Muss Wilders auch gehen?

Die Doyenne des Washingtoner Pressecorps, Helen Thomas, musste kürzlich ihren Platz räumen, weil sie in einem Interview gesagt hatte, die Israelis könnten doch das Land räumen und nach Amerika, Deutschland oder Polen gehen. Schon in einigen Kommentaren dazu wurden Beispiele zitiert, dass im umgekehrten Fall – und das gab es durchaus schon – keinerlei Konsequenzen zu spüren gewesen waren.

 Wie z.B. Mike Huckabee.

http://www.guardian.co.uk/commentisfree/michaeltomasky/2010/jun/07/usa-helen-thomas-mike-huckabee

Oder Richard Armry – kein Journalist, wie Thomas, sondern Kongressabgeordneter:

MATTHEWS Do you support the idea that there be a Palestine state alongside Israel

ARMEY: I’m content to have Israel grab the entire West Bank.

MATTHEWS: Well, where do you put the Palestinian state, in Norway? Once the Israelis take back the West Bank permanently and annex it, there’s no place else for the Palestinians to have a state.

ARMEY: No, no, that’s not — that’s not at all true. There are many Arab nations that have many hundreds of thousands of acres of land and — and soil and property and opportunity to create a Palestinian state.

MATTHEWS: So you would transport — you would transport the
Palestinians from Palestine to somewhere else and call it their state?

ARMEY: I would be perfectly content to have a homeland, just as — most of…

MATTHEWS: But not in Palestine?

ARMEY: Most of the people who now populate Israel were transported from all over the world to that land and they made it their home. The Palestinians can do the same, and we’re per — perfectly content to work with the Palestinians in doing that…

MATTHEWS: Right, no. No, that’s not the question and that’s not your answer. The question here is: What is the future of the Palestinians who are fighting Israel right now? You say their future is somewhere besides Palestine. That runs in the way of U.S. policy going back to 1948. It runs — it runs completely against the president’s policy and every policy I’ve heard a president take, which is that Israel has to give up its settlements on the West Bank and give it back to the Arabs in exchange for peace. You say the deal should be the Palestinians leave?

ARMEY: That’s right…I happened to believe that the Palestinians should leave.

MATTHEWS: Have you ever told George Bush, the president from
your home state of Texas, that you think the Palestinians should get up and go and leave Palestine and that’s the solution?

ARMEY: I’m probably telling him that right now.

MATTHEWS: Well, just to repeat, you believe that the Palestinians who are now living on the West Bank should get out of there?

ARMEY: Yes.

Read more: http://marcovilla.instablogs.com/entry/helen-thomas-and-double-standards/#ixzz0rPCB979X

Beiden Herren passierte – nichts. Gar nichts.

Und nun? Nun schlägt Geert Wilders, kurz nach seinem relativen Wahlerfolg in den Niederlanden, vor, Jordanien in Palästina umzubenennen und die Palästinenser dorthin umzusiedeln. Wie so viele übersieht er dabei großzügig, dass die Palästinenser ungefähr so Jordanier sind wie die Holländer Deutsche… und dass ähnliche Bemühungen in Jordanien strafbar sind. Gegen zwei Knesset-Abgeordnete, die so etwas äußerten, wurde hier in Jordanien Strafanzeige erstattet. Jordanien sieht diese Art von Idee als direkten Angriff auf den Staat.

 Das wird für die niederländisch-jordanischen Beziehungen recht unangenehm. Der Botschafter wird wohl deutlich erklären müssen, dass jemand wie Wilders nun zwar mit etlichen Kollegen im Parlament sitzt, aber dass seine Gelaber ja zum Glück – noch – keine Mehrheitsmeinung ist. Einfach rauswerfen, wie Helen Thomas, kann man ihn ja leider nicht….

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Nahöstliches Säbelrasseln

Ein wenig im Windschatten der Flottilla verschwand die Meldung, dass Israel atomraketenbestückte U-Boote in den arabischen (in Europa nennt man ihn den persischen) Golf verlegt hätte. U-Boote deutscher Herkunft, im Übrigen.

http://www.jpost.com/IranianThreat/News/Article.aspx?id=176874

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3896024,00.html

Bereits die Rhetorik im Vorfeld sowie das Verhalten der USA gefallen mir, und damit bin ich hier in der Gegend nicht alleine, gar nicht. Zwischendurch kam eine Meldung, dass angeblich Saudi-Arabien Israel für einen Angriff auf den Iran den Überflug erlauben würde. Die Meldung wurde umgehend dementiert, ich denke auch nicht, dass die saudische Regierung so lebensmüde wäre. Nun lese ich heute, dass erhebliche Waffenlieferungen getätigt werden

http://www.voltairenet.org/article165955.html

und eine Flotte von zwölf Kriegsschiffen, davon mindestens ein israelisches, durch den Suez-Kanal Richtung Rotes Meer liefen. Zwar wurde der Kanal von ägyptischen Soldaten bewacht und die Arbeit der Fischereiflotte beschränkt, aber bekannt wurde der Fakt doch. Die ägyptische Opposition ist mit dieser Beihilfe zu einem Angriff auf den Iran gar nicht glücklich.

http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/report-u-s-israeli-warships-cross-suez-canal-toward-red-sea-1.297068

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3907387,00.html

Schon die Ablehnung des braslianisch-türkischen Vermittlungsvorschlags hatte mich äußerst misstrauisch gemacht. Dass Israel, natürlich unkontrolliert, die einzige Atommacht in der Region bleiben will, kann ich ja verstehen – aber dafür mutwillig einen Krieg vom Zaun brechen zu wollen, dazu muss man schon ziemlich rücksichtslos sein – auch gegenüber der eigenen Bevölkerung. Natürlich, der Iran ist bei seinen überwiegend sunnitischen Nachbarn nicht so sehr beliebt. Aber ein Angriff eines anderen Staates, und nun ausgerechnet von Israel und den USA, die hier auch nicht gerade sonderlich wohl gelitten sind – das wäre für die gesamte Gegend ein größerer Schlag, als man sich das in Europa oder gar den weit entfernten USA denken will. Falls man dort noch denkt.