Halal-Fastfood in Frankreich

Nun zähle ich mich ja eher zu den Menschen, die sehr gut auf Hamburger verzichten können. Insofern hat es mich nie gestört, dass die üblichen Fastfoodketten nicht halal sind und ich somit dort nicht esse. Aber es gibt doch eine ganze Menge wohl vor allem junger Menschen, die sich das wünschen.

In Frankreich nun hat eine Restaurantkette hier eine Marktlücke gesehen und nach einem Probelauf soll es 22 Halal-Burger-Läden geben, vor allem natürlich in Paris.

Um dem vorhersehbaren Protest entgegenzuwirken, meint man, auch noch eine nicht-halal-Variante anbieten zu müssen.

Ich bin ja mal gespannt, wie lange PI braucht, um einen Artikel dazu zu verfassen. Los gehts: 1, 2,….

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Ende des Irakkrieges?

Auch wenn das zur Zeit behauptet wird, halte ich es für eine Propagandameldung, die vor allem dazu dienen soll, in den Köpfen vor allem der US-Bevölkerung diesen Kriegsschauplatz erst mal aus dem Blickfeld zu rücken. Platz für Neues.

Ein Resümee der amerikanischen Bemühungen, den Irakern „Freiheit und Demokratie“ zu bringen, kann nur äußerst negativ ausfallen. Bei aller Abneigung gegen Saddam Husseins diktatorische, mörderische Art – ich frage mich, wie viele Iraki heute wirklich finden, dass es ihnen besser gehe. Vielleicht ein großer Teil der Kurden, die ja besonders unter ihm zu leiden hatten und die sich heute ein Stück Eigentständigkeit erkämpft haben – allerdings auch um einen Preis, der mir sehr hoch scheint.

Noch höher aber, fürchte ich, wird der Preis sein, den die Kinder und zukünftige Generationen zu zahlen haben werden. Wie schon länger bekannt, verwendeten US-Truppen abgereicherte Uranmunition. Vor allem in Falludja. Eine Studie hat sich mit den Auswirkungen im Einzelnen befasst, die Junge Welt erläutert Teile in einem lesenswerten Artikel:

Busby, Hamdan und Ariabi stellten daraufhin Fragebogen (in arabisch) zusammen, die Anfang 2010 von speziellen Teams in insgesamt 711 Haushalten in Falludscha verteilt wurden. 4843 Personen antworteten. Die Auswertung ergab, daß sich seit Januar 2005 die Krebserkrankungen in Falludscha vervierfacht hatten. Die Rate liegt 38mal höher als in Ägypten, Jordanien und Kuwait. Erhöhtes Risiko für Leukämie liegt bei allen Altersgruppen vor, gefolgt von Krebs in den Lymphgefäßen, Brustkrebs bei Frauen und Gehirntumoren.

Die Todesrate beträgt bei Neugeborenen 80 von 1000 – in Ägypten sind es 19,8, in Jordanien 17 und in Kuwait 9,7 auf tausend Geburten. Anormal zeigte sich das Geburtenverhältnis von Jungen und Mädchen bis zu vier Jahren. Normalerweise ist das Verhältnis in dieser Altersgruppe 1050 Jungen zu 1000 Mädchen. In Falludscha ist das Verhältnis 860 Jungen zu 1000 Mädchen. Als Grund wird Streß durch genetische Störung angenommen, was gestützt wird von der hohen Anzahl von Mißbildungen. Männliche Embryos überleben weniger oft als weibliche Embryos, die mit Mißbildungen reagieren.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluß, daß die Einwohner von Falludscha mit einer vergleichweise höheren Rate an Krebs, Leukämie, Kindersterblichkeit und Mißbildungen konfrontiert sind, als es bei den Überlebenden von Hiroschima und Nagasaki in den Jahren nach den Atombombenabwürfen im August 1945 dokumentiert wurde.

Aber für die USA ist das anscheinend ein Erfolg.

Lange ungestraft – und nun, Herr Sarrazin?

Die Tagesschau meldet:

Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat erneut für Empörung gesorgt. „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden“, sagte Sarrazin der „Welt am Sonntag“ und „Berliner Morgenpost“.

