25 Tonnen Bomben für ein kleines Dorf

Bereits im Oktober fand diese Heldentat in Afghanistan statt. Als die US-Army sich nicht in der Lage sah, dass Dorf zu „säubern“, wurde es in Grund und Boden gebombt:

 

Ganz sicher, die Bewohner des Dorfes – es soll KEINE zivilen Toten gegeben haben – sind jetzt sicher völlig begeistert von der US-Armee und Petraeus.

Die ganze Geschichte mit reichlich Hintergrund findet man hier. Mir reichten die Bilder.

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Die dunkle Seite des „Heldentums“

Gerade in den arabischen Ländern, aber auch anderswo, ist die Freude über die Flucht des tunesischen Diktators groß. Wie es weiter geht, bleibt abzuwarten, die neue Regierung mit sehr viel alten Gesichtern wirkt auf viele ebensowenig vertrauenerweckend wie auf mich, wenn ich die Kommentare richtig lese.

Auslöser der Demonstrationen, die zu diesem insgesamt erfreulichen Umsturz – wenn er denn einer bleibt – führten, war die Selbstverbrennung eines jungen Mannes. Er wird von vielen als Held gefeiert. Bedauerlicherweise findet er in anderen Ländern, so wie gestern in Mauretanien und Ägypten, Nachahmer.

Ist diese Art des Selbstmordes wirklich lobenswert, eine Heldentat? Gestern abend gab es über Twitter eine Debatte, weil ein Tweet sagte, ungeachtet der posiviten Folgen, Selbstmord ist für Muslime eine Sünde. Darüber empörten sich einige, auch Mona Elthahwy. Nur: der andere hatte recht. Auch hier heiligt der Zweck nicht die Mittel. Dieser junge Mann warf nicht nur sein Leben fort, er beging dabei eine große Sünde. Ob er sich dabei dachte, er könne die Menschen zwingen, etwas zu ändern, oder ob er Allah selbst trotzen wollte – wir wissen es nicht. Jedenfalls weigerte er sich, Allah weiter zu gehorchen. Und daher ist er alles mögliche, aber kein Held. Um so schlimmer, dass andere ihn nachahmen. Ich hoffe, dass in jeder Moschee, in jeder Freitagspredigt, dagegen protestiert wird.

Danach ging – wie zu erwarten war – die Diskussion am Thema weiter, dass es doch auch Selbstmordattentäter gebe – und Fatwas, die sie zuließen. Darüber kann man verschiedener Meinung sein. Der Unterschied ist jedoch in jedem Fall, dass jedesmal Kampf die Absicht ist – nicht die Beendigung des eigenen Lebens, nur um ein Statement abzugeben. Dass manche Gelehrten dies als erlaubt ansehen, liegt u.a. daran, dass sie argumentieren, dass der Schwächere, der sich mit einer Mehrheit an Feinden anlegt, auch wenn er das eigene dabei riskiert, nicht als Selbstmörder zu verdammen ist. Dem kann ich mich anschließen – aber das gilt eben für diese Art von Selbstmord nicht – das bleibt eine Sünde und ich hoffe und bete, dass es nicht noch mehr Menschen gibt, die meinen, diesen Weg gehen zu müssen.

Nachtrag: während ich dies schreibe, kommt die Meldung, dass es in Ägypten den dritten Selbstmörder gab.

 

Der deutsche Staat als Straftäter?

Tatsächlich hat vor einigen Tagen ein Richter des OLG Karlsruhe den BKA-Chef  angezeigt.  Durchaus zu Recht, wie ich finde. Auch der Abgeordnete der LINKEN, Nescovic, hatte bereits nachgefragt, wie es angehen könne, dass ein deutscher Staatsbüger abgeschossen werde und die deutsche Regierung nicht nur nicht protestiere, sondern dies eventuell mit ermöglicht habe. Darüber hatte ich bereits früher an anderer Stelle gebloggt.

Abgesehen davon, dass diese Drohnenattentate der USA in einem befreundeten Land in meinen Augen ohnehin Mord sind – es ist ein Armutszeugnis, wie aus Deutschland mit Staatsbürgern umgegangen wird, die Muslime und eventuell eingebürgert sind. Dazu gehört auch der Fall des deutsch-syrischen Al-Masri, der zuerst verschleppt, dann nach Afghanistan entführt und dort verhört und gefoltert wurde. Durch Wikileaks bekannt gewordene Depeschen haben erkennen lassen, dass die deutsche Regierung – im Gegensatz zu Italien! – sich aufgrund amerikanischen Drucks geweigert hat, die Entführer wirksam zu verfolgen. Nachdem dies nun veröffentlicht wurde, gerät sie dafür unter Druck.

