Bald ist Ramadan

Voraussichtlich am 11. August beginnt in diesem Jahr der Fastenmonat. Einige Diskussionen wird es wie in jedem Jahr geben – innerislamisch über Beginn und Ende, mit der Umwelt über Fasten überhaupt, wer, warum, …. endlos, man kennt es.

Zwei Nachrichten erreichten mich gestern. Ich fange mit einer erfreulichen an: in England haben Apotheken eine Ramadan-Kampagne kreiert.  Von den lobenswerten Einzelheiten abgesehen, hat mich an dem Artikel fasziniert, wie viel Normalität damit für dort lebende Muslime entsteht: konkrete Befassung mit ihren Themen, ohne dabei an der Religion herumändern oder kritisieren zu wollen. Eine nachahmenswerte Einstellung.

Absolut unerfreulich: eine weitere sogenannte Fatwa aus Kairo, die mir völlig unverständlich ist, aber ernsthaft gläubigen muslimischen Fussballern noch viel Ärger bereiten wird. Akif berichtet darüber, ich kann mich seiner Meinung nur anschließen. Ich habe mir den mageren Text auf islam.de durchgelesen – Kopfschütteln. Er widerspricht etlichen fundamentalen Regeln des Islam. Leider hat es ja schon verschiedene Fälle gegeben, wo Al-Azhar-Entscheidungen für im nichtmuslimischen Ausland lebende Muslime sich lesen, als hätten da ganz andere Interessen dahinter gestanden.

Eine Frage jedoch kam bei mir auf: Laut dem Bericht bei islam.de hat man nicht nur in Kairo, sondern auch beim ECFR (European Council for Fatwa and Research) angefragt. Dessen Antwort wird jedoch nicht verraten.

Die Generation der ersten Einwanderer, die teilweise unter Tage oder am Hochofen arbeitete und trotzdem fastete, dürfte sich eher angeekelt abwenden. Möge Allah ihnen ihre Standhaftigkeit lohnen.

Al-Azhar: Schleichende Verdammung zur Irrelevanz?

Wie ich schon in meinem Artikel zum Tode des verstorbenen Scheichs der Al-Azhar-Universität in Kairo befürchtet hatte, bringt die Ernennung seines Nachfolgers keine Besserung.

Mubarak ernannte noch von seinem Krankenbett in Deutschland aus den bisherigen Rektor der Al-Azhar Universität Prof. Dr. Ahmad Mohammad Al-Tayyeb zu Tantawis Nachfolger. Nach etwas Suchen fand ich nun auf einer deutschsprachigen Seite der Al-Azhar einen Lebenslauf. Daraus ergibt sich, dass sein Fachgebiet islamische Philosophie und  Theologie ist – also nicht Quranwissenschaft, wie bei Tantawi, und erst recht nicht Fiqh. Das heißt, nachdem schon Tantawi dafür kritisiert wurde, dass er Rechtsmeinungen äußerte, ohne die dafür erforderliche Ausbildung zu haben, steht nun ein Mann an der Spitze der wichtigsten Universität des sunnitischen Islams, der noch weniger dazu geeignet wäre. Wenn er klug ist, überlässt er die Erstellung von Fatawa anderen Scheichs. Aber auch dann leidet das Ansehen, vor allem aber auch der Einfluss der Al-Azhar in der muslimischen Welt. Eine für mich sehr traurige Entwicklung – möge etwas Gutes daraus entstehen.