Wer ist Muslim?

Vor einigen Tagen teilte Professor Sven Kalisch mit, er betrachte sich nicht mehr als Muslim, wolle daher auch den angenommenen Vornamen Muhammad nicht mehr führen. Das ist insofern von öffentlichem Interesse, weil er als Muslim eine Professur innehat, wo eigentlich Lehrer für den islamischen Religionsunterricht ausgebildet werden sollen. Als er vor längerer Zeit öffentlich erklärte, Zweifel an der historischen Existenz der Propheten Mohammeds zu haben, wehrten sich die islamischen Verbände erfolgreich dagegen, dass er weiterhin in der Lehrerausbildung beschäftigt wurde.

Hätte ich damals laut ausgesprochen, dass er mit dieser Aussage in meinen Augen kein Muslim mehr sein könne, wäre man im Internet sicher wütend über mich hergefallen. Nun hat er es selbst gesagt, also darf ich das auch.

Die Frage, wer Muslim ist und wer nicht, ist heikel. Die jüdische Community hat mit ihren Leuten da auch Probleme, oft etwas anderer Art, aber dort wird meines Erachtens offener darüber diskutiert. Sehr instruktiv dazu zu lesen ist das Kapitel „Wer ist Jude?“ in Paul Spiegels sehr empfehlenswertem Buch „Was ist koscher?“ Das geht auch dort nicht immer ohne Streit ab, vor allem wegen der Vererbung durch die mütterliche Linie, was deutsche Gesetze bei der Einreise von jüdischen Kontingentflüchtlingen z.B. ignorierten und israelische Behörden gerne noch bei Konvertierten verschärfen wollen.

Ganz einfach könnte man ja sagen, Muslim ist erst mal, wer Kind mindestens eines muslimischen Elternteils ist. Soweit, so einfach. Dann auch, wer das muslimische Glaubensbekenntnis vor Zeugen ausspricht und es auch verinnerlicht.

Mit dem letzten Punkt wird es aber schon etwas schwieriger. Denn, was bedeutet die Shahada und wo liegt die Grenze zwischen Islam und Nicht-Islam? Gerade im Westen wird versucht durchzusetzen, dass das jeder selbst entscheiden könne und somit jeder sich seinen eigenen Islam basteln dürfe. Dem kann und will ich nicht folgen – halte das dann schon wieder für Unglauben.

Was aber sind die Maßstäbe? Darüber sind in den vergangenen 1430 Jahren viele kluge Dinge gedacht und geschrieben worden; ich bin keine Gelehrte, will aber ein paar – wie ich hoffe, allgemeinverständliche – Grundlagen dazu aufzulisten versuchen.

Muslim sein kann nur, wer die Shahada nicht nur ausspricht, sondern auch bejaht. Dazu gehören die 6 Bestandteile des Iman (Allah, die Bücher, die Propheten, die Engel, der Jüngste Tag, Al-Qada und Al-Qadar), sowie die fünf sogenannten Säulen (Shahada, Gebet, Fasten, Pilgerfahrt, Zakat). Sprich: wer an eines dieser Dinge nicht glaubt, bzw. ablehnt, dass sie verpflichtend sind, hat ein eminentes Problem mit dem „Muslim-sein“.

Beispiel: Ahmadiyya. Diese im damaligen British-Indien entstandene Richtung lehnt nicht nur den „Djihad mit Waffen“ ab (weshalb gerade in Pakistan viele sagen, diese Gruppe sei absichtlich von den Briten gegründet worden, um Kampf gegen ihre Kolonialherrschaft zu unterminieren), sondern betrachtet den Sektengründer Mirza Ahmed als Propheten nach Mohammed. Damit weichen sie aber von einem der 6 Iman-Teile ab, da dort bei den Erläuterungen auch festgehalten wird, dass der Prophet Muhammad der LETZTE Gesandte Allahs ist. Und so, auch wenn sie sich oft streng an alle islamischen Pflichten halten, ist für mich die Entscheidung der islamischen Weltliga, die Ahmadiyya nicht als Muslime anzusehen, richtig.

