Schulfach: Alkohol trinken

Ein Witz? Sollte man meinen. Aber das ist anscheinend einer der neuesten verzweifelten Versuche, dem Alkoholmissbrauch schon von Jugendlichen etwas entgegen zu setzen. Die Idee kommt aus Brandenburg – was mich nicht wundert, ich kann mich aus meiner Zeit dort gut erinnern, dass saufen, ja saufen, nicht trinken, eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen war. Bei jung und alt, vom Hilfsarbeiter bis zum Akademiker. Anfangs war ich geschockt, wenn ich montag morgens im Büro die Berichte der Kollegen hörte, wie „zu“ man doch wieder gewesen sei…. stolz. Und das waren eigentlich ganz normale Leute!

Keiner schien sich darüber Sorgen zu machen, dass das ja auch die Kinder als selbstverständlich sozial und gesellschaftlich akzeptiertes, ja, normales Verhalten lernen.

Nur: die Kinder werden immer jünger, die sich da zuschütten. Und so bekommen sie nun in der Schule Bier oder Sekt angeboten, vom Lehrer, und dürfen darüber diskutieren, wie sich das anfühlt etc. Laut diesen Artikels wird die Zustimmung der Eltern eingeholt. Für mich wäre das allerdings der Zeitpunkt, ganz schnell mein Kind woanders in die Schule zu schicken.

8 Antworten

  1. Ein natürliches Verhältnis zum Alkohol in der Erziehung wirkt sich in der Regel positiv aus. In den christlichen Mittelmeerländern kann man das schön studieren. Von Portugal bis Griechenland besaufen sich die Leute nicht, trinken aber gern und gesellig ihren Wein.

    Meine eigene Erfahrung geht in die selbe Richtung. Mein Großvater, mein Vater und ich schätzten/schätzen Alkohol – konsumieren nur sehr mäßig, und hatten bzw. haben die Fähigkeit, zuverlässig und lange vor dem Betrunkensein aufzuhören. Dazu trägt bei, dass ich schon mit 14 ein bisschen Alkohol trinken durfte: halb Wein, halb Wasser.

    Mein Gegenbeispiel sind meine amerikanischen Studenten. Strenges Alkoholverbot bis 21 gilt in den USA, am College gibt es keinen Tropfen — und die Jungs (nicht alle, aber erstaunlich viele) saufen und besaufen sich wie verrückt. Das Verbot macht für sie das Saufen attraktiv.

    In Russland, so scheint mir, ist der Grund, dass ziemlich viele Männer ziemlich kaputt sind, und dass sie deshalb in den Alkohol fliehen. Hier ebnet die Kultur den Weg in den Suff auf ganz direkte Weise: Du MUSST saufen, sonst gehörst du nicht dazu.

    Was würde ich als Lehrer machen, zum Beispiel bei einem Wandertag, wenn wir in einer Gaststätte einkehren? – Ich würde demonstrativ ein Glas Bier trinken. Und ein Auge zudrücken, wenn meine minderjährigen Schüler mal einen Schluck nehmen. Der Grund: Man muss den Alkohol für die Jungs entmystifizieren, entdämonisieren, man muss ihn zu etwas machen, dass man nur dann genießen kann, wenn man beim Konsum maßvoll bleibt.

    Das gilt für viele Dinge, nicht nur für Alkohol.

  2. Diese weit verbreitete Denkweise – gut gemeint – ist in meinen Augen ein guter Grund für muslimische Eltern, ihre Kinder nicht auf Klassenausflüge mitzuschicken. Und wenn sich solcher „Unterricht“ ausbreitet, hoffe ich, dass ein paar mehr Rückgrad entwickeln und ihre Kinder nicht mehr auf solche Schulen schicken.

  3. Da stimme ich dir zu alien.
    Ich finde es vor allem erstaunlich das Muslime ganz selbstverständlich auf Dinge verzichten können, von denen die Menschen in anderen Ländern meinen sie bräuchten das oder könnten ohne nicht klar kommen.
    Alkohol trinken gehört auf jeden Fall dazu.

    Gerade Bayern hat ja mit Maß halten nicht viel am Hut, was während des Oktoberfestes besonders gut demonstriert wird. Wenn schon die erwachsenen Vorbilder literweise saufen ist das für Schüler nicht unbedingt eine gute Lehre. Die Verharmlosung von Alkohol, die dabei stattfindet ist schlimm genug, schlimmer aber ist die Lehre das man zum Feiern Alk braucht und ohne besoffen in der Ecke zu liegen ist das Fest nicht „cool“.

  4. Asma – ich führe Leos Antwort eigentlich eher darauf zurück, dass er die typisch bayerische Trinkweise zugrunde legt – die ist tatsächlich eher maßvoll, vom Oktoberfest mal abgesehen. Aber er kennt Brandenburg nicht und die Art des Saufes, die sich von dort her ausbreitet – nämlich ähnlich der russischen Variante.

  5. Maßvoll ist vielleicht 200ml Bier/Glas aber eine Maß Bier, was im Grunde 1 Liter pro Glas ist, ist nicht maßvoll. Vor allem bleibt es in der Regel nicht bei einer Maß.
    (eventuelle falsche Schreibweise der bayrischen Maß bitte ich zu entschuldigen, bin halt nicht aus Bayern).

