Die FIFA, Muslime und der Sport im Allgemeinen

Die Frage, ob eine muslimisch korrekt gekleidete Frau Sport treiben kann, wird von verschiedenen Instanzen sehr unterschiedlich betrachtet. Nach langem Hin und Her scheint es sich mittlerweile abzuzeichnen, dass Schwimmbäder islamische Badekleidung akzeptieren. Dafür, besser noch für getrennte Badezeiten zu streiten, fand ich immer ein Anliegen für alle Muslime in nichtmuslimischer Umgebung.

In den letzten Tagen spitzte sich die Diskussion am Spielabbruch des Fußballspiels der jordanischen gegen die iranischen Frauen zu. Die Jordanierinnen hatten gleich alle Frauen, die gewöhnlich mit islamischer Bekleidung spielen, nicht in die Mannschaft aufgenommen, die iranischen Frauen waren nach der Vorschrift ihres Verbandes ordnungsgemäß bekleidet. Im Einzelnen wird da um Details geredet, auf die es mir aber hier nicht ankommt.

Die FIFA besteht auf ihrer Kleiderordnung, wie etliche andere Sportverbände auch. Manche lassen, wenigstens auf der unteren Ebene mit sich reden, so wie im Fall einer Gewichtheberin in Amerika.

Mir tut es immer weh, muslimische Frauen, die sich so angestrengt haben, verletzt zu sehen. Ich bin auch gegen den größten Teil der meist heuchlerischen Begründungen, warum denn die muslimische Bekleidung nicht geduldet werden könne.

Noch mehr aber bin ich gegen Kompromisse auf Kosten der islamischen Pflichten. Und da ist der Punkt, wo ich mir keinen muslimischen Badeanzug anschaffen würde, weil ich auch mit diesem nicht in ein gemischtes Bad gehe. Die halbnackten Männer sind für mich keine Gesellschaft. Ich wünschte mir nur, alle muslimischen Männer würden gemischte Schwimmbäder meiden – für sie sind sie genauso haram.

Auch die Gewichtsheberin, wenn man den Artikel genau liest, macht Kompromisse, die ich für zweifelhaft halte. Das gilt für etliche Sportarten, wo dann die Musliminnen glücklich sind, wenn man sie mit einer Travestie islamischer Bekleidung antreten lässt – um sich vor Publikum zur Schau zu stellen.

Nichts gegen Sport – aber bei Wettbewerben, insbesondere Großereignissen wie Olympiaden oder Weltmeisterschaften, deren islamischen Wert man gesondert einmal untersuchen sollte, MUSS man ja nicht mitmachen. Da sollte die islamische Lebensweise doch allemal den Vorrang vor faulen Kompromissen haben.

Das gilt auch für die, die meinen, wegen Leistungssports nicht fasten zu können. Fasten ist Ibada, und geht grundsätzlich vor.

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Linktips 1

Auch hier, wie bei den News from Palestine, in Zukunft Linktips als eine Sammlung guter Fundstücke, über die ich nicht jeweils extra bloggen kann.

Heute:

In etlichen Bundesstaaten gibt es Gesetzesinitiativen, die verhindern sollen, dass im Wege des Internationalen Privatrechts auf der Sharia basierende ausländische Gesetze angewendet werden. Dieses Geschrei kennt man ja, in Deutschland gerne von PI etc.

Hier ein interessanter Artikel dazu – und wohin das führen könnte:

Anti-sharia laws stir concerns that halachah could be next

 

Und so sieht das auch aus:

Battle over circumcision

Ähnlich in Großbrittanien, wo seit langer Zeit Beit-Din Gerichte Recht sprechen aufgrund eines Gesetzes, das die Wahl des Gerichts zulässt. Kritisch wird das, wenn es nun auch für Muslime gelten soll:

Islamic sharia courts in Britain are now ‚legally binding‘

Dazu sollte man wissen, dass es zwar in Deutschland möglich ist, eine jüdische Scheidung zu bekommen, für Muslime gibt es aber nur sehr private Möglichkeiten. Daher sind viele zivilrechtlich geschiedene Muslime eigentlich noch verheiratet – das kann sehr unangenehm sein. Aber so ein Gericht offiziell in Deutschland? Das gäbe wohl Bomben.

