Burkaverbot – offener Brief an meine muslimischen Geschwister

Assalamu alaikum wa rahmatullah

Liebe Geschwister im Islam,

 seit dem unseligen Volksentscheid gegen Minarettbau in der Schweiz sehen zu viele Menschen in Europa anscheinend die Zeit gekommen, um ernsthaft gegen den Islam vorzugehen. Es wurde seit Jahren immer wieder hier und da mit rechtlichen und verwaltungstechnischen Maßnahmen versucht, das Muslimsein so ungemütlich wie möglich zu machen. Ganz üble Auswüchse waren das Kopftuchverbot für Lehrerinnen in Deutschland, für Schülerinnen in Frankreich und einzelne Sondergesetze in italienischen und schweizer Bezirken – ich will nicht alles aufzählen, wer sich informiert, kennt sie alle.

 Nun hat man sich auf die Schwestern eingeschossen, die der Auslegung folgen, dass auch das Gesicht zu bedecken besser bzw. Pflicht sei. In Belgien ist das erste Anti-Burka-Gesetz beschlossen, in Frankreich auf dem Weg, Italien denke ich, wird folgen, wenn nicht landesweit, dann weiter in einzelnen Provinzen. Dänemark macht bestimmt gerne mit. In Deutschland wird man, meiner Erfahrung nach, davor zurückschrecken, statt dessen mit Einzelverboten vorgehen – durch andere Gesetze, insbesondere im Bereich der Arbeitsverwaltung. Es wird wieder viele Schwestern vor schwere Gewissensentscheidungen stellen, noch mehr als bisher.

 Und, was tun wir? Sagen wir, ach, nein, ist ja doch keine Pflicht, warum sollen wir uns da stark machen? Oder sagen wir, halt, nein, unsere Schwestern folgen einer Auslegung, die nicht falsch ist, und es ist ihr gutes Recht. Es ist auch ihr gutes Recht, zu verlangen, dass wir uns dagegen aussprechen, dass hier Sondergesetze gemacht werden, die den europäischen Rechtssystemen im Grunde widersprechen. Also, Solidarität mit den Schwestern, energischer Protest!

 Höre ich das? Nein, zumindest noch nicht.

 Und daher schreibe ich diesen Brief. Denn, bedenkt bitte: heute sind es „nur“ die Niqabis. Morgen? Gesetze, die vorschreiben, dass die Mädchen erst mit 18 Kopftuch tragen dürfen? Dass man Kinder nicht mehr arabisch und Quranlesen, oder gar Beten lehren darf? Genaue Kontrollen aller Moscheen, damit dort keinerlei Kurse mehr stattfinden? Zulassungsbeschränkungen für Imame? Es gibt da eine Menge denkbarer Möglichkeiten, die eine Gefahr für alle in Europa lebenden Muslime wären, insbesondere für die Möglichkeit, auch die Kinder als Muslime zu erziehen. Dort sind wir am Verletzlichsten, wenn man nämlich unsere Kinder noch mehr als bisher unserem Din entfremdet.

 Sagt jetzt nicht, ach, soweit wird es nicht kommen. Seht euch an, was schon alles geht, wie oft Gesetze extra geändert wurden, weil die bestehenden zugunsten der Muslime hätten ausgelegt werden müssen. Selbst das Grundgesetz hat man ergänzt in der Hoffnung, das Schächten verbieten zu können. Daher sage ich euch, wenn wir uns nicht wehren, nicht deutlich machen, dass unser Islam nicht verhandelbar ist, WIRD es soweit kommen. Und weiter.

 Vor Allah sind wir dafür verantwortlich, was mit unseren Kindern, unserer Ummah geschieht. Daher sollten wir alle das tun, was wir können. Schreibt Leserbriefe, sprecht das Thema in den Moscheen an, bei den Verbänden. Meine große Bitte an alle Verbandsvertreter: macht bei den Innenministern klar, so nicht. Unterstützt die Verbände in Belgien, Frankreich, der Schweiz. Duckt euch nicht. Vertraut auf Allah – der uns helfen wird, wenn wir standhaft sind.

Denkt an unsere Kinder!

Mit aller Gewalt

…möchte Frankreichs Präsident ein „Burkaverbot“ durchdrücken. Und um das den keineswegs überzeugten Franzosen besser schmackhaft machen zu können, wird nun ein völlig unwichtiger Fall durch die Medien gezerrt – unter gröblicher Missachtung geltenden französischen Rechts.

