Bald ist Ramadan

Voraussichtlich am 11. August beginnt in diesem Jahr der Fastenmonat. Einige Diskussionen wird es wie in jedem Jahr geben – innerislamisch über Beginn und Ende, mit der Umwelt über Fasten überhaupt, wer, warum, …. endlos, man kennt es.

Zwei Nachrichten erreichten mich gestern. Ich fange mit einer erfreulichen an: in England haben Apotheken eine Ramadan-Kampagne kreiert.  Von den lobenswerten Einzelheiten abgesehen, hat mich an dem Artikel fasziniert, wie viel Normalität damit für dort lebende Muslime entsteht: konkrete Befassung mit ihren Themen, ohne dabei an der Religion herumändern oder kritisieren zu wollen. Eine nachahmenswerte Einstellung.

Absolut unerfreulich: eine weitere sogenannte Fatwa aus Kairo, die mir völlig unverständlich ist, aber ernsthaft gläubigen muslimischen Fussballern noch viel Ärger bereiten wird. Akif berichtet darüber, ich kann mich seiner Meinung nur anschließen. Ich habe mir den mageren Text auf islam.de durchgelesen – Kopfschütteln. Er widerspricht etlichen fundamentalen Regeln des Islam. Leider hat es ja schon verschiedene Fälle gegeben, wo Al-Azhar-Entscheidungen für im nichtmuslimischen Ausland lebende Muslime sich lesen, als hätten da ganz andere Interessen dahinter gestanden.

Eine Frage jedoch kam bei mir auf: Laut dem Bericht bei islam.de hat man nicht nur in Kairo, sondern auch beim ECFR (European Council for Fatwa and Research) angefragt. Dessen Antwort wird jedoch nicht verraten.

Die Generation der ersten Einwanderer, die teilweise unter Tage oder am Hochofen arbeitete und trotzdem fastete, dürfte sich eher angeekelt abwenden. Möge Allah ihnen ihre Standhaftigkeit lohnen.

4 Antworten

  1. Ich hab die Kritik von Akif Sahin nicht ganz verstanden.

    Meint er, die Fatwa, die es einem Fußballer muslimischen Glaubens erlaubt, im Ramazan Nahrung und Flüssigkeit auch tagsüber zu sich zu nehmen, wenn dies sein Sport erfordert, sei deshalb falsch, weil sie es dem Coach erlauben würde, auf der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme zu bestehen, auch wenn der Spieler lieber konsequent fasten würde?

    Hab ich da etwas missverstanden?

    Am 11. beginnt der Ramazan, am 15. startet die Süperlig in der Türkei – heißt das jetzt eurer Meinung nach (und gegen die Fatwa-Meinung), dass diejenigen Fußballspieler, die in der Nachmittagshitze hinter dem Ball her rennen, kein Wasser zu sich nehmen sollten? Oder dass sie als gute Muslime nicht spielen sollten?

  2. Die Fatwa ist – wie alle Fatawa im sunnitischen Bereich – nicht bindend. Ein Muslim kann also durchaus sagen, das finde ich unvertretbar, dem folge ich nicht. Mit dieser Fatwa in der Hand wird es aber ein Trainer versuchen, durchzusetzen, dass ein Spieler, der dieser Fatwa nicht zu folgen beabsichtigt, doch das Fasten bricht oder sanktioniert werden kann. So habe ich Akifs Kritik verstanden und teile sie.
    Zumal ich die Fatwa für falsch halte.

    Was die türkische Liga angeht: es ist traurig, dass man sie am 15.8. beginnen lässt – man sollte in der Türkei dafür protestieren, dass das so nicht geht.
    Fasten ist auf alle Fälle wichtiger – wer trotzdem spielen kann, gut, wer nicht, muss darauf verzichten.

  3. Schwierige Sache.
    Es geht hier um Berufsfußballer.
    Letztlich gibt es laut Qur-an Erleichterung für jene denen das Fasten Schaden zufügen könnte. Das sind sowohl Reisende (da kann man fragen warum sie nicht nach Ramadan reisen) als auch Schwangere (warum werden die nicht nach Ramadan schwanger?) als auch jeder andere, der sich/ seiner Gesundheit beim Fasten Schaden zufügen würde.
    Die Al- Azhar weist in der Fatwa darauf hin, das schon mehrere Gelehrte dazu meinten das in solchen Fällen das Aussetzen des Fastens in Ordnung ist.
    Die Entscheidung muss jeder selbst treffen. Es gibt chronisch Kranke die es schaffen zu fasten, andere können es nicht.
    Es gibt Schwangere die keinerlei Probleme haben, andere hingegen schon. Ebenso gibt es einige hart arbeitende Menschen die fasten können ohne um zufallen und andere schaffen es nicht. Jeder Körper ist anders und ich denke auch bei den Fußballern sollte jeder für sich sehen ob es geht oder nicht.

    Leider ist es aber auch so das es Leute gibt die über solche Ausnahmen nicht nachdenken, Fasten und dann…
    Stillende Frauen die dann keine Milch mehr haben weil durch den Flüssigkeitsmangel die Produktion eingestellt wurde, Leute die dehydrieren, etc.
    Es fehlt wohl eindeutig bei manchen noch an Information.

    Die andere Seite ist natürlich das die Menschen in „christlich“ geprägten Ländern den Papst als Maßstab nehmen und wenn es um die Ausübung seines Jobs geht ist der Mann ja nach Kirchenbehauptung unfehlbar- quasi Gott auf Erden. Deswegen wollen so einige Leute ja auch eine Art Papst für Muslime, dessen Äußerungen für alle verbindlich sind. Da wir aber wissen, das Menschen immer fehlbar sind maßt niemand sich an eine solche Position einzunehmen und welcher Muslim würde akzeptieren das ein Mensch sich als Allah aufspielt?

    Es wird weiter unterschiedliche Ansichten geben und es wird weiterhin möglich sein Fatwas zu akzeptieren oder eben nicht.
    Entscheident ist wohl auch, woher die Fatwa kommt und wie sie begründet ist.
    Ich habe inzwischen einige gelesen da habe ich den Eindruck der ausgebende Scheich hat einen Bildungsmangel und solche Fatwas würde ich auch nicht akzeptieren.

  4. Interessant ist, dass diese „Fatwa“ offensichtlich auch innerhalb des Zentralrates nicht unumstritten ist. Akif hat ein Interview mit dem 2. Vorsitzenden gefunden und verlinkt, wo dieser sich sehr kritisch dazu äußert.
    http://www.11freunde.de/bundesligen/131885/es_ist_unsere_pflicht

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