Bei einigen der alevitischen Gruppen (sie sind für Außenstehende oft schlecht auseinanderzuhalten, einige sind eher schiitisch, für die gilt dies nicht) zeigt sich das Problem auf der Ebene der fünf Grundpflichten: sie lehnen das regelmäßige Gebet und das Fasten ab – manche auch noch mehr. Und somit zählen sie auch nicht als Muslime. Viele von ihnen wollen das auch gar nicht – manchmal dann aber doch, wenn es in Europa darum geht, die Muslime zu ändern und sich in deren Angelegenheiten zu  mischen, oder sich selbst als Vorzeigemuslime darzustellen. Kein Gebet, kein Kopftuch… es wäre interessant, zu wissen, wie viele der öffentlich gepriesenen „modernen“ Muslime aus dieser Richtung kommen. Da ist die Ehrlichkeit nicht immer sehr groß.

Warum ist das für Muslime wichtig, warum kann man nicht sagen, soll doch jeder selbst entscheiden? Nun, da ist Kalisch ein gutes Beispiel: wenn jemand kein Muslim ist, kann ich ihm nicht die Islamausbildung oder den Unterricht von Kindern auf diesem Gebiet anvertrauen.

Wenn mir ein Muslim Essen anbietet, muss ich, nein, darf ich nicht fragen, ob es halal ist. Bei einem Nichtmuslim schon.

Eherecht: die Ehe eines Muslim, einer Muslima, mit einem Nichtmuslim, der keiner Buchreligion angehört, ist eine Nichtehe. Daher ist das an diesem Punkt eminent wichtig.

Das mag für die deutsche Gesellschaft nicht sonderlich nett klingen – aber als Muslime muss man das genauso sagen dürfen, wie die jüdische Community auf dem Recht besteht, definieren zu dürfen, wer Jude ist.

9 Antworten

  1. Da sehe ich einige Schwierigkeiten.

    1. Es gibt keine Instanz im Islam, die verbindlich in solchen Dingen zu urteilen befugt ist. So, wie auch keine Institution oder Person befugt ist, für alle gültig zu definieren, was Christentum ist und wo es endet. Gottseidank ist es so.

    2. Jede Religion ändert sich mit der Änderung der Kultur, in der sie lebt und wirkt. Warum also sollte es nicht möglich sein, als Muslim Schweinefleisch zu essen, wenn Gesundheitsbedenken aufgrund neuer Technologien nicht mehr bestehen? Warum soll es nicht möglich sein, auf die traditionellen Formen des Fastens zu verzichten oder sie zu ändern? Oder das Gebet nicht mehr 5x am Tag gen Mekka zu verrichten, sondern anders?

    Ich kann nicht sehen, wie solche Regelungen von substanziellem religiösem Sinn sein sollen. Das sind Äußerlichkeiten, und es wird immer viele Menschen geben, die sie brauchen und die sich daran festhalten – und andere, die bewusst und mit Überzeugung Abstand nehmen von ihnen, um eine innerliche, mystische Form der Religion zu pflegen – die es in muslimischer Form ebenso gibt wie in christlicher oder jüdischer oder buddhistischer Form.

    Ich würde mir als jemand, der von seinem Naturell her nur ein mystisches Verständnis von Religion und Gott pflegen kann, nicht von den anderen – die ich respektiere – vorschreiben lassen, dass ich mich gefälligst an die Äußerlichkeiten halten soll, wenn ich Christ oder Muslim oder Jude oder Buddhist sein will.

    Wir leben in UNSERER Welt – hier und heute. Wir müssen bei jeder religiösen Aussage der Tradition überlegen, was sie uns hier und heute noch bedeuten kann. Der Wert der Tradition wird von den meisten modernen Menschen unterschätzt — aber er kann auch überschätzt werden, und das passiert dann, wenn man Traditionen dogmatisiert und fundamentalisiert.