Die Frage, die sich sicher nicht nur mir stellt: sind deutsche Muslime so sehr Bürger zweiter Klasse in den Augen der diversen deutschen Regierungen, dass sie ohne Widerspruch entführt, gefoltert, ja sogar getötet werden dürfen? Ist man so scharf darauf, sie loszuwerden, dass dazu von höchster Stelle auch noch Beihilfe geleistet wird? Diese Fragen sollten Muslime in Deutschland laut stellen. Und bedenken, bevor sie zugunsten eines deutschen Passes ihren alten abgeben.

Tunesien – die Diktatur könnte enden, trotz ihrer Unterstützer

Für das Ende:

Quelle: http://twitpic.com/3ph3hw

Und hier eine der Unterstützerinnen der Diktatur:

http://www.dailymotion.com/video/xgix06_alliot-marie-propose-d-aider-la-tunisie-dans-la-repression_news

Unruhiges Nordafrika

Seit der Selbstverbrennung eines jungen Mannes in Tunesien gärt es gerade in den beiden Ländern Tunesien und Algerien. Selbst bis in die deutschen Medien sind die Nachrichten inzwischen gedrungen, trotz der Versuche vor allem der tunesischen Regierung, möglichst wenig über die Demonstrationen und Proteste nach außen dringen zu lassen.  Kommunikationsmittel werden gesperrt, inzwischen wurden vor allem Schulen und Universitäten geschlossen. Denn diese Revolte ist die der Jugend, die sieht, dass die Regierung sie in eine aussichtslose Zukunft schickt und ihren Problemen gleichgültig gegenüber steht.

Diese Revolte ist nicht vom Ausland angezettelt – und über ihre Unterdrückung, mit inzwischen bis zu 50 Toten, wird nur zögerlich berichtet. Hier sitzen Regimes, die der Westen stützt. Die will man nicht desavouieren, Frankreich, heißt es, unterstütze Ben Ali auch weiterhin. Im Gegensatz zum iran, wo man sofort mit dem Verdacht auf Wahlfälschung zur Hand war, störte sich bei Tunesien kaum ein westlicher Politiker am völlig unglaubwürdigen Wahlergebnis zugunsten des tunesischen Präsidenten.

Das könnte sich jetzt rächen. Sowohl in Tunesien, als auch in Algerien, ebenso wie in Ägypten, wächst eine Generation heran, die jeweils über die Hälfte der Bevölkerung stellt und die unter ihren alten Regierungen nichts zu verlieren, ohne sie aber alles zu gewinnen hat. Der Westen wird sich fragen müssen, mit welcher Berechtigung er weiter marode, unfähige Diktaturen stützt, die in keiner Weise die anderswo verlangten Standards erfüllen, lediglich die westliche Paranoia gegen islamisch regierte Staaten bedienen. Das mindeste wäre, gegen die Repressionen ebenso zu protestieren, wie man es bei anderen Staaten tut.

Politische Straftaten – Anschläge auf Moscheen – Fremdenhass?

Seit dem letzten Sommer hat es mindestens sieben Anschläge auf Moscheen in Deutschland gegeben – die Polizei gab an, es könnten zehn sein, da dies aus einem Bekennerschreiben hervorging. Bislang hielten sich die Schäden in Grenzen.

Einige Lästermäuler meinten, es handele sich um innerislamische Streitigkeiten, dagegen spricht jedoch, dass es gerade in Berlin die verschiedensten Moscheen traf – die Sehitlik-Moschee der DITIB, die alte Ahmadi-Moschee, die An-Nur-Moschee – völlig unterschiedliche Richtungen der Betreiber.

Nun erhielt ich vorhin den link zu einer Anfrage im Bundestag über „Politische Straftaten“. Fragesteller sind Abgeordnete der Regierungsparteien. Laut dieser Anfrage werden politische Straftaten in „Hasskriminalität, Fremdenfeindlichkeit, antisemitisch, Polizei (?), bzw. Konfrontation gg rechts/links aufgeteilt. Da stellt sich mir wirklich die Frage, wo die Anschläge gegen Moscheen und Muslime einzuordnen wären. Vor kurzem gab es eine unfreundliche Diskussion, weil genau der Vorschlag gemacht worden war, diese gesondert auszuweisen. Angesichts dieser Liste würde ich mich inzwischen dafür aussprechen. Denn – wo gehört das sonst hin?

Fremdenfeindlichkeit? Klar, jeder Muslim ist ein Ausländer, und Moscheen sind fremd.

Haiti – Ein Jahr danach

Vor einem Jahr verwüstete ein starkes Erdbeben einen großen Teil Haitis. Der Wiederaufbau geht stockend voran, eine Choleraausbruch verschlimmert die Lage, bringt das Land aber wenigstens zeitweise wieder in Erinnerung.

Viele der Helfer sind das ganze Jahr dort gewesen, ich lese immer mal hier und da etwas. Heute berichtet Islamic Relief, dass eine Inspektion ihrer Projekte vorgesehen ist und zwei Mitglieder demnächst berichten werden. Wer sich dafür interessiert, kann das hier verfolgen:

Blog Islamic Relief USA