putsch gegen Aristide angeht, sind noch viele Fragen offen.

Statt aber die Zeit seit dessen Absetzung für Maßnahmen zur Verbesserung der allgemeinen Situation zu nutzen, hat man das Putschregime gestützt, „Ruhe und Ordnung wiederhergestellt“ (inklusive 8000 Toten, die auf das Konto der Putschisten gehen, mit eventuell freundlicher Unterstützung durch CIA-ausgebildete Milizen).

Armes Haiti, das jetzt wieder diesen Leuten dankbar sein muss.

Mit Dank an Hintergrund.

Haiti – muslimische Reaktionen

Seit dem schweren Erdbeben schaut die Welt nach Haiti – gut einerseits, weil es Hilfe für das geplagte Land bedeutet, etwas nachdenklich machend andererseits, weil dieses arme Land sonst eher aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwindet, obwohl es so vieles bräuchte. Einen besonders guten Artikel zum Thema, der dazu mit etlichen Vorurteilen aufräumte, gab es heute beim Freitag.

Dem habe ich inhaltlich nichts hinzuzufügen, der Grund, warum ich trotz der großen medialen Aufmerksamkeit dem Erdbeben hier einen Artikel widme, ist, mich einem anderen Vorurteil zu widmen: Muslime helfen nur Muslimen. Das wird oft und gern in vor allem islamfeindlichen Foren und Artikeln behauptet. Glaubhaft klingt das auch deshalb, weil über die tatsächlich geleistete Hilfe selten bis nie in deutschsprachigen Medien berichtet wird. Ich bin jedoch seit gestern gleich verschiedenen Artikeln begegnet, die ein wenig mehr Einblick geben.

Islam online berichtet über Hilfszusagen, auch von den Islamischen Charities in Europa. Wem die Summen zu niedrig sind, der möge bedenken, dass diese Charities Spenden von den Muslimen aus den in Europa lebenden Minderheiten bekommen – dafür ist es relativ viel.

Al Jazeera widmet dem Erdbeben einen Front-Page-Artikel – mit einem Spendenaufruf, hier für internationale Organisationen.

Auch Jordanien sendet Hilfe, die Jordan Times berichtet:

Jordan Hashemite Charity Organisation Chairman HRH Prince Rashid, who saw the plane off at Marka Airport, said that work is under way to send another airplane with more medical staff and supplies in addition to humanitarian aid.

The military field hospital, which includes five physicians specialised in orthopaedics, general surgery and anaesthesia, in addition to logistical supplies, will be joining the medical team already in the Caribbean island as part of the peacekeeping mission.

Brigadier General Mohammad Muhaisin of the Royal Medical Services said that the hospital medics will perform surgeries and provide first aid to the victims, saying that more equipment and medicine will be shipped to Haiti in the coming two days.

The airplane is loaded with six tonnes of foods, relief items, medicine and clothing, according to Muhaisin.

Aus anderen Ländern, die finanziell besser gestellt sind, kommt sicher mehr, aber bei etlichen arabischen Staaten ist wohl eher der Grundsatz, nicht allzu viel darüber zu reden, mit ein Grund für die mangelhafte Wahrnehmung.

Mögen möglichste bald alle Haitianier versorgt werden können.

Nachtrag:

Ich hatte diesen Artikel in Anbetracht früherer Erfahrungen geschrieben. Trotzdem hat es mich schockiert, wieviele Hits er durch Suchen nach „warum helfen Muslime Haiti nicht“ oder ähnlich bekam. Ebenso die wie vorhergesagt entsprechenden Artikel (s. mein Kommentarbereich, wo ich einen solchen verlinkt habe) und Diskussionen, ganz übel mal wieder bei Kewil – den ich hier nicht verlinken will.

Diese Kathastrophe dazu zu nützen, mal wieder irgendwie Islam-bashing zu betreiben, ist wirklich das allerletzte.