Schatten über Schavan

Nun scheint es die nächste zu erwischen. Frau Schavan soll es beim Erstellen ihrer Doktorarbeit mit dem Zitieren nicht so genau genommen haben.

Manchmal erwischt es doch die Richtigen.

Was ich gegen Schavan habe? Bis zu ihrer Entscheidung, Feresteh Ludin nicht in den Schuldienst einzustellen, gab es in Deutschland einige Lehrerinnen, die seit Jahren mit Hijab unterrichteten. Durch die von Schavan losgetretene Debatte wurde das allgemeine Klima für die Muslimas in Deutschland und bei der Arbeitssuche im Allgemeinen unwiderruflich vergiftet.

Ich gönne ihr den Ärger von Herzen. Bin ich schadenfroh? In einem solchen Falle ja, weil sie selbst schuld ist.

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Drei Jahre bloggen – und nun?

Heute, am 21.12.2011, wird dieser Blog drei Jahre alt. Er entstand, als ich feststellte, das alles, was ich auf anderen Websites, insbesondere in Foren, schrieb, einfach gelöscht werden konnte. Hier war ich nun meine eigene Chefin. Inzwischen hat der Blog Ableger bekommen, und seit fast zwei Jahren blogge ich auch bisweilen beim „Freitag„.

Nicht immer fülle ich die Seite regelmäßig mit neuen Inhalten – die Strafe dafür sind mäßige Besucherzahlen und wenig Kommentare. Das bedauere ich um so mehr, als mir meine Themen wichtig sind. Also heißt mein neuer Vorsatz für 2012, nicht aufgeben, sondern versuchen, mehr, vor allem regelmäßiger zu schreiben.

Durch den „Freitag“ kam ich auch zu Twitter, was mir schon 2010 oft Ideen für neue Beiträge brachte. 2011 wurde jedoch durch den „arabischen Frühling“ ein Ausnahmejahr – ich denke, jeder, der damit zu tun hatte, weiß, was ich meine: Stundenlang an der Timeline kleben und live die Ereignisse verfolgen, die im TV allenfalls bei Al-Jazeerah zu sehen sind – und auch da nicht immer. Das hat meiner Produktivität oft auch nicht wirklich gut getan, aber mir, gerade über Twitter, Bekanntschaften eingebracht, die ich nicht mehr missen möchte. Vielleicht ergibt sich in der Zukunft mehr daraus.

Viel mehr Leser hat mein Blog auch durch Twitter nicht bekommen: meine deutschen Follower scheinen sich mehrheitlich für anderes zu interessieren, diejenigen, die meine Artikel interessieren könnten, lesen nicht so gerne oder gut deutsch. Bislang habe ich jedoch die Idee, auf englisch zu veröffentlichen, abgelehnt, weil einerseits mein englisch nicht perfekt ist und andererseits es sehr viel mehr Informationen nicht auf deutsch gibt.

Weiterbloggen? Auf jeden Fall. Facebook und Google+ meide ich, dort braucht man mich nicht zu suchen. Twitter ja, gerne, aber sonst: meine blogs.

2012 mit mehr Verbreitung – inshaAllah.

Diesen Artikel hätte ich ohnehin als Geburtstagsbeitrag geschrieben, nun aber auch als Beitrag zur Blogparade bei Robert Basic.

Ägypten, Samstag, 19.3.2011 – Referendum

Ein spannender Tag für Ägypten: heute soll über die im Eilverfahren ausgearbeiteten Verfassungsänderungen abgestimmt werden.

Seit Tagen ging es in der Diskussion hoch her – viele sagen, das sei zu schnell, man solle sich Zeit nehmen, eine ganz neue Verfassung auszuarbeiten, die Gegenseite argumentiert, diese Änderungen würden den Weg zu Neuwahlen möglich machen, so dass alles Weitere dann von ordentlich gewählten Gremien durchgeführt werden könnte.

Die wichtigsten Änderungen:

  • Candidates will have three ways to get on the presidential ballot: nomination by a party with at least one parliamentary seat; endorsement by 30 members of the parliament; or attainment of 30,000 signatures of citizens eligible to vote.
  • The president will serve for four years and be limited to two terms.
  • The president will be obligated to appoint at least one vice president.
  • The judiciary is returned to active supervision of elections and will be the final arbiter of the validity of legal challenges to results.
  • The president or half of the members of parliament may call for a new constitution and a 100-member assembly can be convened to draft a new constitution.
  • The president may declare a state of emergency with parliamentary approval; any extension beyond six months would require approval in a public referendum.
  • An article setting aside constitutional human rights provisions in terrorism cases will be removed entirely.

www.carnegieendowment.org/publications/index.cfm?fa=view&;;id=42817#

In diesem link sind anschließend die vorgeschlagenen Änderungen im Einzelnen diskutiert.