    Brandenburg kenne ich auch nicht, aber wenn ich das so lese habe ich wohl nichts verpasst.

  6. Ja, alien, ich bin Bayer und ein bisschen bayerischer Patriot. Wann i kannt, daad i jetzad und oiwei auf Boarisch schreim, aba do daadz mi ja ned richti lesn kenna.

    Wirklich, der Alkohol gehört zu unserem traditionellen Leben. Nicht der Suff – der ist ein Problem. Vor allem dann, wenn er zu häufig und zu heftig wird.

    Man hat früher auch bei uns Bayern schon mal ein Auge zugedrückt, wenn die wilden Buam zuviel gesoffen und dann gerauft haben, dass die Fetzen (manchmal auch die Zähne) geflogen sind. Aber der reife, verheiratete erwachsene bayerische Mann weiß seinen Alkoholkonsum zu mäßigen. Wenn nicht, verliert er an Ansehen, und zwar gehörig. Besoffen bei der Arbeit, besoffen, wenn man seine 5 Sinne allesamt braucht — das war und ist auch in unserer Tradition ein schlimmes Vergehen.

    Das Resultat war, dass im großen und ganzen ziemlich viele Leute (ausnahmslos ALLE in den beiden Zweigen meiner Familie) ziemlich vernünftig und verantwortungsvoll mit dem Alkoholgenuss umgegangen sind. Das würden wir auch gern dem Nachwuchs beibringen.

    Es gibt keine Bayerische Kultur ohne Bier, ohne die angeregt gute Laune durch den Alkohol.

    Dass das Saufen in anderen Gegenden Deutschlands, aber vor allem auch in Russland, katastrophale Probleme mit sich bringt, wird uns in Bayern so wenig vom Bier wegbringen, wie es die Rheinländer, die Franzosen und Italiener vom Wein wegbringt. Wenn andere aus dem Segen einen Fluch machen – ist das ihr Bier.

    Es gibt die Möglichkeit einer vernünftigen Alkoholkultur. Die Südländer machen es uns vor. Und eine Maß auf dem Oktoberfest ist wirklich keine große Menge, die verträgt einer schon ohne schädliche Nebenwirkungen. (Meine Mutter hat’s immer bei einer halben Maß gut sein lassen, die andere Hälfte haben mein Vater und ich zusätzlich zur unseren getrunken.)

  7. Salam,
    nach meiner Erfahrung, was die Familie angeht, ist der Alkoholkonsum über die Jahre weniger geworden, als ich Kind war, haben die Erwachsenen ganz schön gebechert, wenn sich eine Gelegenheit ergab. Das hat sich dann in Richtung guten Weins maßvoller entwickelt.
    Dafür schlägt mein Sohn – der ja kein Muslim ist – ganz schön zu glaub ich – ich krieg das natürlich nicht wirklich mit, der geht ja auch schon auf die 30 zu und verrät mir nicht alles.

    Trotzdem: ich hab keine Probleme gehabt, mir den Wein abzugewöhnen und sehe heute wirklich im Alkohol viele Probleme. Hab ja auch viele Jahre Arbeit im Suchtbereich hinter mir. Statt „kontrollierten Trinkens“ kann man es wirklich auch ganz lassen. Heute weiß man auch, dass bei Schwangeren schon ganz wenig Alkohol schadet – und besonders dann, wenn frau noch gar nicht wissen kann, dass sie schwanger ist. Dann hab ich so viele Alkoholenzephalopatien und Korsakow-Patienten gesehen – da kann es einem schon vergehen. Leberzirrhose ist auch nicht gerade angenehm, vor allem wenn die Speiseröhrenvarizen bluten….Warum soll man ein vermeidbares Risiko eingehen? Wer sein erstes Glas Bier trinkt, kann nicht wissen ob er abhängigkeitsgefährdet ist (es sei denn, die Familie ist schon betroffen, dann sowieso).
    Schon klar, dass sich das hier nicht durchsetzt – aber es geht echt auch unproblematisch ohne und Spaß haben wir trotzdem.
    Die Kinder probieren das vermutlich sowieso, es sei denn, sie sind sehr gefestigt erzogen. Denen braucht man nichts vormachen – wenn ein Lehrer auf dem Klassenausflug Alkohol trinkt, würd ich als Mutter ausflippen. Der hat nüchtern zu sein und auf mein Kind aufzupassen.

    Tröstlich für die Bayern: mit Bier kriegt man nicht so leicht einen Korsakow (wegen des Vitamin B darinnen).

    Grüße von Meryem

  8. „Diese weit verbreitete Denkweise – gut gemeint – ist in meinen Augen ein guter Grund für muslimische Eltern, ihre Kinder nicht auf Klassenausflüge mitzuschicken. Und wenn sich solcher „Unterricht“ ausbreitet, hoffe ich, dass ein paar mehr Rückgrad entwickeln und ihre Kinder nicht mehr auf solche Schulen schicken.“

    Aus der Sicht eines Muslims ist diese Ansicht verständlich, ich will sie daher eigentlich auch nicht diskutieren. Nur darauf hinweisen, daß es die ureigenste Sache der nicht-muslimischen Elternhäuser wäre, ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol beizubringen. Die Schule wird hier also wieder einmal zum Lückenbüßer für anderer Versäumnisse, was den Lehrern mit Sicherheit keine Freude bereitet.

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