Die dunkle Seite des „Heldentums“

Gerade in den arabischen Ländern, aber auch anderswo, ist die Freude über die Flucht des tunesischen Diktators groß. Wie es weiter geht, bleibt abzuwarten, die neue Regierung mit sehr viel alten Gesichtern wirkt auf viele ebensowenig vertrauenerweckend wie auf mich, wenn ich die Kommentare richtig lese.

Auslöser der Demonstrationen, die zu diesem insgesamt erfreulichen Umsturz – wenn er denn einer bleibt – führten, war die Selbstverbrennung eines jungen Mannes. Er wird von vielen als Held gefeiert. Bedauerlicherweise findet er in anderen Ländern, so wie gestern in Mauretanien und Ägypten, Nachahmer.

Ist diese Art des Selbstmordes wirklich lobenswert, eine Heldentat? Gestern abend gab es über Twitter eine Debatte, weil ein Tweet sagte, ungeachtet der posiviten Folgen, Selbstmord ist für Muslime eine Sünde. Darüber empörten sich einige, auch Mona Elthahwy. Nur: der andere hatte recht. Auch hier heiligt der Zweck nicht die Mittel. Dieser junge Mann warf nicht nur sein Leben fort, er beging dabei eine große Sünde. Ob er sich dabei dachte, er könne die Menschen zwingen, etwas zu ändern, oder ob er Allah selbst trotzen wollte – wir wissen es nicht. Jedenfalls weigerte er sich, Allah weiter zu gehorchen. Und daher ist er alles mögliche, aber kein Held. Um so schlimmer, dass andere ihn nachahmen. Ich hoffe, dass in jeder Moschee, in jeder Freitagspredigt, dagegen protestiert wird.

Danach ging – wie zu erwarten war – die Diskussion am Thema weiter, dass es doch auch Selbstmordattentäter gebe – und Fatwas, die sie zuließen. Darüber kann man verschiedener Meinung sein. Der Unterschied ist jedoch in jedem Fall, dass jedesmal Kampf die Absicht ist – nicht die Beendigung des eigenen Lebens, nur um ein Statement abzugeben. Dass manche Gelehrten dies als erlaubt ansehen, liegt u.a. daran, dass sie argumentieren, dass der Schwächere, der sich mit einer Mehrheit an Feinden anlegt, auch wenn er das eigene dabei riskiert, nicht als Selbstmörder zu verdammen ist. Dem kann ich mich anschließen – aber das gilt eben für diese Art von Selbstmord nicht – das bleibt eine Sünde und ich hoffe und bete, dass es nicht noch mehr Menschen gibt, die meinen, diesen Weg gehen zu müssen.

Nachtrag: während ich dies schreibe, kommt die Meldung, dass es in Ägypten den dritten Selbstmörder gab.

 

Politische Straftaten – Anschläge auf Moscheen – Fremdenhass?

Seit dem letzten Sommer hat es mindestens sieben Anschläge auf Moscheen in Deutschland gegeben – die Polizei gab an, es könnten zehn sein, da dies aus einem Bekennerschreiben hervorging. Bislang hielten sich die Schäden in Grenzen.

Einige Lästermäuler meinten, es handele sich um innerislamische Streitigkeiten, dagegen spricht jedoch, dass es gerade in Berlin die verschiedensten Moscheen traf – die Sehitlik-Moschee der DITIB, die alte Ahmadi-Moschee, die An-Nur-Moschee – völlig unterschiedliche Richtungen der Betreiber.

Nun erhielt ich vorhin den link zu einer Anfrage im Bundestag über „Politische Straftaten“. Fragesteller sind Abgeordnete der Regierungsparteien. Laut dieser Anfrage werden politische Straftaten in „Hasskriminalität, Fremdenfeindlichkeit, antisemitisch, Polizei (?), bzw. Konfrontation gg rechts/links aufgeteilt. Da stellt sich mir wirklich die Frage, wo die Anschläge gegen Moscheen und Muslime einzuordnen wären. Vor kurzem gab es eine unfreundliche Diskussion, weil genau der Vorschlag gemacht worden war, diese gesondert auszuweisen. Angesichts dieser Liste würde ich mich inzwischen dafür aussprechen. Denn – wo gehört das sonst hin?