  2. Sorry, aber dein Kommentar lässt erkennen, dass du nicht wirklich was vom Islam verstehst. Es gibt einen Minimal-Konsens, der auch meinem Artikel zugrunde liegt. Dann gibt es eine Grauzone, über die man tatsächlich nichts Verbindliches weiß. Aber wer die Fünf Säulen nicht für verpflichtend ansieht, kann kein Muslim sein – das ist nicht diskutabel.
    Das hat nichts mit Tradition zu tun – aber damit, dass der Islam kein religiöser Supermarkt ist.
    Christen verstehen das tatsächlich nicht, ist mir schon oft aufgefallen. Würdest du das Gleiche zu einem Juden sagen?

  3. Natürlich würde ich zu einem Juden dasselbe sagen.

    Und bezüglich des Verstehens des Islam: Ich glaube eher, dass es das Problem von Menschen ist, die Formen brauchen, dass sie die relative Formlosigkeit des mystischen Erlebens nicht so recht verstehen können.

    Du kannst nicht den mystischen Islam aus dem Islam ausschließen. Oder, besser gesagt, du kannst das natürlich machen, aber es hat hier in Europa keine sonderliche Wirkung. Europa IST pluralistisch.

    Dafür, dass es pluralistisch bleibt, trete ich aktiv ein, und das ist ein politisches Motiv hinter meiner leidenschaftlichen Verteidigung der religiösen Formen, die Muslime schätzen und pflegen.

    Es gibt auch unter Christen und unter Leuten, die nicht religiös sind, eine Mehrheit, für die die vorgeprägte Form zuerst kommt und der Inhalt sich in der festen, vorgeschriebenen Form ausdrückt. Das ist ganz menschlich, und eine Religion braucht das genauso wie eine Partei oder eine Firma, die Schule wie die Familie. Ich respektiere das auch persönlich, indem ich mich gerne diesen Formen anpasse, wo es geboten zu sein scheint.

    Aber ich selber bin nicht der Typ, der die vorgeprägte Form für das Wesentliche hält. Weder in der Politik noch in der Religion. Ich frage unvermeidlich nach der Substanz dahinter, nach dem Geist und der Idee darin, nach dem Erleben – und erst von daher bejahe ich eine Form für mich selbst (oder eben auch nicht). Darum lebe ich eine andere Art von Religiosität.

    Wie will man in einer pluralistischen Welt den „Jahrmarkt“ der Formen vermeiden? – Es ist weder möglich noch wünschenswert. Du möchtest Strenge – aber die würde in Europa dazu führen, dass der Islam hinausgedrängt würde. Denn Europa ist nun mal von seiner Geschichte, Tradition, Kultur her kein islamischer Kontinent. Der Islam kann in Europa nur friedlich und konstruktiv existieren, wenn er den europäischen Pluralismus mitlebt und wenn er ihn mitverteidigt gegen die Angriffe der Anti-Pluralisten.

    Die Muslime in Europa sind ja auch schon dabei, einen europäischen Islam zu entwickeln.

  4. Alhamdulillah (Gott sei Dank) haben „Die“ Muslime keinerlei Befugnisse.
    Für Christen ist es natürlich Gottes Wort zu ignorieren und sicxh das Leben nach eigenen Wünschen auszurichten. Die sogenannte Kirche tut dies seit Jahrhunderten, aber wir tun es nicht. Wir tun das was der Prophet Mohammed (saws) uns lehrte:wir befolgen Gottes Wort und folgen nicht den Fälschern.
    Aus diesem Grund werden Muslime weder am 5xligen Gebet noch am Fastenritus etwas ändern.
    Gott sagte nie, das Schweinefleisch verboten ist, weil es an Kühlmöglichkeiten fehlt oder es gesundheitsschädlich ist. Das sind nur Theorien. Tatsache ist, er hat entschieden dass das Fleisch von Schweinen verboten ist und das bedeutet, das es auch dann verboten wäre, wenn es das gesündeste Lebensmittel überhaupt wäre. Ist es aber nicht und genug Wissenschaftler bestätigen das.
    So oder so:Gott weiß mehr als unsere Wissenschaftler und er weiß warum er es verboten hat und deshalb werden wir auch weiterhin dieses Zeug nicht essen.

