Live-blog von Al-Jazeera zum Überfall auf die Flotilla

Al-Jazeera, die in der Region ja gut vertreten sind, versucht, alles upgedatet zu erhalten – ich setzt den link rein, damit jeder, der will, sich informieren kann:

http://blogs.aljazeera.net/middle-east/2010/05/31/aftermath-israels-attack-gaza-flotilla?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

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Israelischer Angriff auf Hilfsschiffe

Laut tweetes und live-stream der IHH hat die israelische Marine heute Morgen vor Sonnenaufgang die Hilfsschiffe angegriffen. Es soll 2 Tote und 31 Verletzte gegeben haben.

Die Schiffe waren noch in internationalen Gewässern, das ist ein Akt der Piraterie.

Es gab Gas-Bomben, die „Mavi Marmara“ scheint gerade geentert zu werden.

http://www.livestream.com/insaniyardim

http://www.livestation.com/channels/3-al_jazeera_english_english

Mit dank an http://urs1798.wordpress.com/

7.30 (Ortszeit):

Laut letzten Nachrichten werden die Schiffe nach Haifa geschleppt – damit die in Ashdod wartenden Journalisten umgangen werden können.

Ich versuche, Nachrichten über die Verletzten und Toten zu bekommen – noch nicht möglich. Laut Al-Jazeera live sind die Verbindungen zu den Schiffen unterbrochen.

Immer das Neueste, wenn auch nicht bestätigt: keyword #flotilla bei Twitter folgen. Im Moment hoffe ich noch, dass die Meldung mit 16 Toten falsch ist.

8.50 Ortszeit:

Al-Jazeera zitiert das Israelische Militärradion und schreibt ebenfalls von 16 Toten!

http://english.aljazeera.net/news/middleeast/2010/05/201053133047995359.html

Ein Schiff für Gaza – 30. Mai

Lese mich gerade durch die Nachrichten der letzten Nacht. Die Schiffe dürften jetzt unterwegs sein. In einem Update beschreibt GazaFreedomMarch das zyprische Chaos von gestern. Verschiedenartige Sabotageversuche – an den Schiffen sowie durch die Behinderung bei der Einschiffung von Politikern und anderen. Die deutschen MPs scheinen es geschafft zu haben – die sind Gegenwind ja wohl irgendwo gewöhnt ….

Al-Jazeera hat eine Zusammenfassung über die Israelische Propaganda erstellt, angefangen bei dem Scherz mit den Luxusrestaurants. Soviel Zynismus kann allerdings ganz bös zurückschlagen, das sollte man sich überlegen, bevor man mit so etwas Politik macht.

Noch eine Info über wichtige Ladung:

We have onboard US citizen and Viva Palestina US team leader Fatima. She has brought with her a large suitcase of specialised medication for chemotherapy, respiratory illnesses and other conditions to the value of several thousand pounds.

Nichts Neues auf dem deutschen blog. Überhaupt wenig direkt von der letzten Nacht oder aktuell – ob die Drohung der Israelis, die Kommunikation zu behindern, der Grund ist?

Heute werde ich wohl sehr oft den refresh-button drücken in der Hoffnung, etwas Neues zu hören – und hoffentlich gute Nachrichten. Wären gute Wünsche Flügel, würden diese Schiffe wohl fliegen. Allaha emanet olun!

Update:

Nachdem die Challenger 1 eintraf, sind sie, den per Twitter eingehend Nachrichten nach, inzwischen losgefahren.

Von heute morgen gibt es ein ganz leises Video:

http://video.haber7.com/play.video.php?id=7323

Einbetten hat absolut nicht geklappt, sorry.

Ein Schiff für Gaza 29. Mai

Soeben erreicht mich ein Tweet, dass noch Schiffe in Zypern festsitzen, man also noch nicht weiter Richtung Gaza fährt. Auch die „Rachel Corrie“ hat wohl noch nicht zu den anderen Schiffen aufschließen können.

Ich stelle mir vor, wie die Mitfahrenden auf der Flotte warten….

Bei Twitter kann man die PR-Kampagne der Israelis gut beobachten. Hilft aber wohl nicht viel, die Artikel, die langsam überall erscheinen, sind deutlich.

