Um die Kölner Moschee der DITIB hat es von Anfang an viel Streit gegeben. Ich fand immer, die DITIB hätte sich ziemlich viel Mühe gegeben, Öffentlichkeit herzustellen, die Stadt mit einzubeziehen, bis zu Punkten, wo ich dachte, muss das denn sein.

Denn – abstrahieren wir doch mal von der Tatsache, dass es sich um eine Moschee handelt. Tatsache ist, dass dort in Ehrenfeld ein Grundstück seit Jahren im Eigentum eines eingetragenen Vereins steht und dieser das daraufstehende Gebäude gemäß einer Erlaubnis für seine satzungsgemäßen Zwecke nutzte. Dieses Gebäude sollte nun abgerissen und ein neues, dem Zweck besser dienendes, errichtet werden. Ein völlig normaler Vorgang, dessen Berechtigung sich bereits aus der Eigentümerstellung ergibt.

Der Bauherr, als Verein eine Privatperson, ist weder verpflichtet, die Art des Baus über das baurechtlich gebotene hinaus von Dritten beeinflussen zu lassen, noch, seine inneren Angelegenheiten öffentlich zu machen. Die DITIB hat sich, auch mit dem Architekturwettbewerb, da schon sehr weit reinreden lassen. Anscheinend hat das den Eindruck erweckt, dass man sich dort daher verpflichtet habe, alles öffentlich zu bekakeln – und nun, nein, wie schlimm, änderte sich der DITIB-Vorstand und es geht ein entsetzter Aufschrei um. Haben die doch nicht gefragt, bevor der so bequeme Ali Dere abgelöst wurde. Wie brüskierend!

Ehrlich – nach der Pleite mit den „Vermisst“-Plakaten und der Teilnahme an der unsäglichen Sicherheitspartnerschaft hätten auch bei den anderen Verbänden Köpfe rollen müssen. Und auch das hätte keinen brüskieren dürfen, selbst wenn die dann nachrückenden Personen nicht so handzahm wären.

Hoffen wir, dass die DITIB sich in Zukunft etwas mehr Profil und Rückgrad leistet – könnte anderen Verbänden auch gut zu Gesicht stehen.

Ein Platz zum Beten

In Frankreich, insbesondere in Paris und Marseille, war es seit langem Thema: Betende auf den Straßen vor einigen Moscheen am Freitag. Das lag vor allem daran, dass es insbesondere in Paris schwierig war und ist, ausreichend Platz in den Moscheen zu schaffen – Grundstückspreise sind hoch und Genehmigungen für Moscheebau schwer zu erhalten.

Gerade die Rechte (fröhlich von PI dokumentiert) versuchte alles Mögliche, um den Menschen die Gebete zu verleiden, bis hin zu Bratwurst- und Schweingrillfeten am Freitag.

Nun haben sie es teilweise geschafft, es gibt ein neues Gesetz, so, wie die derzeitige französische Regierung es ja liebt, Muslime zu schikanieren. Das Beten auf der Straße ist jetzt verboten. Ob und wie das durchsetzbar ist, frage ich mich, auch, ob dieses Gesetz eine Klage beim EuGH überstehen würde. Zumal die Straßennutzung z.B. für katholische Prozessionen nicht betroffen ist.

Ein Interview mit Claude Géant, dem zuständigen Minister, lässt da einiges durchblicken, interessant ist aber, dass zumndest im Pariser Stadtviertel Goutte d’Or, wo die Situation sehr bedrückend war, eine Lösung dergestalt gibt, dass die Stadt nunmehr einen Platz zur Verfügung stellt. Das hat dann ja zumindest etwas Gutes. Wenn man aber liest, dass der zuständige Bezirksbürgermeister erklärt hatte, dass diese Gebete – einmal in der Woche – ihn nicht stören würden, merkt man, wie weit das neue Gesetz wieder eine politische Maßnahme zum Wählerfang am rechten Rand darstellt.