Und Aufwind für islamfeindliche Parteien. Interessant, wer da in München alles bei der Gründung mitwirkt – einer ist ein beliebter PI-Autor. War auch kein Schmuckstück für die CSU. Ob es die aber gestört hat? Anscheinend erst jetzt, wo eine Konkurrenzpartei gegründet wird.

»Die Freiheit« nun auch in Bayern

Der deutsche Bundestag hat nun auch eine arabische Version seiner Website. Die Frage, warum aber keine türkische, konnte der Regierungssprecher nicht beantworten. Meine ketzerische Variante: Türken will man nicht. Die haben gefälligst deutsch zu lernen. Die arabische Version ist auch nicht für die eingewanderten Araber gedacht, sondern für erwünschte Investoren und Gäste.

Ein guter, nachdenklicher Artikel in der SZ über die Uiguren und darüber, dass viel über Dissidenten wie Ai Wei Wei und die Tibeter geschrieben wird, aber nur sehr wenig über die Uiguren (wer war das doch gleich?) Allerdings versichert man sofort, dass das nicht daran läge, dass die Uiguren Muslime sind. Es liege wohl an der Landschaft.

Vergessen von der Welt

Wird fortgesetzt….

Unabhängigkeit für Al-Azhar?

Die Al-Azhar-Universität war seit Jahrhunderten für den sunnitischen Islam eine der wichtigsten Instanzen. Fatwas, Rechtsgutachten, ihrer Gelehrten, insbesondere des Großscheichs, beantworteten viele Fragen. Bis die ägyptische Regierung begann, politischen Einfluss auszuüben, sowohl bei der Besetzung der Stelle des Scheichs, als auch auf anderen Wegen. Das hatte zur Folge, dass die von dort kommenden Antworten in den letzten Jahren immer öfter den Ruch der politischen Opportunität hatten – manches hörte sich an wie Fatwa auf Bestellung.

Nun scheint die ägyptische Revolution auch hier die Spinnweben vertreiben zu wollen: für morgen Nachmittag ist eine große Demonstration für die Unabhängigkeit der Al-Azhar geplant. Gefordert wird, dass in Zukunft der Scheich wieder von den Gelehrten gewählt wird, als primus inter pares, nicht mehr von der Regierung nach deren Wünschen ernannt. Auch andere Änderungen sollen zugunsten einer größeren Selbstverwaltung wieder rückgängig gemacht werden.

Es wäre äußerst wünschenswert für den sunnitischen Islam, wenn in Zukunft die Al-Azhar wieder vertrauenswürdig werden könnte.

Die dunkle Seite des „Heldentums“

Gerade in den arabischen Ländern, aber auch anderswo, ist die Freude über die Flucht des tunesischen Diktators groß. Wie es weiter geht, bleibt abzuwarten, die neue Regierung mit sehr viel alten Gesichtern wirkt auf viele ebensowenig vertrauenerweckend wie auf mich, wenn ich die Kommentare richtig lese.

Auslöser der Demonstrationen, die zu diesem insgesamt erfreulichen Umsturz – wenn er denn einer bleibt – führten, war die Selbstverbrennung eines jungen Mannes. Er wird von vielen als Held gefeiert. Bedauerlicherweise findet er in anderen Ländern, so wie gestern in Mauretanien und Ägypten, Nachahmer.

Ist diese Art des Selbstmordes wirklich lobenswert, eine Heldentat? Gestern abend gab es über Twitter eine Debatte, weil ein Tweet sagte, ungeachtet der posiviten Folgen, Selbstmord ist für Muslime eine Sünde. Darüber empörten sich einige, auch Mona Elthahwy. Nur: der andere hatte recht. Auch hier heiligt der Zweck nicht die Mittel. Dieser junge Mann warf nicht nur sein Leben fort, er beging dabei eine große Sünde. Ob er sich dabei dachte, er könne die Menschen zwingen, etwas zu ändern, oder ob er Allah selbst trotzen wollte – wir wissen es nicht. Jedenfalls weigerte er sich, Allah weiter zu gehorchen. Und daher ist er alles mögliche, aber kein Held. Um so schlimmer, dass andere ihn nachahmen. Ich hoffe, dass in jeder Moschee, in jeder Freitagspredigt, dagegen protestiert wird.

