Nahöstliches Säbelrasseln

Ein wenig im Windschatten der Flottilla verschwand die Meldung, dass Israel atomraketenbestückte U-Boote in den arabischen (in Europa nennt man ihn den persischen) Golf verlegt hätte. U-Boote deutscher Herkunft, im Übrigen.

http://www.jpost.com/IranianThreat/News/Article.aspx?id=176874

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3896024,00.html

Bereits die Rhetorik im Vorfeld sowie das Verhalten der USA gefallen mir, und damit bin ich hier in der Gegend nicht alleine, gar nicht. Zwischendurch kam eine Meldung, dass angeblich Saudi-Arabien Israel für einen Angriff auf den Iran den Überflug erlauben würde. Die Meldung wurde umgehend dementiert, ich denke auch nicht, dass die saudische Regierung so lebensmüde wäre. Nun lese ich heute, dass erhebliche Waffenlieferungen getätigt werden

http://www.voltairenet.org/article165955.html

und eine Flotte von zwölf Kriegsschiffen, davon mindestens ein israelisches, durch den Suez-Kanal Richtung Rotes Meer liefen. Zwar wurde der Kanal von ägyptischen Soldaten bewacht und die Arbeit der Fischereiflotte beschränkt, aber bekannt wurde der Fakt doch. Die ägyptische Opposition ist mit dieser Beihilfe zu einem Angriff auf den Iran gar nicht glücklich.

http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/report-u-s-israeli-warships-cross-suez-canal-toward-red-sea-1.297068

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3907387,00.html

Schon die Ablehnung des braslianisch-türkischen Vermittlungsvorschlags hatte mich äußerst misstrauisch gemacht. Dass Israel, natürlich unkontrolliert, die einzige Atommacht in der Region bleiben will, kann ich ja verstehen – aber dafür mutwillig einen Krieg vom Zaun brechen zu wollen, dazu muss man schon ziemlich rücksichtslos sein – auch gegenüber der eigenen Bevölkerung. Natürlich, der Iran ist bei seinen überwiegend sunnitischen Nachbarn nicht so sehr beliebt. Aber ein Angriff eines anderen Staates, und nun ausgerechnet von Israel und den USA, die hier auch nicht gerade sonderlich wohl gelitten sind – das wäre für die gesamte Gegend ein größerer Schlag, als man sich das in Europa oder gar den weit entfernten USA denken will. Falls man dort noch denkt.

11 Antworten

  1. Ja, unsere liebe Kanzlerin ist sehr großzügig mit Geschenken und Subventionen.

    Von den drei U-Booten hat die Sunday Times bereits im Mai berichtet. Die Boote sollen u.a. Mossad-Agenten an Land bringen damit die Sabotieren und Spionieren können.

  2. „in Europa nennt man ihn …“

    Ich war bisher davon ausgegangen, daß der Iran nicht in Europa liegt. Nun, man lernt eben nie aus.

  3. Rashid, mir kam es hier einerseits auf die Geographie, andererseits auf die europäische Perspektive an. In Europa wird der Iran seit altersher wichtiger genommen, daher nennt man den Golf den persischen. Die Araber sehen das anders – verständlicher Weise.

  4. Übrigens ist die saudische Regierung höchstens lebensmüde wenn sie die Überflugrechte verweigern. Da haben schon lange die Amis das sagen und deren Unterstützung für Israel ist bekannt.
    Aber warten wir ab. Atomwaffen sind keine Kleinigkeit und Iran nicht weit von Israel entfernt. Ob die Herrschaften das Risiko eingehen von ihren eigenen Atomwaffen was ab zu bekommen ist noch die Frage. Es bleibt wohl beim Säbelrasseln

  5. Asma, mit lebensmüde meinte ich die Tatsache, dass es der saudischen Bevölkerung sehr übel aufstoßen würde, wenn zu allem, was man der Regierung ohnehin schon vorwirft, nun auch noch mit Israel zusammen arbeiten würde.

  6. Ob es beim Säbelrasseln bleibt?
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Obama-Regierung es gern dabei belassen würde.