Da wurde doch eine Frau – gebürtige Französin, auch das noch – beim Autofahren mit Schleier festgehalten. Sie sollte dafür ein Bußgeld zahlen – wogegen sie sich wehrte. Das kann ich gut verstehen, denn soweit mir bekannt, gibt es kein Gesetz, das dies zu einem bußgeldbewehrten Tatbestand macht.

Was passiert? Nicht etwa, dass der Bußgeldbescheid aufgehoben wird und der Flic Rechtskunde bekommt – nein, man nimmt sich ihr Privatleben vor. Dabei kommt heraus, dass ihr Mann neben ihr noch drei weitere islamisch angetraute Ehefrauen und insgesamt 12 Kinder hat. Dafür will ihm nun der französische Innenminister die Staatsbürgerschaft entziehen und ihn ausweisen lassen.

Was bitte verstößt daran gegen französisches Recht? Tatsache ist, dass die Ehen nicht standesamtlich geschlossen, daher nicht anerkannt sind – also liegt keine Bigamie vor. Gerade in Frankreich, dachte ich, wäre eine Strafbarkeit nichtehelicher Beziehungen schon lange überwunden, und nichteheliche Kinder auch kein Ausweisungsgrund. Oder gilt das nur für Nichtmuslime?

So, wie Sarkozy das jetzt handhabt, ist es ein Wahlkampf, der offensichtlich mit der Verfolgung jedweder Art muslimischer Lebensweise Stimmen fangen will. Ich hoffe, die Franzosen fallen nicht darauf herein.

Ministerin Özkan – wie mans macht, macht mans falsch

Sie lehnt pflichtbewusst Kopftücher für Lehrerinnen ab – wäre ja schön für alle, die das mit aller juristischen und verwaltungstechnischen Kraft durchgesetzt haben. Aber wie grauslich, Kruzifixe will sie auch nicht! Da muss sie sich gleich entschuldigen. Soviel Religionslosigkeit darf ja nun auch nicht sein.

Und was tut sie dann, die gut integrierte (ich würde eher sagen, assimilierte) Frau Özkan? Sie benutzt die religiöse Beteuereungsformel bei der Vereidigung! Skandal! Die Kirchen (von gewissen rechten Websites gar nicht zu reden) sind entrüstet. Wie kann sie nur!

Der Sprecher der Hannoverschen Landeskirche, Johannes Neukirch, sagte der „Bild“-Zeitung dazu, „dass alle drei monotheistischen Religionen denselben Gott verehren, ist ein sehr unspezifisches Gottesbild“. Er fügte hinzu: „Wir Christen sehen schon einen deutlichen Unterschied zwischen unserem Gott und Allah.“ Laut Islam ist Jesus lediglich ein Prophet Allahs, „für uns ist er aber Gottes Sohn. Und damit Gott gleichzusetzen“. Auch das Judentum erkenne Jesus nicht als Gottes Sohn an, sagte er.

Der Sprecher des katholischen Bistums Essen, Ulrich Lota, sagte, „theologisch sind der Gott der Christen und der Gott des Islam nicht gleichzusetzen“. Allah heiße zwar auf arabisch Gott. Syrische Christen fügten aber, wenn sie beteten, den Zusatz „Vater unseres Herrn Jesus Christus“ hinzu, um ihn vom islamischen Allah abzuheben.

Damit hat MP Wulff eins geschafft: einen Lackmustest. Eine Frau mit türkischem Namen als Ministerin zu benennen, zieht Diskussionen nach sich, die beweisen, dass es nicht reicht, integriert zu sein und die anti-islamische Kulturpolitik mitzutragen. Es reicht nicht, die gleiche Formel zu sprechen wie die rein-deutschen Minister. Es ist alles nicht genug – wenn man denn einen türkischen Namen trägt und sich als Muslima bezeichnet. Dann ist dein Gott angeblich nicht mehr ihrer, du selbst bist unglaubwürdig.

Ich hoffe, dass nach diesen Vorführungen bald der letzte Onkel Tom begreift, wie in Deutschland gespielt wird.

Anzumerken ist, dass die jüdische Community sich über die Randbemerkung sicher sehr freuen wird. Das Thema hatten wir schon mal dank Herrn Hubers – der abrahamitische Dialog dürfte sich also demnächst erledigen. Dem Sarah-Hagar-Projekt gibt das hoffentlich Aufschwung, vielleicht gibt es ja ein Brüder-Projekt dazu.

