Ein Platz zum Beten

In Frankreich, insbesondere in Paris und Marseille, war es seit langem Thema: Betende auf den Straßen vor einigen Moscheen am Freitag. Das lag vor allem daran, dass es insbesondere in Paris schwierig war und ist, ausreichend Platz in den Moscheen zu schaffen – Grundstückspreise sind hoch und Genehmigungen für Moscheebau schwer zu erhalten.

Gerade die Rechte (fröhlich von PI dokumentiert) versuchte alles Mögliche, um den Menschen die Gebete zu verleiden, bis hin zu Bratwurst- und Schweingrillfeten am Freitag.

Nun haben sie es teilweise geschafft, es gibt ein neues Gesetz, so, wie die derzeitige französische Regierung es ja liebt, Muslime zu schikanieren. Das Beten auf der Straße ist jetzt verboten. Ob und wie das durchsetzbar ist, frage ich mich, auch, ob dieses Gesetz eine Klage beim EuGH überstehen würde. Zumal die Straßennutzung z.B. für katholische Prozessionen nicht betroffen ist.

Ein Interview mit Claude Géant, dem zuständigen Minister, lässt da einiges durchblicken, interessant ist aber, dass zumndest im Pariser Stadtviertel Goutte d’Or, wo die Situation sehr bedrückend war, eine Lösung dergestalt gibt, dass die Stadt nunmehr einen Platz zur Verfügung stellt. Das hat dann ja zumindest etwas Gutes. Wenn man aber liest, dass der zuständige Bezirksbürgermeister erklärt hatte, dass diese Gebete – einmal in der Woche – ihn nicht stören würden, merkt man, wie weit das neue Gesetz wieder eine politische Maßnahme zum Wählerfang am rechten Rand darstellt.

Tunesien – die Diktatur könnte enden, trotz ihrer Unterstützer

Für das Ende:

Quelle: http://twitpic.com/3ph3hw

Und hier eine der Unterstützerinnen der Diktatur:

http://www.dailymotion.com/video/xgix06_alliot-marie-propose-d-aider-la-tunisie-dans-la-repression_news

Unruhiges Nordafrika

Seit der Selbstverbrennung eines jungen Mannes in Tunesien gärt es gerade in den beiden Ländern Tunesien und Algerien. Selbst bis in die deutschen Medien sind die Nachrichten inzwischen gedrungen, trotz der Versuche vor allem der tunesischen Regierung, möglichst wenig über die Demonstrationen und Proteste nach außen dringen zu lassen.  Kommunikationsmittel werden gesperrt, inzwischen wurden vor allem Schulen und Universitäten geschlossen. Denn diese Revolte ist die der Jugend, die sieht, dass die Regierung sie in eine aussichtslose Zukunft schickt und ihren Problemen gleichgültig gegenüber steht.

Diese Revolte ist nicht vom Ausland angezettelt – und über ihre Unterdrückung, mit inzwischen bis zu 50 Toten, wird nur zögerlich berichtet. Hier sitzen Regimes, die der Westen stützt. Die will man nicht desavouieren, Frankreich, heißt es, unterstütze Ben Ali auch weiterhin. Im Gegensatz zum iran, wo man sofort mit dem Verdacht auf Wahlfälschung zur Hand war, störte sich bei Tunesien kaum ein westlicher Politiker am völlig unglaubwürdigen Wahlergebnis zugunsten des tunesischen Präsidenten.

Das könnte sich jetzt rächen. Sowohl in Tunesien, als auch in Algerien, ebenso wie in Ägypten, wächst eine Generation heran, die jeweils über die Hälfte der Bevölkerung stellt und die unter ihren alten Regierungen nichts zu verlieren, ohne sie aber alles zu gewinnen hat. Der Westen wird sich fragen müssen, mit welcher Berechtigung er weiter marode, unfähige Diktaturen stützt, die in keiner Weise die anderswo verlangten Standards erfüllen, lediglich die westliche Paranoia gegen islamisch regierte Staaten bedienen. Das mindeste wäre, gegen die Repressionen ebenso zu protestieren, wie man es bei anderen Staaten tut.

Halal-Fastfood in Frankreich

Nun zähle ich mich ja eher zu den Menschen, die sehr gut auf Hamburger verzichten können. Insofern hat es mich nie gestört, dass die üblichen Fastfoodketten nicht halal sind und ich somit dort nicht esse. Aber es gibt doch eine ganze Menge wohl vor allem junger Menschen, die sich das wünschen.

In Frankreich nun hat eine Restaurantkette hier eine Marktlücke gesehen und nach einem Probelauf soll es 22 Halal-Burger-Läden geben, vor allem natürlich in Paris.

Um dem vorhersehbaren Protest entgegenzuwirken, meint man, auch noch eine nicht-halal-Variante anbieten zu müssen.

Ich bin ja mal gespannt, wie lange PI braucht, um einen Artikel dazu zu verfassen. Los gehts: 1, 2,….

Arabische Zahlen

Das Brookings-Institut hat, wie auch in den Vorjahren, eine Umfrage in einer Reihe arabischer Länder zu verschiedenen Themen gemacht und die Ergebnisse nun veröffentlicht.