Zwei links, die ich besonders lesenswert fand:

http://www.commondreams.org/view/2010/05/28-0

http://counterpunch.org/leas05282010.html

Convoy to Gaza listet auf, welche Ladung die „Mavi Marmara“ führt und wer so mitfährt. Besonders interessant:

In addition there is a previous Archbishop of Jerusalem named Archbishop Ilarion Kaputce who was imprisoned in 1974 in Israel convicted of assisting Palestinan resistance and he currently lives in exile in the Vatican. He was given a 12 year sentence in 1974 but was released to Rome after the Pope’s intervention on condition he never returned to Palestine.

Dieser Blogger scheint an Bord der „Mavi Marmara“ zu sein, ebenso wie der Journalist Al-Lawati von den gulfnews, dessen tweets ich folge.

Sollte sich im Laufe des Nachmittags noch wesentliches tun, werde ich diesen Beitrag hier updaten.

Update:

Noch sind nicht alles Schiffe da, zwei sind beschädigt – ob das Zufall ist, wird sich wohl erst später herausstellen. Es scheinen aber eher kleinere Passagierboote zu sein, nicht die Frachtschiffe.

Was mir so en passant auffällt: es gibt Schiffe von Griechenland und der Türkei. Manchmal geht es wohl doch gemeinsam, auch wenn es wegen Zypern grad wieder Irritationen gibt.

Die deutsche Presse schreibt einzelne Artikel – sehr zurückhaltend, die WELT absolut dagegen. Lesenswert der Artikel im österreichischen Standard und vor allem der bei Heise:

Wer jemals einen Blick in die zahlreichen Veröffentlichungen der Ha’aretz-Korrespondentin [extern] Amira Hass geworfen hat, erkennt sehr bald, welche eklatanten Wahrnehmungslücken die offizielle Darstellung der israelischen Regierung bestimmt. Der „Wirtschaftsboykott“, den Israel gegen den Gazastreifen verhängt hat, um der Hamas, die Israels Existenzrecht nicht anerkennt, die Existenz so schwer wie möglich zu machen, geht auf Kosten der Bevölkerung. Sie gehört zu den ärmsten der Welt, mit miserablen Lebensbedingungen – gesundheitsgefährdendes Trinkwasser, außerordentlich hohe Kindersterblichkeit, es fehlen Krankenhäuser, Schulen (mehr als die Hälfte der Bewohner sind minderjährig), Arbeitsplätze, Baumaterial, alles, was im Nachbarland selbstverständlich ist.

Wie bedürftig die Situation der Palästinenser im Gazastreifen jenseits der offiziellen israelischen Berichte aussieht, darüber gibt nicht nur Allegra Pacheco, eine amerikanische Anwältin jüdischer Herkunft, die sich für die Free-Gaza-Flotte engagiert, in unmissverständlichen Schilderungen [extern] Auskunft, sondern auch [extern] Lageberichte von Organisationen, die mit der UN zusammenarbeiten. Die [extern] Einschätzung von Filippo Grandi, dem Commissioner-General der UN-Behörde für palästinensische Flüchtlinge, [extern] UNRWA steht diametral dem entgegen, was weiter oben zitiert wurde:


Sehr oft fragen mich Journalisten, ob ich die Krise in Gaza als humanitär definiere und gebe darauf diese Antwort: Sie geht weit über „humanitär“ hinaus. Es ist viel schwerwiegender. Auf eine humanitäre Krise kann man mit Medikamenten und Nahrung reagieren; dies hier ist gravierender. Es ist vor allem eine wirtschaftliche Krise – die Bevölkerung ist sehr arm. Es ist eine Krise der Institutionen und eine Krise der Infrastruktur. Es braucht Jahre, um das in Ordnung zu bringen.

Immer noch nicht raus, wann es genau losgeht. Es wird spannend….

Ein Schiff für Gaza – 28. Mai

Die Schiffe sind auf dem Mittelmeer unterwegs. Von beiden Seiten wird viel geschrieben, ich erhalte nun per Twitter ungefragt israelische Propaganda über die völlig ausreichende Versorgung der Bevölkerung in Gaza. Etliches davon findet sich auch in anderen blogs – die UN, wie in meinem vorigen Beitrag zitiert, sieht es anders.