Wer ist Muslim?

Vor einigen Tagen teilte Professor Sven Kalisch mit, er betrachte sich nicht mehr als Muslim, wolle daher auch den angenommenen Vornamen Muhammad nicht mehr führen. Das ist insofern von öffentlichem Interesse, weil er als Muslim eine Professur innehat, wo eigentlich Lehrer für den islamischen Religionsunterricht ausgebildet werden sollen. Als er vor längerer Zeit öffentlich erklärte, Zweifel an der historischen Existenz der Propheten Mohammeds zu haben, wehrten sich die islamischen Verbände erfolgreich dagegen, dass er weiterhin in der Lehrerausbildung beschäftigt wurde.

Hätte ich damals laut ausgesprochen, dass er mit dieser Aussage in meinen Augen kein Muslim mehr sein könne, wäre man im Internet sicher wütend über mich hergefallen. Nun hat er es selbst gesagt, also darf ich das auch.

Die Frage, wer Muslim ist und wer nicht, ist heikel. Die jüdische Community hat mit ihren Leuten da auch Probleme, oft etwas anderer Art, aber dort wird meines Erachtens offener darüber diskutiert. Sehr instruktiv dazu zu lesen ist das Kapitel „Wer ist Jude?“ in Paul Spiegels sehr empfehlenswertem Buch „Was ist koscher?“ Das geht auch dort nicht immer ohne Streit ab, vor allem wegen der Vererbung durch die mütterliche Linie, was deutsche Gesetze bei der Einreise von jüdischen Kontingentflüchtlingen z.B. ignorierten und israelische Behörden gerne noch bei Konvertierten verschärfen wollen.

Ganz einfach könnte man ja sagen, Muslim ist erst mal, wer Kind mindestens eines muslimischen Elternteils ist. Soweit, so einfach. Dann auch, wer das muslimische Glaubensbekenntnis vor Zeugen ausspricht und es auch verinnerlicht.

Mit dem letzten Punkt wird es aber schon etwas schwieriger. Denn, was bedeutet die Shahada und wo liegt die Grenze zwischen Islam und Nicht-Islam? Gerade im Westen wird versucht durchzusetzen, dass das jeder selbst entscheiden könne und somit jeder sich seinen eigenen Islam basteln dürfe. Dem kann und will ich nicht folgen – halte das dann schon wieder für Unglauben.

Was aber sind die Maßstäbe? Darüber sind in den vergangenen 1430 Jahren viele kluge Dinge gedacht und geschrieben worden; ich bin keine Gelehrte, will aber ein paar – wie ich hoffe, allgemeinverständliche – Grundlagen dazu aufzulisten versuchen.

Muslim sein kann nur, wer die Shahada nicht nur ausspricht, sondern auch bejaht. Dazu gehören die 6 Bestandteile des Iman (Allah, die Bücher, die Propheten, die Engel, der Jüngste Tag, Al-Qada und Al-Qadar), sowie die fünf sogenannten Säulen (Shahada, Gebet, Fasten, Pilgerfahrt, Zakat). Sprich: wer an eines dieser Dinge nicht glaubt, bzw. ablehnt, dass sie verpflichtend sind, hat ein eminentes Problem mit dem „Muslim-sein“.

Beispiel: Ahmadiyya. Diese im damaligen British-Indien entstandene Richtung lehnt nicht nur den „Djihad mit Waffen“ ab (weshalb gerade in Pakistan viele sagen, diese Gruppe sei absichtlich von den Briten gegründet worden, um Kampf gegen ihre Kolonialherrschaft zu unterminieren), sondern betrachtet den Sektengründer Mirza Ahmed als Propheten nach Mohammed. Damit weichen sie aber von einem der 6 Iman-Teile ab, da dort bei den Erläuterungen auch festgehalten wird, dass der Prophet Muhammad der LETZTE Gesandte Allahs ist. Und so, auch wenn sie sich oft streng an alle islamischen Pflichten halten, ist für mich die Entscheidung der islamischen Weltliga, die Ahmadiyya nicht als Muslime anzusehen, richtig.

