Israels illegale Einwanderer

Ein Bericht der gulfnews, der nun von Al-Jazeera ganz ähnich bestätigt wird, spricht von der Behandlung der gekidnappten Passagiere: sie sollen tatsächlich unterschreiben, illegal nach Israel eingereist zu sein!

Bei soviel Dreistigkeit verschlägt es mir die Sprache. Keiner von ihnen hatte nach Israel einreisen WOLLEN – sie wollten nach Gaza und wurden mit Gewalt zur Einreise nach Israel gezwungen. Und die, die das nicht unterschreiben, sollen erst mal einige Tage ins Gefängnis:

13:55pm: Al Jazeera’s Issam Zaatar has given an interview to Al Jazeera English in which he says that many of the detainees from the boat held in Israel were told to sign papers saying they had „broken the law.“ He said those who didn’t sign were told they would be imprisoned for several days.

So kann man die Wahrheit natürlich auch herstellen. Hinterher würde Israel sie dann alle als geständige Verbrecher bezeichnen, gegen die man natürlich vorgehen durfte, oder wie?

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„Rachel Corrie“ unterwegs nach Gaza

Eigentlich bestand ja die Flotille für Gaza nicht nur aus sechs Schiffen, sondern aus acht, eigentlich aus neun. Das in Irland erworbene Frachtschiff, eigentlich ein wenig das Herz der Aktion, wurde nicht umsonst auf den Namen der ermordeten Rachel Corrie getauft.

Zur Enttäuschung vieler blieb es jedoch durch technische Probleme zurück. Während die Flotille sich sammelte, vor Zypern lag, las ich immer wieder die Frage, wo sie denn sei, die „Rachel Corrie“. Letztdendlich trat die Flotille ihren Weg ohne sie an, mit dem bekannten Ausgang.

Gestern nun fragte ich mich, was jetzt werden sollte aus ihr. Ich hätte es verstehen können, hätte man sie zurückgezogen. Aber es gab bereits eine erste Ankündigung, dass man sich nicht einschüchtern lassen werde. Und heute mehren sich die Tweets, dass sie unterwegs sei nach Gaza. Ali Abumineh hat über die Passagiere berichtet. An diesem Schiff ist wohl vor allem Malaysia beteiligt – und die Regierung soll dahinter stehen.

Wieder bleibt nur warten und beten. Mein Herz ist bei der „Rachel Corrie“.

Die Flottille – der Tag danach

Der Tag danach. Zeit für mich, etwas aus dem gestrigen Nachrichtenchaos zusammenzufassen und ein paar Dinge noch mal darzustellen, soweit es mir möglich ist.

Solange die Flottille geplant wurde und unterwegs war, hielt sich die „große Presse“, vorsichtig ausgedrückt, vornehm zurück. Auch politische Unterstützung war kaum zu vernehmen. Auch dann nicht, als die Israelis mit Drohungen und einer massiven Desinformationskampagne begannen. Auf diese wurde ich vor allem aufmerksam, als auch auf meinem Twitter-account Nachrichten aufliefen, die auf Artikel verwiesen, die über die herrlichen Zustände in Gaza berichteten, die Organisatoren und Teilnehmer der Flottille verunglimpften, oder nur ganz einfach pöbelten.

Dieses Schweigen im Walde, das blogger, Alternativ-Medien und Twitterer nicht zu konterkarieren vermochten, hat möglicherweise den Israelis vorgegaukelt, das Schicksal der Flottille und ihrer Menschen würde die Weltöffentlichkeit mal wieder nicht weiter interessieren. Und so griffen sie sie im Morgengrauen (passend: zur Gebetszeit der Muslime) an. Ja, es ist ein Angriff, wenn bewaffnete Soldaten sich aus Helikoptern auf ein Schiff abseilen.

Ob diese dann zuerst geschossen haben oder ob die Menschen an Bord gleich versucht haben, sie zum Rückzug zu drängen, weiß ich nicht. Die Videos, die kursieren, könnten beide Versionen belegen. Aber die Passagiere und die Besatzung zu Angreifern zu erklären, widerspricht jeglichem Recht. Und somit stand den israelischen Soldaten KEIN Notwehrrecht zu, sie hätten auch dann nicht auf Menschen schießen dürfen.

Ein der Flottille gemachter Vorwurf wurde ständig wiederholt, warum die Ladung nicht über Israel nach Gaza gebracht wurde. Hört sich vernünftig an. Solange man nicht weiß, dass Israel eine Liste der Güter hat, die nach Gaza importiert werden darf  und nichts durchlässt, was da nicht drauf steht. Eine Menge der Dinge, die die Flottille transportiert, steht nicht drauf. Genau das war der Grund für diese Lieferung über den Seeweg. Das laut gemachte israelische Angebot, doch in Ashdod zu löschen, war eine Nebelaktion für Gutgläubige.

