Tag der offenen Moschee

Auch in diesem Jahr findet wieder der „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober statt. Es gibt eine Liste der teilnehmenden Moscheen, mit Telefonnummer, wer sich vorher gerne erkundigen möchte. Leider scheint sie, wie in jedem Jahr, nicht ganz vollständig zu sein. Ich habe eben kurz durchgesehen, etliche Moscheen, die ich kenne und die jeden Tag teilnehmen, stehen nicht darauf. Also wer in seiner Nachbarschaft eine kennt, einfach hingehen und fragen.

Auf der einen Seite finde ich das Ganze ja eine nette Idee. Sie kam auf, als vor ca. 15 Jahren auch die muslimischen Verbände meinten, es könne bei den Nichtmuslimen Interesse geben, sich die Moscheen mal wirklich vorführen und erklären zu lassen. Das klappt bisweilen recht gut, es kommen jedes Jahr Menschen – oft etwas abhängig von Wetter und Konkurrenzveranstaltungen, leider aber oft die gleichen wie im Vorjahr. Vielleicht auch, weil das Buffet in vielen Moscheen gut ist?

Hinzu kommt jedes Jahr die übliche Quote an Provokateuren. Wer in der Moschee als Vortragender oder Fragenbeantworter ausgeguckt wurde, kennt die Spielchen. Aber auch das ist dann für die anderen Besucher oft recht lehrreich.

Im Internet wird oft moniert, dass sich die Muslime nun gerade den Tag der Deutschen Einheit ausgeguckt hätten. Ehrlich: egal, welchen Tag wir genommen hätten, es hätte Ärger gegeben. Ein christlicher Feiertag? Nein, also wirklich nicht. Ein Sonntag? eigentlich auch nicht (fällt diesmal zusammen, ist Zufall). Was bleibt dann? 1. Mai? Da gehen doch etliche aus der Community auch auf Gewerkschaftsverantstaltungen. Und wollen, dass auch andere hingehen.

Und so wählte man wohl den 3.10. – auch unter dem Gesichtspunkt, sich als Teil der deutschen Gesellschaft zu sehen. Manche aber scheinen gerade das übel zu nehmen.

Mir persönlich gefällt der Titel nicht: er erweckt einen Irrtum, nämlich, dass die Moscheen an den anderen 364 Tagen geschlossen seien. Im Gegensatz zu vielen wochentags abgeschlossenen Kirchen sind sie das aber nicht. Gäste sind i.d.R. auch immer willkommen – nur, wer Gespräche sucht, kommt eventuell ungelegen, wenn niemand da ist, der kenntnisreich genug ist, um Auskünfte zu erteilen. Das sollte man bei unangemeldeten Besuchen einfach einrechnen und es nicht den Anwesenden übel nehmen, wenn sie nicht recht wissen, was sie mit einem anfangen sollen.

Viele Moscheen bieten auch Führungen an, für Schulklassen und andere Gruppen. Einfach fragen.

9 Antworten

  1. War diese Liste irgendwann einmal vollständig?
    Ich habe den Eindruck das da gezielt nur bestimmte Moscheen aufgeführt werden, schau mal ganz rechts in der Rubrik „Gemeinschaft“.
    Dadurch sind vor allem türkische Moscheen aufgeführt, als ob die allein diesen Tag für sich gepachtet haben.

  2. Nein, stimmt nicht. Die nichttürkischen Moscheen sind bei ZMD und Islamrat miterfasst, außer anscheinend den bosnischen Geschwistern.
    Es wird jede Moschee aufgeführt, deren Vorstand rechtzeitig mit der Anmeldung aus dem Knick kommt. Manche lernens nie. Wäre es Absicht, würden nicht gerade ein paar mir gut bekannte, recht große türkische Moscheen fehlen. Die habens wohl verpennt, nach dem Motto: wir machen doch immer mit, sollten die doch wissen.