Die erste Moschee in den USA

Auf einem blog beschreiben zwei amerikanische Muslime ihre Tour durch die USA: 30 Moscheen in 30 Staaten während des Ramadan. Dabei kamen wundervolle Bilder und Berichte zustande – ich habe mal den über die vermutlich erste Moschee auf amerikanischem Boden herausgepickt:

Ross is home to the first mosque that was ever built in the United States. A Syrian farmer by the name of Hassan Juma immigrated to the U.S. and settled in Ross in the late 1800s. More Syrians came into town shortly after and the community built a mosque in 1929  after spending years praying in each other’s basements. It was later demolished in the 1970s but there’s a Muslim cemetery nearby where many of the original community members are buried. In 2005, a new mosque was built on the same land as the original mosque.

Und auch ein Friedhof gehört dazu:

I find the cemetery about a hundred feet from the mosque. I begin reading the names on the tombstones and the birth dates below them. 1882, 1904, 1931.  Each of them has a star and crescent symbol at the top of the stone reflecting a Muslim was buried there.

Insgesamt, eine wundervolle Idee, ein toller blog (kommt gleich in meine linkliste) mit wunderbaren Photos. Sowas müsste man mal woanders machen. Viel Freude beim Lesen!

Tag der offenen Moschee

Auch in diesem Jahr findet wieder der „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober statt. Es gibt eine Liste der teilnehmenden Moscheen, mit Telefonnummer, wer sich vorher gerne erkundigen möchte. Leider scheint sie, wie in jedem Jahr, nicht ganz vollständig zu sein. Ich habe eben kurz durchgesehen, etliche Moscheen, die ich kenne und die jeden Tag teilnehmen, stehen nicht darauf. Also wer in seiner Nachbarschaft eine kennt, einfach hingehen und fragen.

Auf der einen Seite finde ich das Ganze ja eine nette Idee. Sie kam auf, als vor ca. 15 Jahren auch die muslimischen Verbände meinten, es könne bei den Nichtmuslimen Interesse geben, sich die Moscheen mal wirklich vorführen und erklären zu lassen. Das klappt bisweilen recht gut, es kommen jedes Jahr Menschen – oft etwas abhängig von Wetter und Konkurrenzveranstaltungen, leider aber oft die gleichen wie im Vorjahr. Vielleicht auch, weil das Buffet in vielen Moscheen gut ist?

Hinzu kommt jedes Jahr die übliche Quote an Provokateuren. Wer in der Moschee als Vortragender oder Fragenbeantworter ausgeguckt wurde, kennt die Spielchen. Aber auch das ist dann für die anderen Besucher oft recht lehrreich.

Im Internet wird oft moniert, dass sich die Muslime nun gerade den Tag der Deutschen Einheit ausgeguckt hätten. Ehrlich: egal, welchen Tag wir genommen hätten, es hätte Ärger gegeben. Ein christlicher Feiertag? Nein, also wirklich nicht. Ein Sonntag? eigentlich auch nicht (fällt diesmal zusammen, ist Zufall). Was bleibt dann? 1. Mai? Da gehen doch etliche aus der Community auch auf Gewerkschaftsverantstaltungen. Und wollen, dass auch andere hingehen.

Und so wählte man wohl den 3.10. – auch unter dem Gesichtspunkt, sich als Teil der deutschen Gesellschaft zu sehen. Manche aber scheinen gerade das übel zu nehmen.

Mir persönlich gefällt der Titel nicht: er erweckt einen Irrtum, nämlich, dass die Moscheen an den anderen 364 Tagen geschlossen seien. Im Gegensatz zu vielen wochentags abgeschlossenen Kirchen sind sie das aber nicht. Gäste sind i.d.R. auch immer willkommen – nur, wer Gespräche sucht, kommt eventuell ungelegen, wenn niemand da ist, der kenntnisreich genug ist, um Auskünfte zu erteilen. Das sollte man bei unangemeldeten Besuchen einfach einrechnen und es nicht den Anwesenden übel nehmen, wenn sie nicht recht wissen, was sie mit einem anfangen sollen.

Viele Moscheen bieten auch Führungen an, für Schulklassen und andere Gruppen. Einfach fragen.