Ein zweiter Vorwurf richtet sich darauf, dass sich die Flottille angeblich geweigert habe, Post und Päckchen für den Gefangenen Shalit mitzunehmen. Auch so lange wiederholt, bis es für wahr gehalten wurde. Dazu eine Presseerklärung:

Israel claims that we refused to deliver a letter and package from POW Gilad Shalit’s father. This is a blatant lie. We were first contacted by lawyers representing Shalit’s family Wednesday evening, just hours before we were set to depart from Greece. Irish Senator Mark Daly (Kerry), one of 35 parliamentarians joining our flotilla, agreed to carry any letter and to attempt to deliver it to Shalit or, if that request was denied, deliver it to John Ging, Director of UNRWA in Gaza. He could deliver the letter for the Shalit family,. As of this writing, the lawyers have not responded to Sen. Daly, electing instead to attempt to smear us in the Israeli press.[5] We have always called for the release of all political prisoners in this conflict, including the 11,000 Palestinian political prisoners languishing in Israeli jails, among them hundreds of child prisoners.[6]

Das bedauere ich für die Familie Shalit.

Wer aber berechtigt Israel, Schiffe zu entern, aus internationalen Gewässern in einen israelischen Hafen zu schleppen, die Passagiere und Besatzungen zu inhaftieren? Das ist Kidnapping.

Seelische Grausamkeit ist es auch, die Namen der Toten und Verletzten sowie den Zustand der letzteren geheim zu halten. Auch heute scheint noch niemand etwas zu wissen. Lediglich die Jordan Times meldet, es liege Nachricht vor, dass alle jordanischen Staatsangehörigen, die an Bord waren, wohlauf seien.

Der Guardian berichtet über einige Passagiere, aber auch, dass über ihren Verbleib nichts bekannt sei. Gulfnews fragte gestern auch energisch nach ihrem Journalisten Al-Lawati, dessen tweets am frühen morgen plötzlich verstummten. Al-Jazeera scheint keine Verbindung zu ihrem Reporter zu haben.

Hinzu kommt, dass einige Passagiere an Bord der „Mavi Marmara“ wohl mehr gefährdet sind als andere. Vor allem israelische Staatsangehörige, wie die Abgeordnete der Knesset. Aber auch der bejahrte ehemalige Bischof von Jerusalem, dem ein mehrjähriger Aufenthalt in einem israelischen Gefängnis droht. Wie ich aus einem Artikel bei „Alles Schall und Rauch“ (lesenswert!) ersehe, hatten die Israelis ein ganzes Buch mit Informationen über einzelne Passagiere bei sich – warum wohl? Im Artikel wird eine Todesliste nicht für ausgeschlossen gehalten. Grund genug, diese Passagiere zu verteidigen?

Wie viel an Aufklärung möglich sein wird, kann nur die Zukunft zeigen. Genaues werden wir wohl nie wirklich wissen. Israel gibt sich mit seinen PR-Möglichkeiten alle Mühe, das Desaster so gut wie möglich schönzulügen.

Heute Morgen erreichte mich dieser Tweet:

  • Israel Global PRIsraelGlobalPR
  • You should be grateful that we let you get so far, it would have been no trouble to deal with things before the ships even departed #mossad

    Auch nett, und lässt doch tief blicken.

    Was wird weiter? Die Reaktionen sind leider meist nur die üblichen: man ist „schockiert“, „traurig“, „verurteilt“ – ich glaube, die Palästinenser können es nicht mehr hören. Wenige Ausnahmen  – mal sehen, was daraus wird. Die heftigsten Reaktionen kommen natürlich aus der Türkei, die auch die meisten Toten zu beklagen hat und bei Angriffen auf ein türkisches Schiff recht humorlos ist. Unter anderen ist zu lesen, dass man überlegt, solche Transporte in Zukunft von der türkischen Marine schützen zu lassen. Das würde Israel allerdings wirklich in eine schwierige Lage bringen.

    Eine Frage treibt mich aber zudem um: als Einzelpersonen Amerika angriffen, erklärte die NATO den Bündnisfall und damit rechtfertigte Deutschland sein Kooperation in Afghanistan. Gestern wurde ein Schiff eines NATO-Mitglieds von einer anderen Armee angegriffen. Was ist das dann?

    Ansonsten bleibt für den Moment nur eins: Die Blockade Gazas muss ein Ende haben! Freiheit für Gaza!