Danach ging – wie zu erwarten war – die Diskussion am Thema weiter, dass es doch auch Selbstmordattentäter gebe – und Fatwas, die sie zuließen. Darüber kann man verschiedener Meinung sein. Der Unterschied ist jedoch in jedem Fall, dass jedesmal Kampf die Absicht ist – nicht die Beendigung des eigenen Lebens, nur um ein Statement abzugeben. Dass manche Gelehrten dies als erlaubt ansehen, liegt u.a. daran, dass sie argumentieren, dass der Schwächere, der sich mit einer Mehrheit an Feinden anlegt, auch wenn er das eigene dabei riskiert, nicht als Selbstmörder zu verdammen ist. Dem kann ich mich anschließen – aber das gilt eben für diese Art von Selbstmord nicht – das bleibt eine Sünde und ich hoffe und bete, dass es nicht noch mehr Menschen gibt, die meinen, diesen Weg gehen zu müssen.

Nachtrag: während ich dies schreibe, kommt die Meldung, dass es in Ägypten den dritten Selbstmörder gab.

 

Politische Straftaten – Anschläge auf Moscheen – Fremdenhass?

Seit dem letzten Sommer hat es mindestens sieben Anschläge auf Moscheen in Deutschland gegeben – die Polizei gab an, es könnten zehn sein, da dies aus einem Bekennerschreiben hervorging. Bislang hielten sich die Schäden in Grenzen.

Einige Lästermäuler meinten, es handele sich um innerislamische Streitigkeiten, dagegen spricht jedoch, dass es gerade in Berlin die verschiedensten Moscheen traf – die Sehitlik-Moschee der DITIB, die alte Ahmadi-Moschee, die An-Nur-Moschee – völlig unterschiedliche Richtungen der Betreiber.

Nun erhielt ich vorhin den link zu einer Anfrage im Bundestag über „Politische Straftaten“. Fragesteller sind Abgeordnete der Regierungsparteien. Laut dieser Anfrage werden politische Straftaten in „Hasskriminalität, Fremdenfeindlichkeit, antisemitisch, Polizei (?), bzw. Konfrontation gg rechts/links aufgeteilt. Da stellt sich mir wirklich die Frage, wo die Anschläge gegen Moscheen und Muslime einzuordnen wären. Vor kurzem gab es eine unfreundliche Diskussion, weil genau der Vorschlag gemacht worden war, diese gesondert auszuweisen. Angesichts dieser Liste würde ich mich inzwischen dafür aussprechen. Denn – wo gehört das sonst hin?

Fremdenfeindlichkeit? Klar, jeder Muslim ist ein Ausländer, und Moscheen sind fremd.

Just a tweet

@noaf_e Noaf
Im Muslim Kill me,call it Collateral Damage,imprison me,call it Security,invade my land,alter my leaders,call it DEMOCRACY. @maithaalmaktoum
Das fand ich in meiner Twitter-Timeline – bitter und wahr.

Die erste Moschee in den USA

Auf einem blog beschreiben zwei amerikanische Muslime ihre Tour durch die USA: 30 Moscheen in 30 Staaten während des Ramadan. Dabei kamen wundervolle Bilder und Berichte zustande – ich habe mal den über die vermutlich erste Moschee auf amerikanischem Boden herausgepickt:

Ross is home to the first mosque that was ever built in the United States. A Syrian farmer by the name of Hassan Juma immigrated to the U.S. and settled in Ross in the late 1800s. More Syrians came into town shortly after and the community built a mosque in 1929  after spending years praying in each other’s basements. It was later demolished in the 1970s but there’s a Muslim cemetery nearby where many of the original community members are buried. In 2005, a new mosque was built on the same land as the original mosque.

Und auch ein Friedhof gehört dazu:

I find the cemetery about a hundred feet from the mosque. I begin reading the names on the tombstones and the birth dates below them. 1882, 1904, 1931.  Each of them has a star and crescent symbol at the top of the stone reflecting a Muslim was buried there.

Insgesamt, eine wundervolle Idee, ein toller blog (kommt gleich in meine linkliste) mit wunderbaren Photos. Sowas müsste man mal woanders machen. Viel Freude beim Lesen!