Das Problem mit dem Grundgesetz

Beim „Blasphemieblog“ gibt es einen Videomitschnitt einer ZDF-Sendung zu sehen, in dem über die Salafitische Gruppe in Mönchengladbach berichtet wird. Da man ihre Räume geschlossen hat, beten sie nun auf der Straße. Soweit ich dem Bericht entnehmen kann, haben sie das als Demonstration ordentlich angemeldet. Das nun wieder passt den braven Bürgern nicht, wie man in dem Video hören kann.

Sowas wollen wir hier nicht sehen – das ist anscheinend der Hauptvorwurf. Was ich sehe, sind Muslime, die sich an deutsche Rechtsvorschriften halten und in erlaubter Form gegen das protestieren, was ihnen nicht passt. Was die Schließung der Räume angeht – mit Baurecht kann man fast alles aushebeln, ich bin keineswegs sicher, dass da die Stadt im Recht ist. Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Was die Gegner mal tun sollten: in einen Spiegel schauen. SIE sind es, denen hier das Grundgesetz nicht gefällt. Und wenn sie monieren, dass einiges, was die dortige muslimische Gemeinde vertritt, nicht grundgesetzkonform sei – tja, tatsächlich muss sich der Staat daran halten, nicht unbedingt jeder einzelne Bürger. Sonst müsste man die katholische Kirche längst verboten haben.

Dies nur mal am Rande, weil es sehr plakativ zeigt, dass für eine recht große Menge deutscher Bürger das GG nur so lange passt, wie es ihnen nicht zumutet, auch andere dulden zu müssen.

Spielerisches Lernen – so schießt man Muezzine ab

Die steirische FPÖ hat sich etwas gar lustiges einfallen lassen: ein onlin-Spiel, wo die Muezzine auf den Minaretten abzuschießen sind. Wohlgemerkt, Muezzine, die es nicht gibt in der Steiermark, auf Minaretten, die es da auch nicht gibt. Aber man kann ja schon mal die entsprechend geistig Veranlagten üben lassen.

Am Ende des Spiels kommt dann dieser Text:

„Die Steiermark ist voller Minarette und Moscheen! Damit das nicht geschieht: Am 26. September Dr. Gerhard Kurzmann und die FPÖ wählen!“

Das Spiel wurde bereits im vergangenen Jahr von der Schweizer Anti-Minarett-Initiative verwendet, die steirische FPÖ verlinkt es auf ihrer Homepage.

Anzeigen laufen, die IGGÖ denkt noch nach. Shakfeh braucht wohl mal wieder etwas länger.

Klar ist, das hier ist ein Aufruf zur Gewalt, der noch über die fremdenfeindlichen Ausfälle der FPÖ im Wahlkampf hinausgeht. Es ist eine der Folgen der unsäglichen Minarett-Entscheidung: die FPÖ wittert Wählerstimmen, die mit solcher Hetze zu fangen sein könnten.

Und das schlimmste ist, ich fürchte, es stimmt.

Nachtrag: Das Spiel ist inzwischen vom Netz. Auch der Freitag schreibt etwas dazu – lesenswert.

Sakrileg aus purem Hass

Eine „christliche“ Gemeinde in Florida ruft dazu auf, am 11. September soviele Korane wie möglich zu verbrennen. Durch einen Aufruf bei Facebook bekämen sie derzeit neue Exemplare zugeschickt und der Pastor, Terry Jones, sieht dies als Einladung zur Konversion.

Der 11.9. ist nicht nur der Jahrestag des WTC-Angriffs, sondern in diesem Jahr voraussichtlich auch der Eid-ul-Fitr, der Feiertag am Ende des Fastenmonats, eines der beiden höchsten Feste im Islam.

Das ist eine geplante Provokation, die mich fast sprachlos lässt. Die Moscheegemeinden in Florida sind ohnehin mit dieser Nachbarschaft gestraft: nicht nur, dass auf dem Gelände dieser sogenannt christlichen Vereinigung ein Schild prangt mit dem Slogan „Islam is of the Devil“, im Mai wurde die Moschee in Jacksonville Opfer eines Rohrbombenanschlags, der zwar keine Menschenleben forderte, was aber sicher nicht in der Absicht der Attentäter lag.

Ein Spiel mit dem Feuer, geboren aus blankem Hass.