Bei einigen der alevitischen Gruppen (sie sind für Außenstehende oft schlecht auseinanderzuhalten, einige sind eher schiitisch, für die gilt dies nicht) zeigt sich das Problem auf der Ebene der fünf Grundpflichten: sie lehnen das regelmäßige Gebet und das Fasten ab – manche auch noch mehr. Und somit zählen sie auch nicht als Muslime. Viele von ihnen wollen das auch gar nicht – manchmal dann aber doch, wenn es in Europa darum geht, die Muslime zu ändern und sich in deren Angelegenheiten zu  mischen, oder sich selbst als Vorzeigemuslime darzustellen. Kein Gebet, kein Kopftuch… es wäre interessant, zu wissen, wie viele der öffentlich gepriesenen „modernen“ Muslime aus dieser Richtung kommen. Da ist die Ehrlichkeit nicht immer sehr groß.

Warum ist das für Muslime wichtig, warum kann man nicht sagen, soll doch jeder selbst entscheiden? Nun, da ist Kalisch ein gutes Beispiel: wenn jemand kein Muslim ist, kann ich ihm nicht die Islamausbildung oder den Unterricht von Kindern auf diesem Gebiet anvertrauen.

Wenn mir ein Muslim Essen anbietet, muss ich, nein, darf ich nicht fragen, ob es halal ist. Bei einem Nichtmuslim schon.

Eherecht: die Ehe eines Muslim, einer Muslima, mit einem Nichtmuslim, der keiner Buchreligion angehört, ist eine Nichtehe. Daher ist das an diesem Punkt eminent wichtig.

Das mag für die deutsche Gesellschaft nicht sonderlich nett klingen – aber als Muslime muss man das genauso sagen dürfen, wie die jüdische Community auf dem Recht besteht, definieren zu dürfen, wer Jude ist.

Erlaubnis zu Massendeportationen

… gibt Israel sich selbst. Morgen, am Dienstag, soll eine neue Militäranordnung im Westjordanland in Kraft treten. Eine israelische Militäranordnung, wohlgemerkt – im Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde. Diese Anordnung soll „Infiltration“ verhindern. Das kann man im Zeitalter von Sicherheitsgesetzen ja gut verkaufen.

Nur, so vage, wie dies formuliert ist, weckt der Text böse Befürchtungen: es soll jeder deportiert werden können, der sich ohne legale Bewilligung im Westjordanland aufhält. Auch das hört sich ja noch vernünftig an, fast wie das deutsche Ausländergesetz. Nur stellen sich hier weitere Fragen.

1. Wen könnte das treffen? Erfahrungsgemäß zuerst Palästinenser aus dem Gaza-Streifen. Nicht nur solche, die grade mal eingereist sind, oder in der Westbank studieren, sondern auch Kinder von solchen Palästinensern, die selbst seinerzeit im Gaza-Streifen geboren wurden.

Ebenso könnte es sich auf Palästinenser beziehen, die in der West-Bank leben, jedoch ihren Aufenthaltsstatus dort verloren haben, oder Ehegatten, auf die dies zutrifft – Israel ist nicht dafür bekannt, ehefreundliche Entscheidungen zu treffen.

Bei diesen beiden Gruppen wurde es schon oft versucht, israelische Gerichte geboten da den Abschiebungen Einhalt – nach der neuen Anordnung jedoch sind in Zukunft daher die Militärgerichte zuständig. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Eine weitere Gruppe könnte ebenfalls Ziel dieser Neuregelung sein: jegliche Art Ausländer aus Drittstaaten, Journalisten, NGO-Angestellte … etc.

Ich frage mich, wie es mit Abgeordneten des palästinensischen Parlaments aussieht? Die leben ja ohnehin gefährlich….

Da es im Belieben der israelischen Behörden läge, die Aufenthaltsgenehmigungen zu erteilen oder auch nicht, könnte es tatsächlich jeden treffen.

2. Wohin will man sie abschieben? Bei den Ausländern einfach zu beantworten, ebenso wird man die Gaza-Palästinenser vermutlich einfach dort abliefern. Aber die anderen? Allerdings sieht die neue Vorschrift auch Gefängnisstrafen für Zuwiderhandelnde vor – also könnte man die einfach in israelische Gefängnisse abschieben. Auswahl nach Gusto – jeder, der unbeliebt ist, kann so eingesammelt werden.

3. Wer glaubt Israel noch, dass es irgendeinen Respekt vor der Palästinensischen Autonomie – von Eigenstaatlichkeit gar nicht zu reden – hat, wenn solche Bestimmungen erlassen werden, wo sich Israel eindeutig als Besatzungsmacht geriert?