Ein paar Schlaglichter:

Time:

The problem facing the Israeli p.r. effort is that few neutrals are likely to accept Israel’s bona fides as a champion of the welfare of ordinary Gazans. Not after a three-year siege whose goal has been to squeeze the civilian population in hopes that it would overthrow Hamas — and a January 2009 military operation in response to Palestinian rocket fire that left more than 1,200 Palestinians dead, many of them civilians. Then there’s the fact that international humanitarian organizations tasked with sustaining Gaza’s civilian population are saying that while Israel allows in humanitarian supplies, those fall far short of the needs. The U.N. welfare agency UNWRA reports that the number of Gazans dependent on food aid trebled in 2009 to 300,000 — 1 in every 5 people living in the territory. The World Health Organization reports that there are shortages of essential medicines and that chronic malnutrition has reached 10%.

RTÉ news:

The Israel foreign ministry said it has summoned the ambassadors of Turkey, Greece, Cyprus, Sweden and Ireland – the countries from which the ships set sail – and warned them that Israel had issued warrants that prohibit the entrance of the vessels to Gaza.

An Israeli government spokesperson said: ‚If they were really interested in the well-being of the people of Gaza, they would have accepted the offers of Egypt or Israel to transfer humanitarian aid to the people of Gaza.

‚Instead they have chosen a cheap political stunt.‘

Israel says it will divert the ships to the southern Israeli port of Ashdod, where it will detain the activists before deporting them.

Part of the port has been cordoned off and prepared to deal with the activists.

Chemical toilets have been set-up as well as large, air-conditioned tents housing immigration booths and areas for people to be searched.

In diesem letzten Artikel sind einige bemerkenswerte Informationen enthalten.

Nicht nur, dass Israel meint, diplomatischen Druck ausüben zu können und damit hofft, andere Staaten dazu zu bringen, ihre Staatsbürger an der Einreise nach Gaza zu hindern, dabei aber völlig übersieht, dass diese Einreise über internationale Gewässer erfolgt und Israel keinerlei Recht hat, dies zu unterbinden.

Auch die Idee, die Hilfsgüter über Israel anzuliefern, ist geradezu perfide: der Grund für die Flotte liegt ja auch darin, dass es sich um Güter handelt, die Israel nicht ins Land lassen will – wie z.B. Zement. Die Begründung dafür i.Ü. ist klassisch: die Hamas könnte ihn zum Bau von Bunkern verwenden – aha. Sind Bunker Angriffswaffen?

Über die Vorbereitungen zur Inhaftierung der Reisenden braucht man ja kaum mehr zu sagen. Über Teilnehmer der Fahrt hat gulfnews berichtet, diesmal über die nicht so prominenten:

Antalya, Turkey: Many of the activists and campaigners on the Freedom Flotilla have been to Gaza and Palestine before, but the campaign offers a unique opportunity for many others to see Palestine for the first and possibly the only time.

Mohammad Abu Ahmad is a 78-year-old Turk. He has been sleeping in a sports hall specially arranged by the flotilla organisers for the participants. While most participants spend their days lazing around their sleeping bags, sitting on the floor and going outside to eat, Mohammad sits in a chair on one side of the hall all day.

People pass by him to pay their respects, journalists visit his corner to interview him while he sits on his chair, smiling, with both his hands resting on his walking sticks.

“I feel like my going to Gaza is a response to a calling from the Prophet Mohammad (PBUH). It’s my duty as a Muslim to relieve the people of Gaza from their suffering. I have to do this,” he said.

His children and grandchildren have been supportive of his participation in the campaign. “In fact, they are happy that I’m doing this,” he said.
The organisers have been strict in accepting people above the age of 50, but Mohammad is one of the few lucky ones to get through. “I’m going to do this, even if I die doing it. I have to get in to Gaza,” he said.

Und mehr hier:

Asked if she fears reprisals in Israel for going to Gaza, Knesset member Haneen says she is not scared.

„The Knesset can lift my parliamentary immunity in 48 hours. They have already started accusing me of treachery. I will probably be detained with the rest and perhaps give them moral support.“

Lubna, too, says she is prepared. She believes should Israel detain the passengers on the Freedom Flotilla, the foreigners will be deported quickly but it is the Israeli citizens who will remain in prison, then continuously be harassed by the authorities.

„Israel makes you feel inferior as an Arab; as if you’re worth nothing… I may be arrested, I may be attacked and I may die in trying to go to Gaza, but I’m ready to pay the price. There is no freedom without a price“.

Es gibt noch sehr viel mehr, für die, die es lesen wollen.