  5. Ein konkretes Verbot wie jenes, Schweinefleisch zu essen, bezieht sich immer auf eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort und eine bestimmte Gruppe von Menschen ebendort sowie auf das Gegebensein „normaler Umstände“.

    Ein Muslim von heute in München gehört zu den Münchnern und nicht zu den Menschen von Mekka und Medina im 7. Jahrhundert.

    Mich würde interessieren, was der Allah des Koran einem Münchner des 21. Jahrhunderts zu sagen hat. Er HAT ihm etwas zu sagen, und es STEHT im Koran, aber es wird wohl kaum das Schweinefleisch-Verbot sein.

    Steht eigentlich im Koran, WARUM Allah seinen Gläubigen (denen damals und dort!) das Schweinefleisch verbietet?

    Die europäische Kultur, auch die Religion, ist durch den Prozess der „Aufklärung“ gegangen. Das ist nun mal der Blickwinkel, aus dem heraus wir zu argumentieren pflegen, die einen mehr, die anderen weniger konsequent. Aus dem Geist der Aufklärung heraus verteidigen wir zum Beispiel das Recht des Islam auf Religionsfreiheit in Europa. Wenn der Islam dialogisch umgehen möchte mit seiner eigenen europäischen Umwelt, wird er sich der geistigen Herausforderung der Aufklärung stellen müssen.

    Es ist ja kein Problem, dass sich Muslime des Schweinefleisches enthalten. Generell fleischlos zu essen wär ohnehin keine schlechte Einstellung, gesundheitlich und ökologisch gesehen.

    So etwas braucht man auch persönlich nicht zu rechtfertigen. Man macht’s halt so, wie man’s für richtig oder notwendig hält, und damit hat es sich, und ich respektiere es auch dann, wenn ich es nicht verstehe.

    Nur, wenn mir jemand sagt, an so etwas wie dem Meiden des Schweinefleisches (aber nicht des Rindfleisches, zum Beispiel) macht sich das Muslimsein fest, dann frage ich mich nach der Begründung. Und da sind wir nun halt mal auf der Ebene kognitiver Rationalität, samt ihren Ansprüchen auf Logik etc..

    Sicher kann man auch dann einfach sagen, „Gott hat’s verboten, ich weiß auch nicht warum, und er hat’s allen Muslimen aller Weltgegenden zu allen Zeiten und in allen Situationen verboten“ — natürlich kann man sowas glauben, aber, hm, es macht doch keinen Sinn!

    Da täte mich die theologische Begründung interessieren.

  6. Ein Blick in die Bibel und das Verstehen des Geschriebenen würde helfen. Gott schickte verschiedene Propheten zu den Menschen, die lehrten was richtig und was falsch ist. Richtig ist: Gott dienen, Gott gehorchen, Gottes Ge- und Verbote achten und einhalten,keinen falschen Göttern nachrennen.

    Das sind zeitlose Regeln und sie gehören nicht in eine bestimmte Epoche oder nur zu einer bestimmten Menschengruppe.
    Genau betrachtet sind sämtliche Gebote von Gott zu jederzeit sinnvoll und zum Besten des Menschen

    Wie ich bereits erwähnte gibt es keine Begründung sondern nur das Schweinefleisch-Verbot.Und es ist nicht allein für Muslime verboten > Blick in die Bibel> lesen, verstehen

    Es ist keine Aufklärung wenn man bewußt Gottes Gebote abändert, oder nicht befolgt. Was das ist, steht auch in der Bibel, da müssen wir nicht einmal in den Qur-an schauen. Es ist schlicht das Werk des Teufels, seine Einflüsterung, die die Menschen in die Irre leitet und ihnen erzählt sie müssten sich nicht an bestehende und sinnvolle Regeln von Gott halten.
    Jesus (s) selbst sagte: „Eher werden Himmel und Erde vergehen, als dass auch nur der kleinste Buchstabe im Gesetz verfällt“ > Bibel
    Es ist also reine Logik wenn ich sage Schwein ist verboten, weil Gott es zu etwas Verbotenem erklärt hat.