Fremdenfeindlichkeit? Klar, jeder Muslim ist ein Ausländer, und Moscheen sind fremd.

Just a tweet

@noaf_e Noaf
Im Muslim Kill me,call it Collateral Damage,imprison me,call it Security,invade my land,alter my leaders,call it DEMOCRACY. @maithaalmaktoum
Das fand ich in meiner Twitter-Timeline – bitter und wahr.

Die erste Moschee in den USA

Auf einem blog beschreiben zwei amerikanische Muslime ihre Tour durch die USA: 30 Moscheen in 30 Staaten während des Ramadan. Dabei kamen wundervolle Bilder und Berichte zustande – ich habe mal den über die vermutlich erste Moschee auf amerikanischem Boden herausgepickt:

Ross is home to the first mosque that was ever built in the United States. A Syrian farmer by the name of Hassan Juma immigrated to the U.S. and settled in Ross in the late 1800s. More Syrians came into town shortly after and the community built a mosque in 1929  after spending years praying in each other’s basements. It was later demolished in the 1970s but there’s a Muslim cemetery nearby where many of the original community members are buried. In 2005, a new mosque was built on the same land as the original mosque.

Und auch ein Friedhof gehört dazu:

I find the cemetery about a hundred feet from the mosque. I begin reading the names on the tombstones and the birth dates below them. 1882, 1904, 1931.  Each of them has a star and crescent symbol at the top of the stone reflecting a Muslim was buried there.

Insgesamt, eine wundervolle Idee, ein toller blog (kommt gleich in meine linkliste) mit wunderbaren Photos. Sowas müsste man mal woanders machen. Viel Freude beim Lesen!

Tag der offenen Moschee

Auch in diesem Jahr findet wieder der „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober statt. Es gibt eine Liste der teilnehmenden Moscheen, mit Telefonnummer, wer sich vorher gerne erkundigen möchte. Leider scheint sie, wie in jedem Jahr, nicht ganz vollständig zu sein. Ich habe eben kurz durchgesehen, etliche Moscheen, die ich kenne und die jeden Tag teilnehmen, stehen nicht darauf. Also wer in seiner Nachbarschaft eine kennt, einfach hingehen und fragen.

Auf der einen Seite finde ich das Ganze ja eine nette Idee. Sie kam auf, als vor ca. 15 Jahren auch die muslimischen Verbände meinten, es könne bei den Nichtmuslimen Interesse geben, sich die Moscheen mal wirklich vorführen und erklären zu lassen. Das klappt bisweilen recht gut, es kommen jedes Jahr Menschen – oft etwas abhängig von Wetter und Konkurrenzveranstaltungen, leider aber oft die gleichen wie im Vorjahr. Vielleicht auch, weil das Buffet in vielen Moscheen gut ist?

Hinzu kommt jedes Jahr die übliche Quote an Provokateuren. Wer in der Moschee als Vortragender oder Fragenbeantworter ausgeguckt wurde, kennt die Spielchen. Aber auch das ist dann für die anderen Besucher oft recht lehrreich.

Im Internet wird oft moniert, dass sich die Muslime nun gerade den Tag der Deutschen Einheit ausgeguckt hätten. Ehrlich: egal, welchen Tag wir genommen hätten, es hätte Ärger gegeben. Ein christlicher Feiertag? Nein, also wirklich nicht. Ein Sonntag? eigentlich auch nicht (fällt diesmal zusammen, ist Zufall). Was bleibt dann? 1. Mai? Da gehen doch etliche aus der Community auch auf Gewerkschaftsverantstaltungen. Und wollen, dass auch andere hingehen.

Und so wählte man wohl den 3.10. – auch unter dem Gesichtspunkt, sich als Teil der deutschen Gesellschaft zu sehen. Manche aber scheinen gerade das übel zu nehmen.

Mir persönlich gefällt der Titel nicht: er erweckt einen Irrtum, nämlich, dass die Moscheen an den anderen 364 Tagen geschlossen seien. Im Gegensatz zu vielen wochentags abgeschlossenen Kirchen sind sie das aber nicht. Gäste sind i.d.R. auch immer willkommen – nur, wer Gespräche sucht, kommt eventuell ungelegen, wenn niemand da ist, der kenntnisreich genug ist, um Auskünfte zu erteilen. Das sollte man bei unangemeldeten Besuchen einfach einrechnen und es nicht den Anwesenden übel nehmen, wenn sie nicht recht wissen, was sie mit einem anfangen sollen.

