Imamausbildung – Kommentar zu Mazyek

Heute morgen fand ich eine Stellungnahme von Ayman Mazyek zur Imamausbildung in Deutschland, ja, generell zum Status des Islam, die mich überraschte. Meist bringen mich seine Aussagen eher zum Kopfschütteln als zu Zustimmung, weil er meiner Ansicht nach viel zu viele Kompromisse eingeht und befürwortet.

Dagegen ist das diesmal geradezu ein klares Wort – könnte es sein, dass auch er langsam sieht, in welche Richtung die staatlichen Bemühungen gehen?

Imame in der Gemeinde sind nicht in erster Linie Kulturübersetzer oder Integrationslotsen für die Mehrheitsgesellschaft oder gar Ansprechpartner für Sicherheitsbeamte; nein, Imame sind in erster Linie Wissensvermittler, Betreuer und Ansprechpartner für die religiösen Belange der Gemeinde.

Die sogenannten „Islamischen Zentren“ an den Universitäten, die der Wissenschaftsrat für die Weiterentwicklung der Theologien an den Hochschulen vorgeschlagen hat mit den kaum geregelten Beiräten als eine Art Provisorium entspricht nicht der von der Verfassung her vorgesehenen optimalen Rückversicherung durch die Religionsgemeinschaft. Hier muss also nachgebessert werden, damit nicht auf der Projektionsfläche Islam Sonderposten verteilt werden, die dann später allgemein als „rechtliche Erfahrung“ in den gesellschaftlichen Diskurs einfließen.

Der Ruf, man solle auch die Vertreter der nichtorganisierten Muslime einbeziehen, denn schließlich vertrete der KRM zwar die überwältigende Mehrheit der Moscheegemeinden, aber eben nicht alle Muslime, mag vielleicht gut gemeint sein, führt aber ins Leere, weil er ein Paradoxon darstellt. Denn entweder ist man organisiert und entsendet Vertreter oder man ist nicht organisiert und kann folglich keine Vertreter bestimmen. Das ist demokratisches Prinzip, welches auch im Kontext der Muslime zu gelten hat. Und doch hat Politik und Verwaltung gerade damit bisher so ihre Schwierigkeit, einfach anzuerkennen, was Muslime an Vertretungsstruktur und -Kultur zu Markte tragen. Es wird stets reingeredet und bevormundet bei der Ausgestaltung der muslimischen Vertreterstruktur, die sicherlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen ist, aber letztlich Sache der Muslime selber ist. Weder Staat – wie beispielsweise bei der DIK geschehen – wo bestimmte Teilnehmer sozusagen als Islamvertreter inthronisiert wurden, noch universitäre Strukturen können und dürfen den Muslime dabei Vorschreibungen machen.

Zudem sollte die Lehre dabei weder eine kulturwissenschaftliche Schlagseite aufweisen, noch – wie nicht selten gefordert – eine Veranstaltung kritischer Hinterfragungen von Wahrheitsansprüchen sein (dafür sind andere Disziplinen und Formen in der Wissenschaft zuständig). Der Inhalt der Lehre muss zweifelsfrei und eindeutig dem Tatbestand eines Bekenntnisunterrichtes entsprechen, ähnlich verhält es sich mit der Imamausbildung.

Das und mehr in der Richtung hätte ich gerne schon vor fünf Jahren von ihm gehört. Anscheinend hat de Maiziere den Muslimen in Deutschland einen großen Gefallen getan, als er den Islamrat von der DIK ausschloss und der Zentralrat mal Flagge zeigen musste. Danke, Ayman.

Eine Antwort

  1. Denk selben Eindruck habe ich ebenso von ihm und dem Zentralrat. Warte btw immer noch auf einen Hinweis.

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