    Aber Netanyahu könnte allein losschlagen – der Iran würde darauf irgendwie antworten – und dann könnte die Israel-Lobby in den USA die US-Regierung zwingen, mit Israel mitzumachen. Was nebenbei den Vorteil hätte, Obamas Regierung kaputt zu machen. (Macht Obama nicht mit, ist er sicher hin, macht er mit, ist er vermutlich auch hin.)

    Was kümmert die Regierung Netanyahu die Weltmeinung? Was kümmert ihn die Weltwirtschaft? Was kümmert ihn, wie Israels europäische Freunde das Abenteuer des Irankriegs aufnehmen?

    Ich glaube, Merkel, Sarkozy, Cameron, Berlusconi etc. ist inzwischen ziemlich mulmig zumute, wenn sie an Israel und Netanyahu denken. Niebels Insistieren auf einem Besuch in Gaza, seine erstaunlich harte Kritik an Israel sind schon ein deutliches Signal – und vermutlich mit Merkel abgesprochen. Eine Warnung an Jerusalem. „Treibt es nicht zu weit!“

    Niebel ist schließlich einer der ausgewiesenen Israel-Freunde. Vize der deutsch-israelischen Gesellschaft. Er hat bisher immer alles verteidigt, was Israel gemacht hat. Und jetzt plötzlich …

  7. Sehe ich auch so. Nur diese Flottenverlegung lässt mich befürchten, dass es doch kein Alleingang von Netanyahu wäre.

    Was Niebel angeht – so wenig ich ihn mag, aber da hatte er Recht. Vor allem bewies die Netanyahu-Regierung mal wieder, wie unehrlich sie in der Gaza-Frage ist: sie hat sich aus Gaza zurückgezogen, will aber trotzdem alles bestimmen. Aber vielleicht ist Niebel ja eine Geheimwaffe? Kann man ihn als Rakete verwenden? Wer weiß? Wenn schon Schulbücher gefährlich sind….

  8. @ alien
    Seit wann juckt es eine Regierung was der Bevölkerung sauer aufstößt?
    Ein paar Flaschen Cola und ein Big Mac und alle sind wieder zufrieden. Vielleicht etwas angesäuert, aber wir wollen doch nicht die Vorteile der amerikanisch-saudischen Freundschaft übersehen.

  9. Asma, ich finde den Artikel grad nicht mehr. Es war ein Kommentar eines der saudischen Prinzen, der seiner Familie riet, nicht mehr allzu lange zu bleiben, da die allgemeine Unzufriedenheit wüchse.
    Ich weiß es nicht. Aber Unterstützung für Israel ist in arabischen Staaten immer etwas heikler als andere Probleme – das schnelle Dementi dieser Nachricht sprach dafür, dass das schon Kreise zog.

  10. Mag sein, das da einem Prinzen die Füße kalt werden, aber soweit ich weiß sind dort an jeder Ecke Ami-Stützpunkte. Wenn es um deren Interessen geht lassen die sich nicht die Butter vom Brot nehmen und solange die ihre schützenden Hände über die nützliche, königliche Familie halten sind sie zumindest im Palast sicher.
    Aber nehmen wir mal an, diese nützliche Freundschaft zerbricht, dann stehen die Hoheiten dem Volk gegenüber und
    da kommen wir an den Punkt, den du schon erwähnt hast- das Volk hat so seine Einwände gegen einiges was die Familie so treibt.

    Das Dementi war wohl erher eine Art Beruhigungspille und sicher folgen viele Gebete das die Flugrechte nicht genutzt werden, denn sonst weiß nauch das Volk was Sache ist.

    Unterstützung für Israel haben wir lange durch Ägypten beobachtet. Schau dir die vielen Treffen der arabischen Liga an. Ist da mal irgendwas bei rum gekommen?
    Das Volk selbst mag nicht begeistert sein, aber es sind die Regierungen die zunächst mal an ihren Nutzen denken.

  11. […] vor ein paar Tagen hatte ich ja über entsprechende Kriegsvorbereitungen berichtet. Heute fand ich in einer anderen Website eine weitere Zusammenfassung, mit Quellenangaben, die […]

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