Interessanterweise wollen sowohl El-Baradei als auch Amr Moussa mit „Nein“ stimmen – ob sich beide bessere Chancen ausrechnen, wenn zuerst der Präsident gewählt wird, und dann die neue Verfassung kommt?

Was aber auch bei gegenteiligen Ansichten durchscheint, ist die Begeisterung, mit der die Änderungen kontrovers diskutiert werden. Gerade die, die maßgeblich an der Revolution beteiligt waren, finden es gut, eine Wahl zu haben – und dass man verschiedener Meinung sein kann.

Es gibt auch weiter bedenkliche Nachrichten, gerade vom Verhalten der Armee, die Leute verhaften soll. Manches finde ich schwer einzuordnen. Insgesamt aber überwiegt derzeit eher die Hoffnung auf bessere Zeiten.

 

Mehr dazu aus Ägypten z.B.:

egyptianchronicles.blogspot.com/2011/03/few-hours-to-big-moment.html

www.arabist.net/blog/2011/3/17/referendum-around-the-corner.html

Haiti – Ein Jahr danach

Vor einem Jahr verwüstete ein starkes Erdbeben einen großen Teil Haitis. Der Wiederaufbau geht stockend voran, eine Choleraausbruch verschlimmert die Lage, bringt das Land aber wenigstens zeitweise wieder in Erinnerung.

Viele der Helfer sind das ganze Jahr dort gewesen, ich lese immer mal hier und da etwas. Heute berichtet Islamic Relief, dass eine Inspektion ihrer Projekte vorgesehen ist und zwei Mitglieder demnächst berichten werden. Wer sich dafür interessiert, kann das hier verfolgen:

Blog Islamic Relief USA

Just a tweet

@noaf_e Noaf
Im Muslim Kill me,call it Collateral Damage,imprison me,call it Security,invade my land,alter my leaders,call it DEMOCRACY. @maithaalmaktoum
Das fand ich in meiner Twitter-Timeline – bitter und wahr.

Ramadan kerim

Heute beginnt der Ramadan – jedenfalls hier, und offensichtlich auch in vielen anderen Ländern. Das wird einige Umstellungen in meinem Zeitbudget geben, ich werde vermutlich sehr viel weniger online sein, aber nach Ende des Ramadans blogge ich dann isa wie gewohnt weiter.

In Anbetracht der letzten Nachrichten hoffe ich, dass ganz viel für Pakistan gespendet wird – und dass nicht wieder ein Innenminister meint, die Spenden würden seiner Kasse gut tun.

Allen wünsche ich einen gesegneten Ramadan.

Arabische Zahlen

Das Brookings-Institut hat, wie auch in den Vorjahren, eine Umfrage in einer Reihe arabischer Länder zu verschiedenen Themen gemacht und die Ergebnisse nun veröffentlicht.

Die 95 Seiten der pdf-Datei zumindest zu überblättern lohnt sich. Wenig überraschend, dass Obamas Popularität sehr nachgelassen hat, oder eine große Mehrheit der Befragten Israel und die USA für die größte Bedrohung in der Region hält.

Interessanter fand ich, dass zwischen 2008 und 2010 die Internet-Nutzung stark gestiegen ist – somit auch der Zugang zu mehr Nachrichten als nur aus dem Fernsehen, wo Al-Jazeerah erwartungsgemäß am Poulärsten ist.

Erstaunlich die Popularität Frankreichs – hätte ich nicht erwartet. Sogar ausgerechnet Sarkozy hat noch einen Platz unter den beliebtesten Spitzenpolitikern – wenn auch nur mit 6 %, während Erdogan die Liste anführt und arabische Regierungschefs praktisch nicht vertreten sind.

Wirklich nachdenklich machen sollten vor allem die arabischen Regierungen die Antworten, aus denen sich ergibt, dass immer mehr Araber sich in erster Linie als Muslime sehen und möchten, dass bei einer Interessenabwägung die Entscheidung getroffen wird, die am besten für die Muslime ist, nicht zuerst für das eigene Land. Dabei war Marokko ganz vorne, während im Libanon das Land zuerst steht, wie auch in Jordanien.

Im Ganzen gibt es i.Ü. eine Mehrheit, die der Meinung ist, dass der Iran das Recht haben soll, sein Atomprogramm fortzusetzen. Selbst wenn Iran Atomwaffen hätte, erwarten 58 % noch Positives davon.

Die Ergebnisse zur Palästina-Frage fand ich wenig überraschend, außer dass noch eine große Anzahl Hoffnungen auf eine Zwei-Staaten-Lösung unter Rückgabe der seit 1967 besetzten Gebiete hat.

Ich habe mich auf Auszüge beschränkt, denke aber, die Lektüre lohnt sich. Wie immer, Umfragen sind nicht zwangsläufig ein genaues Bild, diese hier, zumal sie auch die Ergebnisse der gleichlautenden Erhebungen aus 2008 und 2009 mit angibt.