  3. Im Prinzip halte ich den Tag der offenen Moschee auch für eine gute Idee. Wo ich ihnen allerdings Bedenken habe ist die Wahl des Termins. Hier sollten die muslimischen Gemeinden doch über einen anderen Tag nachdenken, da sie durch die Wahl des 3. Oktobers in Konkurrenz zu dem einzigen deutschen Natioanlfeiertag treten, der doch für alle Deutschen unabhängig von der Religion ein gemeinsamer Feiertag sein sollte. Böswillig formuliert könnte man die muslimische Postion so zusammenfassen: „Die Deutschen haben ihren Feiertag, wir haben unseren Moschee-Tag“. Gegen die Belegung eines Sonntages spricht, so galube ich nichts, da wir in einer doch recht säkularen Gesellschaft leben und die christlichen Religionsgemeinschaften sicher auch nichts einzuwenden hätten, wenn ihre Gläubugen nach dem Gottesdienst sich eine Moschee ansehen. So gibt es auch jedes Jahr an einem Sonntag im September den „Tag des offenen Denkmals“ .
    Bei den Öffnungszeiten für christliche Kirchen, die Sie für außer Sonntags für verödet halten, möchte ichr darauf hinweisen, dass katholische Kirchen an jedem Tag des Jahres offen sind, um den Gläubigen Zwiesprache mit dem dreifaltigen Gott zu ermöglichen. Daneben treffen Sie neben jeder christlichen Kirche ein Gemeindezentrum an, wo Sie auch jederzeit Priester, Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Gläubige antreffen können.

  4. Offene Kirchen? Komisch, ich weiß nur, wie oft wir vor Kirchen und Gemeinderäumen warten mussten, weil vor einer Veranstaltung erst aufgeschlossen werden musste. Als offen kenne ich ein oder zwei Innenstadtkirchen in Großstädten – aber sonst nicht. Aber bitte, wenn Sie es sagen.

    Der Termin – ich schrieb ja schon, was so m.E. dahinter stand. Ihre Interpretation ist, wie gewohnt, die Annahme einer Separierung. Der ZMD, der das meiner Erinnerung nach anregte, hatte eher das Gegenteil im Sinn: nach dem Motto, auch die Muslime sind Teil Deutschlands. Aber wenn das auf solche Reaktionen stößt – und Sie sind da nicht alleine – zeigt das gut, wer hier wen ausschließt.

  5. Auch beim ZMD und beim Islamrat sind überwiegend türkische Moscheen aufgeführt und Moscheen die nicht diesen Gemeinschaften angehören (inkl. VIKZ,und DITIB) haben auf der Liste offensichtlich nichts zu suchen.

    Wehe du schließt dich nicht den großen Gruppen an…

  6. Es ist erstmal die Liste vom Koordinierungsrat. Die DITIB scheint fast flächendeckend gemeldet zu haben, aber wenn es so wäre, wie du sagst, wieso fehlt dann z.B. ausgerechnet die Moschee, wo Kizilkaya selbst freitags hingeht?
    Und der Rest, sorry, die habens verpennt. Verschwörungstheorien finde ich hier fehl am Platze.

  7. Wieso Verschwörungstheorie?
    Schau dir die Liste einfach mal an. Es ist nicht eine einzige Moschee dabei die nicht zu den großen Organisationen gehört. Und fast alles ist türkisch.
    Es ist ziemlich offensichtlich.
    Warum da dennoch nicht alledrauf stehen weiß ich nicht.

  8. Weil die anderen auch nicht im Koordinierungsrat sind – ich schrieb doch, dass dies die Liste des Koordinierungsrates sei. So what?

  9. Ich halte den Termin, Tag der Deutschen Einheit, für gut. Damit dokumentieren die deutschen Moslems, dass sie ebenfalls zu Deutschland gehören wollen, auch wenn sie so oft als fremd abgelehnt werden.

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