Das unterscheidet sich ja nur wenig von seinem sonstigen dummen Gepöbel. Und bisher blieben ja alle Beleidigungen und Hetzereien folgenlos, trotz endloser Diskussionen, aus denen aber vor allem hervorging, wie viele klammheimlich ihm Beifall spenden.

Und nun? Es ehrt den Zentralrat der Juden, dass er schon vor diesem Ausfall eindeutig Stellung gegen Sarrazin bezogen hat. Dort hat man offensichtlich vorausgeahnt, dass er nicht bei den Muslimen halt machen würde.

Ich gehe davon aus, dass dieser Satz ihn mehr kosten wird als ein bisschen „du,du“. Doch genau das wird mich dann wirklich beleidigen. Denn damit würde bewiesen, dass Muslime – und Arme – folgenlos beleidigt werden, gegen sie gehetzt werden darf. Konsequenzen gibt es jedoch erst, wenn jemand so unvorsichtig ist, und auch gegen Juden pöbelt.

Warten wirs ab.

Pakistan braucht Hilfe!

Im Gegensatz zum Erdbeben in Haiti oder seinerzeit zum Tsunami in Südostasien ist die Flutkathastrophe in Pakistan in den Medien nur eine Randnotiz, verschwindet fast neben anderen Meldungen. Und dennoch wird sie als verheerender eingeschätzt als der damalige Tsunami. Nur, während damals die Spenden reichlich flossen, wird es diesmal schwer werden, genügend Geld und Hilfe zu organisieren. Warum?

Es ist eine Erfahrungstatsache, dass am meisten gespendet wird, wenn das mediale Interesse groß ist. Das sah man gut bei Haiti. Warum ist das hier anders? In der ZEIT hat sich Karsten Polke-Majewski Gedanken dazu gemacht, durchaus nachvollziehbar.

Was mich schockiert, sind etliche Kommentare, die es ablehnen, einem muslimischen Land und gar einem, das als Brutstätte des fundamentalistischen Islam gilt, Geld zukommen zu lassen. Selbst wenn dies über die im Artikel genannten Organisationen geschieht, die alle nicht muslimisch sind. Warum die ZEIT es ablehnt, auch z.B. Muslim Aid oder Islamic Relief zu erwähnen, würde mich mal interessieren. Insbesondere Islamic Relief, deren Mitarbeiter seit Jahren in Pakistan tätig sind, sich gut auskennen und für die Koordination der Erdbebenhilfe 2005 ausgezeichnet haben.

Auf meiner Website sind beide verlinkt – möge Allah die Spender belohnen.

Update: Laut einer Meldung des SPON planen ARD und ZDF im Unterschied zum Erdbeben in Haiti KEINE Spendengala.

Ramadan kerim

Heute beginnt der Ramadan – jedenfalls hier, und offensichtlich auch in vielen anderen Ländern. Das wird einige Umstellungen in meinem Zeitbudget geben, ich werde vermutlich sehr viel weniger online sein, aber nach Ende des Ramadans blogge ich dann isa wie gewohnt weiter.

In Anbetracht der letzten Nachrichten hoffe ich, dass ganz viel für Pakistan gespendet wird – und dass nicht wieder ein Innenminister meint, die Spenden würden seiner Kasse gut tun.

Allen wünsche ich einen gesegneten Ramadan.

Arabische Zahlen

Das Brookings-Institut hat, wie auch in den Vorjahren, eine Umfrage in einer Reihe arabischer Länder zu verschiedenen Themen gemacht und die Ergebnisse nun veröffentlicht.

Die 95 Seiten der pdf-Datei zumindest zu überblättern lohnt sich. Wenig überraschend, dass Obamas Popularität sehr nachgelassen hat, oder eine große Mehrheit der Befragten Israel und die USA für die größte Bedrohung in der Region hält.

Interessanter fand ich, dass zwischen 2008 und 2010 die Internet-Nutzung stark gestiegen ist – somit auch der Zugang zu mehr Nachrichten als nur aus dem Fernsehen, wo Al-Jazeerah erwartungsgemäß am Poulärsten ist.

