Deutschland als Verfolgerstaat

Die USA gewähren einer deutschen Familie Asyl, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollte und daher mit Geldstrafen und dem Entzug des Sorgerechts bedroht wurde. Das ist ja kein Einzelfall, dank der bereits vom UN-Sondergesandten Munoz beklagten rigiden Durchsetzung der deutschen Schulpflicht.

Das amerikanische Einwanderungsgericht stellt auch auf die Verfolgung der Homeschooler als Gruppe ab, ohne dabei sonderlich auf die religiöse Begründung der Eltern einzugehen. Das halte ich für stringend, und eine Ohrfeige zu diesem Thema war lange überfällig, nachdem man ja dickfellig nicht auf den Report Munoz‘ reagierte (nicht nur bei dieser Frage).

Der Kommentarmob im dazu geschalteten SPON-Forum tobt sich mal wieder aus, nur wenige vernünftige Stimmen sind noch zu hören. Der Mangel an Faktenwissen ist dabei wie üblich eklatant, kaum jemand dort weiß, dass viele europäische Staaten ebenfalls eine Schulpflicht mit Anwesenheitszwang nach deutschem Muster nicht kennen und ablehnen – u.a. Frankreich und Österreich. Dort besteht Unterrichtspflicht – dh, am Ende jeden Schuljahres müssen die Kinder, die keine öffentliche oder anerkannte Schule besuchen, eine Prüfung ablegen. Wie und wo sie dieses Wissen erwerben, ist Sache der Eltern. Aber Deutschland weigert sich ja standhaft, solche Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Ich hätte der Familie auch den einfacheren, kürzeren Weg nach Österreich geraten, aber das nun ergangene Urteil lässt mich doch sehr schadenfroh schmunzeln. Die Resonnanz in der Presse ist erheblich – google warf mal eben 189 Fundstellen raus. Mag sein, dass es noch von der nächsten Instanz kassiert wird, aufgrund diplomatischer Rücksichten – aber diese Beurteilung der deutschen „Kindeswohlszene“ ist erst mal in der Welt.

Jugendämter und türkische Kinder

Erfreulicher Weise nimmt sich die türkische Presse dieses Themas an. Ich hoffe sehr, dass einige Fälle weiterverfolgt werden, da man in Deutschland trotz internationaler Kritik, insbesondere an der mangelnden Aufsicht über die Jugendämter, das Thema mangels öffentlichen Interesses selten behandelt.

So war heute im Pressedienst zu lesen:

Rechtswidrige Praktiken der Jugendämter
Die ZAMAN veröffentlich ein Dossier über die Jugendämter in Deutschland. Es werden über Unzulänglichkeiten, Falschentscheidungen bis hin zu rechtswidrigen Praktiken in den Jugendämtern hingewiesen. Durch die Jugendämter in Obhut genommene Kinder würden etwa oft einem übermäßigen Alkoholkonsum verfallen. Das werde von vielen Mitarbeitern der Jugendämter jedoch nicht problematisiert. Jeder Jugendamtsmitarbeiter habe ohnehin ein anderes Verständnis vom Kindeswohl. Es sei in diesem Zusammenhang auch ein Problem, dass keine hinreichenden Kontrollmechanismen bestehen. Betroffene müssten mit jahrelangen Rechtsverfahren rechnen, wenn sie Entscheidungen bze. Einschätzungen der Jugendämter widersprechen.

Die SABAH gibt hierzu ein Einzelschicksal wieder. Eine alleinerziehende türkischstämmige Mutter habe für die Zeit ihres Krankenhausaufenthalts ihren Sohn für eine Woche in Obhut des Jugendamts gegeben. Das Jugendamt habe aber entschieden, dass es auch danach besser für das Kindeswohl sei, wenn es nicht zur Mutter zurückkehrt. Die verzweifelte Mutter könne seit einem Jahr ihren Sohn nur einmal im Monat für wenige Stunden sehen.

Erst kürzlich las ich in einer deutschsprachigen Publikation, dass man sich bemühe, mehr Pflegeeltern aus Migrantenfamilien zu bekommen. Migranten seien bislang bei der Jugendamtsklientel unterrepräsentiert – erst bei den älteren Mädchen ändere sich dies. Letzteres erstaunt mich nicht – leider höre ich immer wieder von Fällen, wo Jugendamtsmitarbeiter schnellstens bereit sind, muslimische Mädchen in Wohnprojekte zu vermitteln, weil diese ihren Pubertätsfrust passend zum deutschen Umfeld in angebliche zu strenge religiöse Erziehung zu verpacken verstehen. Desaströs für die Mädchen, die ein Leben ohne Familie, wie sie es sich damit einhandeln, überhaupt nicht kennen und durch ihre Sozialistation mit der gesellschaftlichen Einsamkeit kaum fertig werden können.