Viele Moscheen bieten auch Führungen an, für Schulklassen und andere Gruppen. Einfach fragen.

Der blamierte Innenminister

Als Innenminister sollte man wissen, dass in Deutschland die Unschuldsvermutung gilt. Aber der Herr de Maiziere wollte ja lieber gleich von „schuldig im Sinne des Ermittlungsverfahrens“ ausgehen. Nun steht er da, nachdem die Münchener Staatsanwalt ihre vollmundigen Vorwürfe von Betrug, Geldwäsche, die Unterstützung terroristischer Organisationen und die Bildung einer kriminellen Vereinigung eingestellt hat. 19 Monate, nachdem durch Razzien und großen Lärm in der Presse erst mal eine ganze Reihe Muslime kräftig mit Schmutz beworfen worden waren. In Wirklichkeit wurde an einigen der Vorwürfe bereits erheblich länger gestrickt – aber es war einfach nichts da, was man beweisen hätte können.

Der angerichtete Schaden ist groß, für das Image, bei den Vereinsmitgliedern, bei den zu Unrecht beschuldigten. Wie das Nachspiel aussehen wird, steht noch offen.

Leider habe ich noch keine der Presseerklärungen im Wortlaut erhalten, ich hoffe, jemand ist so nett und postet sie mir in die Kommentare.

Die Süddeutsche Zeitung zitiert zwei der Hauptgeschädigten:

„Der Versuch, uns zu kriminalisieren, wird ins Leere gehen“, sagte Ücüncü. Der 42-Jährige erwägt, wegen des Ermittlungsverfahrens Schadenersatz vom Staat zu fordern.Ähnlich äußerte sich der frühere Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, Ibrahim el-Zayat, der ebenfalls zu den Beschuldigten zählte. „Der Rechtsstaat hat hier gesiegt“, sagte er. Der Staat müsse „missliebigen Stimmen“ künftig mit anderen Mitteln begegnen als mit Razzien. Ücüncü sagte, Milli Görüs wolle trotz des Endes der Ermittlungen nicht mehr an der Islamkonferenz teilnehmen. Deren Konzept gehe „ins Leere“.

Die Zeitung erwähnt auch das leider noch immer laufende Steuerverfahren, das dann nachgeschoben wurde. Ich gehe davon aus, dass das den gleichen Weg geht. Dem Innenminister war wohl die bevorstehende Einstellung bekannt – das Verbot der IHH nimmt er nun als neuen Grund, weiter dem Islamrat den Rücken zuzudrehen.

Interessant ist auch, dass diese Nachricht kommt, NACHDEM der Zentralrat der Muslime seinen neuen Vorstand gewählt hat. Mazyek gewann – ziemlich zu meinem Entsetzen. Ibrahim El-Zayat, den nicht nur ich gerne auf dem Posten sähe, war wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens kaum als Kandidat geeignet. Und nun – ist die Wahl erst mal vorbei. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wer zur Vorgeschichte lesen möchte – meine Artikel zum Thema, jeweils mit links:

https://alienineurope.wordpress.com/2009/12/02/278/

https://alienineurope.wordpress.com/2010/02/09/wie-man-unliebsame-muslime-mundtot-macht/

https://alienineurope.wordpress.com/2010/03/16/klar-und-deutlich-der-minister-und-die-unschuldsvermutung/

Ansonsten aber, eine gute Nachricht.

Das Problem mit dem Grundgesetz

Beim „Blasphemieblog“ gibt es einen Videomitschnitt einer ZDF-Sendung zu sehen, in dem über die Salafitische Gruppe in Mönchengladbach berichtet wird. Da man ihre Räume geschlossen hat, beten sie nun auf der Straße. Soweit ich dem Bericht entnehmen kann, haben sie das als Demonstration ordentlich angemeldet. Das nun wieder passt den braven Bürgern nicht, wie man in dem Video hören kann.