Erstaunlich die Popularität Frankreichs – hätte ich nicht erwartet. Sogar ausgerechnet Sarkozy hat noch einen Platz unter den beliebtesten Spitzenpolitikern – wenn auch nur mit 6 %, während Erdogan die Liste anführt und arabische Regierungschefs praktisch nicht vertreten sind.

Wirklich nachdenklich machen sollten vor allem die arabischen Regierungen die Antworten, aus denen sich ergibt, dass immer mehr Araber sich in erster Linie als Muslime sehen und möchten, dass bei einer Interessenabwägung die Entscheidung getroffen wird, die am besten für die Muslime ist, nicht zuerst für das eigene Land. Dabei war Marokko ganz vorne, während im Libanon das Land zuerst steht, wie auch in Jordanien.

Im Ganzen gibt es i.Ü. eine Mehrheit, die der Meinung ist, dass der Iran das Recht haben soll, sein Atomprogramm fortzusetzen. Selbst wenn Iran Atomwaffen hätte, erwarten 58 % noch Positives davon.

Die Ergebnisse zur Palästina-Frage fand ich wenig überraschend, außer dass noch eine große Anzahl Hoffnungen auf eine Zwei-Staaten-Lösung unter Rückgabe der seit 1967 besetzten Gebiete hat.

Ich habe mich auf Auszüge beschränkt, denke aber, die Lektüre lohnt sich. Wie immer, Umfragen sind nicht zwangsläufig ein genaues Bild, diese hier, zumal sie auch die Ergebnisse der gleichlautenden Erhebungen aus 2008 und 2009 mit angibt.

Karzai: neue Töne?

Das kennt man ja noch gar nicht vom afghanischen „Präsidenten“: er fordert, dass ausländische Söldner das Land verlassen sollen. Damit meint er zwar nicht die zahlreichen Soldaten diverser Länder, die seine Existenz sichern, sondern deren private Hilfstruppen, insbesondere Amerikaner.

Die haben sich, wohl in Form von Outsourcing, anscheinend ziemlich breit und ziemlich unbeliebt gemacht, was man von der Blackwater-Nachfolgerin Xe ja nicht anders erwarten kann.

Recht deutlich soll er geworden sein, der gute Herr Karzai:

To help strengthen the Afghan government, the US and NATO should eliminate private security companies,” Karzai said, adding that their presence is „intolerable“ since they have created a security structure that undermines the police and the army. 

„Afghan or foreign companies, there are some 30,000 to 40,000 people in these security companies,“ he noted. 
„They have created security problems for us, whoever is working in these private security companies, they are not working for the benefit of Afghan national interests… If they really want to be at the service of Afghans, they should join the Afghan National Police,“ Karzai added. 
„Very urgently and seriously we want… the foreigners to stop creating private security companies,“ the Afghan president said, adding, „we cannot tolerate these companies, which are like a parallel structure with our forces. We cannot have police, army and — at the same time — another force as private security companies.“ 
Das klingt recht nachvollziehbar. Vor allem angesichts dieser Fakten:
Kabul has confirmed the presence of 52 foreign private security companies in Afghanistan, including the notorious US security firm Xe Services LLC — formerly known as Blackwater. 
Private security guards are operating in the country with absolutely no supervision by the Afghan government. 
Karzai had earlier accused foreign security contractors of operating like militias, saying that the firms are only worsening the security situation in Afghanistan. 
Most of the security contractors are believed to have close ties with Afghan warlords and have been accused of being partly responsible for the rise in civilian casualties in the country. 
In the June 4 edition of The Wall Street Journal, it was reported that Xe’s most recent government contract tasked the group with protecting CIA bases in Afghanistan. 
The report was confirmed at the end of June by Central Intelligence Agency Director Leon Panetta during a TV interview, the newspaper wrote. 
Die Frage ist nur, ob er tatsächlich darüber bestimmen darf, wer sich in dem von ihm „regierten“ Land aufhält. Die Antwort könnte ihn eventuell darauf aufmerksam machen, dass er nur zu nicken, aber nichts zu fordern hat. Das ist der Preis, wenn man sich in dieser Weise an die Macht bringen und dort halten lässt.