    Mal eine Frage: Warum wohl schuf Gott Himmel und Hölle um die einen zu belohnen und die anderen zu strafen, wenn doch jeder mit seinen Sünden ins Paradies darf?

    Theologische Begründungen finde ich schon deshalb bei den Christen viel interessanter, weil trotz der Fäschungen im 4. Jahrhundert auf Anweisung von Konstantin immer noch viele Wahrheiten zu finden sind, die diversen Lehren der Kirche geradezu widersprechen.
    Wenn Jesus (s) doch Gott selber war, wie es immer wieder gesagt wird, warum kniete er dann nieder und betete zu Gott? Gott betet zu sich selbst?
    Das nur mal so als Kleinigkeit am Rande.

    Ich stelle immer wieder fest, das die Menschen alles schwarz auf weiß vor sich haben und trotzdem nichts verstehen, oder gar nicht erst lesen.
    Als ich Kind war war die Bibel bei uns zu Hause Pflichtlektüre.
    Wer sich die Mühe macht zu verstehen, sieht, das Judentum, Christentum und Islam keine drei Religionen sind. Nur die Menschen machen die Unterschiede.

  7. 1.

    „Gott dienen, Gott gehorchen, Gottes Ge- und Verbote achten und einhalten, keinen falschen Göttern nachrennen.“

    Das Problem ist doch, dass wir – nun ja, die meisten von uns, mich eingeschlossen – heute nicht mehr so einfach sagen können, wer oder was Gott eigentlich ist. Wenn ich mir anschaue, was diejenigen über Gott sagen, die „keine Zweifel haben“, dann fühle ich mich persönlich nicht angesprochen – ich sehe dann halt nur, dass solche Menschen überhaupt nicht verstehen, wo bei mir das Problem liegt, wenn ich von Gott spreche.

    Diese Zweifel sind religiöse Zweifel, und sie sind Teil einer modernen, zeitgerechten Religion. Wir leben nun mal nicht in Zeiten, in denen man einfach bedingungslos übernimmt, was einem die Eltern, die Kultur, die Autoritäten vorsetzen.

    Wenn du jetzt sagst, in der Religion muss man halt einfach glauben, und aller Zweifel kommt vom Teufel — nun ja, dann schließt du die meisten Menschen in Europa von der Religion grundsätzlich aus.

    2.

    „Das sind zeitlose Regeln und sie gehören nicht in eine bestimmte Epoche oder nur zu einer bestimmten Menschengruppe.“

    Es gibt keine zeitlosen Regeln. So etwas ist einfach unmöglich. Regeln beziehen sich auf Menschen, und mit den Menschen ändert sich die Bedeutung der jeweiligen Regel. Die Zeiten ändern sich, die Kulturen ändern sich, die Bewusstseine ändern sich … und damit BEDEUTEN die alten Worte heute nicht mehr ganz dasselbe wie früher.

    Der zentrale Satz der Bibel ist: „Glaube an Gott und liebe deinen Nächsten.“ Jesus sagt das, und er sagt dazu, das sei der Kern, das Wesentliche, alles andere folge daraus.

    Diese Wörter, Glaube, Gott, liebe, Nächster — bedeuten heute alle etwas anderes als sie damals bedeutet haben, als Jesus sie gesagt hat. Weil wir ganz anders denken, fühlen, wahrnehmen, glauben, wissen, sprechen, etc., als die Menschen, zu denen er diese Worte gesagt hat.

    Also stehe ich vor der Aufgabe, herauszufinden, wie diese Worte heute und von meinem Kopf verstanden werden müssen. Ich kann nicht den Naiven spielen und einfach die Haltung einnehmen: So wie ich diese Worte jetzt gerade verstehe, so haben auch Jesus und seine Zeitgenossen sie verstanden.

    3.