Quellen:

www.jordantimes.com/?news=25629

www.haaretz.com/hasen/spages/1162075.html

Kollateralschäden

Eine Journalistin unter Hausarrest, ein zweiter, dem sie Informationen weitergegeben haben soll, vorsichtshalber von seiner Zeitung nach London ins Asyl geschickt. Es geht hauptsächlich um einen Artikel, „Licence to Kill“, der sich mit gezielten Tötungen durch das Militär befasst. Welches Land mag das wohl sein? Russland? Amerika? China? Nein, es ist „die einzige Demokratie im Nahen Osten“. Es geht um Uri Blau von der „Haaretz“ und die junge Journalistin Anat Kam. Sie wurde im Dezember verhaftet, weil sie angeblich militärische Dokumente kopiert und anderen zugänglich gemacht haben soll. Das könnte ihr 14 Jahre Gefängnis einbringen. Blau war zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung in China, sein Arbeitgeber hat ihn anschließend nach London versetzt – um ihm die Möglichkeit zu erhalten, in Freiheit zu schreiben. Blau recherchiert und schreibt neben anderen, in Israel oft heißen Themen, auch über die Praxis angeordneter Tötungen ohne Gerichtsverfahren oder Urteil. Er soll von Anat Kam Informationen bekommen haben, dass Morde an palästinensischen Politikern und Kämpfern monatelang im Voraus geplant, aber dann als Tod bei Verhaftung deklariert werden. Dabei kommen auch immer wieder Unbeteiligte zu Tode – auch Kinder. Kollateralschäden? Über die Affaire Kam darf in Israel laut einer „Gag order“ nicht berichtet werden. Gegen diese Zensur wird eine Klage ab dem 12. April verhandelt. Das Verfahren gegen Kam ist für den 14. April angesetzt. Es wird spannend sein, zu sehen, ob die israelische Öffentlichkeit dann über diese Praktiken mehr erfahren darf. Die Pressefreiheit dieser angeblichen Demokratie – auch ein Kollateralschaden?

www.guardian.co.uk/world/2010/apr/02/israeli-journalist-anat-kam-house-arrest

www.ipsnews.net/news.asp?idnews=50903

www.lemonde.fr/proche-orient/article/2010/04/03/l-histoire-que-la-presse-israelienne-ne-peut-pas-encore-raconter_1328302_3218.html

www.shortnews.de/id/824631/Israelische-Journalisten-befuerchten-Strafe

Wie weit denn noch?

Laut deutschem Grundgesetz haben Eltern das Recht, ihre Kinder zu erziehen. Das gilt im Rahmen der sonstigen deutschen Gesetze. Nicht verpflichtet sind sie, ihre Kinder nach irgendwelchen modeabhängigen Ideen zu formen. Eingriffe sind da eigentlich nicht erlaubt.

Eigentlich – muslimische Eltern wissen schon lange, dass das für sie nicht gilt. Ihre Erziehungsvorstellungen und -ziele werden seit Jahren in den Schulen mehr oder weniger deutlich unterlaufen. Sei es, dass direkt gesagt wird, dass das, was zu Hause gesagt wird, Quatsch sei, sei es, dass den Kindern Verbotenes erlaubt wird, mit einem Augenzwinkern, muss ja Mama oder Papa nicht wissen. Bis dahin, wo ein Lehrer angibt, er habe muslimischen Jugendlichen angeboten, sich doch mit Freund oder Freundin in der Schule zu treffen – er decke das.

Neuerdings werden sogar säkulare muslimische Jugendliche in Schulen geschickt, um Kinder weiter zu beeinflussen und gegen die Wertvorstellungen ihrer Eltern zu erziehen. Der Spiegel fand das Projekt ganz toll. Ich nicht.

Erfreulicherweise stellt da auch ein Nichtmuslim da eine gute Frage:

Was würde wohl passieren, wenn man mit staatlicher Rückendeckung jüdische Atheisten zu jungen, strenggläubigen Juden schicken würde, um ihnen beizubringen, dass die Gebote des Talmud einfach nicht mehr zeitgemäß sind, und dass Schläfenlocken bescheuert aussehen? Würde man in einer katholischen Schule hinnehmen, dass ein Psychologe aufkreuzt und erklärt, auch Jesus habe zur Fastenzeit besonders gern Schweineschnitzel gegessen?

Eben. Danke, Herr Martenstein.