Die 95 Seiten der pdf-Datei zumindest zu überblättern lohnt sich. Wenig überraschend, dass Obamas Popularität sehr nachgelassen hat, oder eine große Mehrheit der Befragten Israel und die USA für die größte Bedrohung in der Region hält.

Interessanter fand ich, dass zwischen 2008 und 2010 die Internet-Nutzung stark gestiegen ist – somit auch der Zugang zu mehr Nachrichten als nur aus dem Fernsehen, wo Al-Jazeerah erwartungsgemäß am Poulärsten ist.

Erstaunlich die Popularität Frankreichs – hätte ich nicht erwartet. Sogar ausgerechnet Sarkozy hat noch einen Platz unter den beliebtesten Spitzenpolitikern – wenn auch nur mit 6 %, während Erdogan die Liste anführt und arabische Regierungschefs praktisch nicht vertreten sind.

Wirklich nachdenklich machen sollten vor allem die arabischen Regierungen die Antworten, aus denen sich ergibt, dass immer mehr Araber sich in erster Linie als Muslime sehen und möchten, dass bei einer Interessenabwägung die Entscheidung getroffen wird, die am besten für die Muslime ist, nicht zuerst für das eigene Land. Dabei war Marokko ganz vorne, während im Libanon das Land zuerst steht, wie auch in Jordanien.

Im Ganzen gibt es i.Ü. eine Mehrheit, die der Meinung ist, dass der Iran das Recht haben soll, sein Atomprogramm fortzusetzen. Selbst wenn Iran Atomwaffen hätte, erwarten 58 % noch Positives davon.

Die Ergebnisse zur Palästina-Frage fand ich wenig überraschend, außer dass noch eine große Anzahl Hoffnungen auf eine Zwei-Staaten-Lösung unter Rückgabe der seit 1967 besetzten Gebiete hat.

Ich habe mich auf Auszüge beschränkt, denke aber, die Lektüre lohnt sich. Wie immer, Umfragen sind nicht zwangsläufig ein genaues Bild, diese hier, zumal sie auch die Ergebnisse der gleichlautenden Erhebungen aus 2008 und 2009 mit angibt.

Burka – die Gehirnwäsche wird fortgesetzt

Der Focus schreibt mal wieder einen anti-Burka Artikel, nachdem eine Umfrage ergeben habe, dass in einigen europäischen Ländern die Bevölkerung mehrheitlich für ein Burka-Verbot sei, und zwar

in Frankreich 82 %

in Deutschland 71 %

in Spanien 60 %

in England 60%

Interessanterweise stammen die Zahlen von einem amerikanischen Research-Institut, das für Amerika nur eine Zustimmung von 28 % für ein solches Verbotsgesetz angibt. Sollten die Zahlen stimmen, sind sie ein guter Beweis dafür, wie weit die dauernde Gehirnwäsche bestimmter Medien und rechter Kreise die Bevölkerung schon beeinflusst hat.

Das mit einem solchen Gesetz massiv in Grundrechte der betroffenen Frauen eingegriffen wird, nur um den dies Gesetz fordernden einen ihnen unangenehmen Anblick zu ersparen, scheint völlig egal. Grundrechte für Muslime? Nee, nich?

Welcher Anblick muss dann als nächstes verboten werden? Und was wird den Muslimen als nächstes untersagt?

Sie sollen nicht beten!

Während bei der UN muslimische Staaten zum Schutz von Muslimen in westlichen Ländern vorstellig werden, geben sich Bevölkerungsgruppen eben dieser aufgeklärten Staaten alle Mühe, die Notwendigkeit dieser Bemühungen zu untermauern.

In Frankreich, insbesondere in Paris, ist es ein Problem, dass die Moscheen meist nicht ausreichen, um gerade Freitags allen Gläubigen, die am Gebet teilnehmen wollen, genügend Platz zu gewähren. Ausbauten, Neubauten etc. treffen auf Widerstand bei Behörden und Anwohnern. Das hat zur Folge, dass die Betenden nicht nur in, sondern auch vor den Moscheen ihrer Pflicht zur Teilnahme am Freitagsgebet nachkommen – auch bei Winterwetter, im Übrigen. Der Anblick betender Menschen wiederum ruft eine mir völlig unverständliche Feindseligkeit bei leider immer mehr Menschen hervor (PI hatte schon verschiedene Artikel zu diesem Thema).

Um die Betenden zu belästigen, ist man jetzt im Pariser Stadtviertel „Goutte d’Or“ auf eine besonders kreative Idee gekommen: es wurde ein Straßenfest geplant, mit Alkohol und Schweinswürstchen. Genau da, wo die Muslime der lokalen Moschee aus Platzmangel ihr Gebet verrichten, und genau am Freitag … Hübsches Detail: laut taz wurde der Begriff für die Würstchen SO geschrieben: SauciSSons ….

Im Viertel wurde eine Gegenparty geplant, alkoholfrei und mit Lammkeule. Was nun stattfindet, wird wohl ein Gericht entscheiden müssen.

Das könnte ja alles ganz witzig sein, aber es ist eines dieser Mosaiksteinchen, mit denen den Muslimen in Europa klar gemacht wird, dass sie nicht erwünscht sind. Sie sollen nicht beten. Punkt. Aber was ist ein Muslim, der nicht betet?