    „Genau betrachtet sind sämtliche Gebote von Gott zu jederzeit sinnvoll und zum Besten des Menschen.“

    Wenn das so ist, dann erwarte ich mir eine sachliche Begründung, die wissenschaftlich überprüfbar ist. – Aber das ist, so meine ich, ein Missverständnis, Glaube geht so nicht.

    Ich glaube nicht, dass Gott auf diese Weise mit mir spricht. Er tut das auf eine andere, unmittelbarere Weise. Meine religiöse Erfahrung besteht darin, dass er mit mir durch die Realität selbst spricht – bin ich bereit zu hören?

    Für mich lautet also das Gebot Gottes: „Was wahr ist, ist wahr. Finde es heraus und lebe danach.“

    Das ist eine mystische bzw. existenzielle Religionserfahrung.

    4.

    Jeder hat seinen eigenen Weg zu Gott. Oder eben auch keinen. Ich beobachte diese Wege oder Verweigerungen neugierig und respektvoll. Ich weiß, da gibt es nichts zu Missionieren.

    Ich kann an meiner Mutter beobachten, wie stark sie durch Religion wird. Ihre Religiosität ist ganz simpel und naiv, ohne die Welt der Zweifel, in der ich lebe, ohne Theologie. Meine Mutter hat die für sie „richtige“ Religiosität. Sie hatte es leicht: Sie ist als katholisches Mädchen vom Lande ganz einfach in sie hineingewachsen, und sie hatte einen Vater, der ihr diese Religion glaubwürdig vorgelebt hat.

  8. Fein. Mag ja für Christen alles so sein – aber man kann genau lesen, dass du eben deshalb kein Muslim bist. Und das ist wohl gut so. Leider.

  9. Ich möchte das hier gar nicht ausschweifen lassen.
    Aber ein paar Worte noch dazu.
    1.
    Ich brauche keine Vorstellung von Gott. Ich benötige kein Bild von einem alten Mann mit weißem Bart und rotem Mantel. Das sind die goldenen Kälber über die Mose (s) bereits erzürnt war. Jene Bilder und falschen Götter die Gott strikt verboten hat.

    Ich weiß von vielen die sagen,. sie zweifeln an Gott oder der Religion, aber:
    Gott bevorzugt niemanden wegen eines dicken Bankkontos, seiner Hautfarbe, seiner Nationalität usw. Menschen tun so etwas.
    Gott belügt und betrügt nicht. Menschen tun das.
    Gott giert nicht nach Macht und Geld. Menschen schon. Gott ist nicht bestechlich. Menschen schon.
    Zweifel an den Menschen zu haben ist daher logisch. Zweifel an Gott allerdings nicht. Trotzdem glauben die meisten Menschen lieber anderen Menschen als Gott.

    2&3.
    Jesus(s) lebte viele Jahre unter den Menschen, er unterrichtete sie, er erklärte alles und er lebte ihnen gottesfürchtiges Verhalten vor. Ihn auf einen Satz zu reduzieren ist…da fehlen mir die Worte.
    Wenn es reicht an Gott zu glauben und seinen Nächsten zu lieben, warum ging Jesus(s) dann zu den Sündern und bemühte sich sie zurück auf den rechten Weg zu bringen? Warum sagte er ihnen sie sollen nicht mehr sündigen?
    Das meinte ich mit lesen und verstehen. Man kann natürlich alles überlesen was einem nicht passt, aber das ist weder richtig, noch ehrlich, noch kann man es mit veränderten Zeiten begründen.
    In der Vergangenheit haben sich die Menschen oft geändert. Sie haben Gottes Wort ignoriert und gelebt wie sie wollten. Gott schickte jedesmal einen Propheten um die Leute zurück auf den richtigen Weg zu bringen. Aber nach Jesus(s) hat es keine 400Jahre gedauert bis Lügen und Fälschungen im großen Stil stattfanden. Mohammed(s)war nun der letzte und er hinterließ einen fälschungssicheren Qur-an.

    Sachliche Begründungen sind relativ einfach, aber ich denke das sprengt den Rahmen dieses Blogs.
    Ein (kleiner) Weg in die richtige Richtung ist hier:
    Die sieben Todsünden

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