Sowas wollen wir hier nicht sehen – das ist anscheinend der Hauptvorwurf. Was ich sehe, sind Muslime, die sich an deutsche Rechtsvorschriften halten und in erlaubter Form gegen das protestieren, was ihnen nicht passt. Was die Schließung der Räume angeht – mit Baurecht kann man fast alles aushebeln, ich bin keineswegs sicher, dass da die Stadt im Recht ist. Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Was die Gegner mal tun sollten: in einen Spiegel schauen. SIE sind es, denen hier das Grundgesetz nicht gefällt. Und wenn sie monieren, dass einiges, was die dortige muslimische Gemeinde vertritt, nicht grundgesetzkonform sei – tja, tatsächlich muss sich der Staat daran halten, nicht unbedingt jeder einzelne Bürger. Sonst müsste man die katholische Kirche längst verboten haben.

Dies nur mal am Rande, weil es sehr plakativ zeigt, dass für eine recht große Menge deutscher Bürger das GG nur so lange passt, wie es ihnen nicht zumutet, auch andere dulden zu müssen.

Eid mubarak – Ramazan bayraminiz mübarek olsun!

Ich hoffe, dass alle muslimischen Geschwister einen möglichst schönen Feiertag haben. Bitte vergesst nicht, auch für die zu spenden, die es gerade besonders schwer haben – vor allem in Pakistan.

Wer schöne Bilder sehen will, hier sind ein paar von einem Eid-Gebet in Russland:

http://de.rian.ru/photolents/20100910/257260240_12.html

Und diese Photostrecke für den Ramadan fand ich atemberaubend:

http://www.boston.com/bigpicture/2010/08/ramadan_2010.html?s_campaign=8315

Konsequenz missachteter Gesetze?

Bei der Diskussion über die angedrohte Verbrennung von Quran-Exemplaren merkte ich in einem Kommentar an, dass sich das ja auf den Mushaf, also einen echten, in arabisch verfassten Quran beziehe, nicht auf irgendwelche Übersetzungen.

Ob und wie viele der angeblich 200 Qurane, die Jones zu verbrennen ankündigte, tatsächlich Mushaf sind, weiß ich natürlich nicht.

Woran ich aber bei diesem Aspekt der bedauerlichen Debatte erinnert wurde, war die Tatsache, dass Jones seine Drohung nicht wahrmachen könnte, würden nicht allzu viele Muslime immer wieder gegen ein Gebot verstoßen: den Mushaf nicht in die Hände von Nichtmuslimen zu geben.  Dafür gibt es mindestens einen guten Grund: der Quran soll nur von denen berührt werden, die rituell rein sind, also die vorgeschriebenen Waschungen vollzogen haben. Davon – und das Wissen darum – kann man bei Nichtmuslimen nie ausgehen.

Als ich von dieser Regel zum ersten Mal hörte, war eine weitere Begründung, die mir genannt wurde: weil man nicht sicher sein könnte, was ein Nichtmuslim mit einem Mushaf anstellen könnte. Damals schien mir das vorurteilsbehaftet – ich blieb lieber bei der Auslegung, weil Nichtmuslime die korrekte Behandlung des Mushaf nicht nachvollziehen könnten.

Das wurde – und wird – von vielen heute nicht mehr eingehalten, auch Quran in Mushaf-Form sind überall erhältlich.

Und nun erneten wir die Konsequenzen unserer Verstöße – wir müssen sehen, wie wir den Quran verteidigen….

Eine Willkommensgesellschaft – oder?

Bei all den vielen Diskussionen über Integration tauchte immer wieder die Frage auf, warum das denn so schwierig sein soll. Tja, und nun finde ich zwei Punkte, die mir, wenn ich mich in Deutschland integrieren sollte, das nachhaltig vermiesen würde.

Denn zwei Personen, die nichts Besseres zu tun haben, als den Islam und Muslime im Allgemeinen zu beleidigen und herabzusetzen, werden mit Preisen ausgezeichnet. Für den Beleidiger unserer Propheten kommt da Frau Merkel persönlich, um den Preis zu überreichen, und Frau Kelek bekommt den ihren ausgerechnet von der Naumann-Stiftung.

Da weiß man doch, wer in Deutschland willkommen ist: derjenige, der am Besten Muslime vergrault. Danke, Frau Merkel, danke, Naumann-Stiftung.