Ergänzung: bei der Durchsicht der deutschen Presse fand ich einen guten Artikel in der FR, und WELT online schreibt hemmungslos alles ab, was Israel zu bieten hat. Inklusive der Behauptung, man habe sich geweigert, etwas für Shalit zu tun. Tatsache ist, dass die Bitte sehr spät kam und auf die Antwort keine weitere Reaktion erfolgte. Tut mir leid für seine Familie, aber da hat wohl jemand geschlampt. Ebenso wie die WELT bei der Recherche – falls denn recherchiert wurde.

OVG meint, das Beten verbieten zu dürfen

Wie ich vor ein paar Tagen schrieb, ist ja das Verbot einer Berliner Schulleitung, in der Schule bei Bedarf das Mittagsgebet zu verrichten, vor Gericht gegangen.

Heute nun war die Verhandlung vor dem OVG, weil die Berliner mit dem Urteil des VG nicht zufrieden gewesen waren. Mir liegt bisher nur das Ergebnis vor, nicht die Begründung – auf die ich recht gespannt bin, denn soweit ich sehen konnte, hatte das VG alles richtig gemacht. Aber das OVG hat sich wohl dem nicht geringen öffentlichen Druck gebeugt und gegen den Schüler und die Muslime entschieden.

Interessant ist, dass längst nicht alle bislang online zu findenden Artikel erwähnen, dass das OVG die Revision zugelassen hat – weil es sich mit Sicherheit hier um eine Rechtsfrage von allgemeiner Bedeutung handelt. Das ist keineswegs der Regelfall – sehr oft wird die Revision, seit es diese Möglichkeit gibt, nicht mehr im Urteil zugelassen. Also ist sich das OVG wohl doch nicht so ganz sicher….

Jetzt muss ich tatsächlich hoffen, dass die Familie noch die Energie hat, diesen Weg weiter zu gehen.

Wie ich vermutet hatte, gab es Gründe dafür, dass der Junge den inzwischen bereit gestellten Raum nicht so oft nutzte: er fand ihn oft verschlossen vor …. und das hat man dann zunächst in der Presse, heute wohl auch noch vor Gericht, gegen ihn verwendet.

Ceterum censeo: ich bin der Meinung, dass man in Deutschland keine muslimischen Kinder großziehen sollte.

Ein Schiff für Gaza – 26.Mai

Über die Websites und Twitter verfolge ich den Weg der Schiffe und die begleitenden Diskussionen.

Weder die Türkei noch Ägypten haben sich aufhetzen lassen, die Schiffe zu behindern. Insbesondere die Türkei scheint nicht gesonnen, Israel Schwierigkeiten zu ersparen. Vielmehr werden wohl die türkischen Schiffe auch die Nationalflagge führen – diese anzugreifen würde dann eine direkte Reaktion der türkischen Regierung zur Folge haben, und das die nicht wirklich schüchtern ist, hat man ja noch in Erinnerung von dem Versuch, den türkischen Botschafter zu demütigen. Ein Angriff auf ein türkisches Schiff in internationalen Gewässern wäre da ja noch ein paar Grad härter….

Was da genau ablaufen kann, wird, weiß noch niemand. Es steht zu befürchten, dass die Israelis vor allem auch die Kommunikation, soweit technisch möglich, behindern werden, um eine Liveübertragung des Zusammentreffens mit den Schiffen zu verhindern.

Derzeit versucht man es mit Propaganda. So wird verbreitet, dass ja alle notwendigen Dinge im Überfluss in Gaza zu haben seien. Dagegen steht aber ein UN-Bericht, dass Gaza vor dem Kollaps stehe. Wem ich da wohl glauben werde?

Dazu kommen recht merkwürdige Ideen, die man zu haben scheint, wie die, beim Aufbringen der Schiffe die Passagiere (und wohl auch die Besatzungen?) festzunehmen und in spezielle Camps zu verbringen. Lesenswert dazu:

http://irish4palestine.blogspot.com/2010/05/flotilla-threats-and-concentration.html

Mir fiel auf, dass in der deutschsprachigen Presse die Nachrichten sehr dünn gesät sind. Meine Bitte daher, die links zu Free Gaza weiterzuverbreiten.

http://gazafreedommarch.org/cms/en/News/View/10-05-26/Fate_of_Gaza_flotilla_remains_vague.aspx

http://gazafreedommarch.org/cms/en/news/View/10-05-25/We_will_resist_Israel_s_attempts_to_stop_us.aspx

http://freegaza.org/