Al-Azhar: Schleichende Verdammung zur Irrelevanz?

Wie ich schon in meinem Artikel zum Tode des verstorbenen Scheichs der Al-Azhar-Universität in Kairo befürchtet hatte, bringt die Ernennung seines Nachfolgers keine Besserung.

Mubarak ernannte noch von seinem Krankenbett in Deutschland aus den bisherigen Rektor der Al-Azhar Universität Prof. Dr. Ahmad Mohammad Al-Tayyeb zu Tantawis Nachfolger. Nach etwas Suchen fand ich nun auf einer deutschsprachigen Seite der Al-Azhar einen Lebenslauf. Daraus ergibt sich, dass sein Fachgebiet islamische Philosophie und  Theologie ist – also nicht Quranwissenschaft, wie bei Tantawi, und erst recht nicht Fiqh. Das heißt, nachdem schon Tantawi dafür kritisiert wurde, dass er Rechtsmeinungen äußerte, ohne die dafür erforderliche Ausbildung zu haben, steht nun ein Mann an der Spitze der wichtigsten Universität des sunnitischen Islams, der noch weniger dazu geeignet wäre. Wenn er klug ist, überlässt er die Erstellung von Fatawa anderen Scheichs. Aber auch dann leidet das Ansehen, vor allem aber auch der Einfluss der Al-Azhar in der muslimischen Welt. Eine für mich sehr traurige Entwicklung – möge etwas Gutes daraus entstehen.

Islamonline ohne Scheich Qaradawi?

Seit ein paar Tagen zirkulierte die Nachricht im Internet, dass es beim Träger der Website „Islam-online.net“ kriselt. Die Seite, 1999 in Qatar gegründet, war über die Jahre gewachsen, und eng mit dem Wirken von Scheich Qaradawi verbunden.

Ich schätze den Scheich, habe mich aber angesichts etlicher Artikel auf der Seite in den letzten Jahren zunehmend gefragt, ob das wirklich noch seine Meinung ist. Alles kann er sicher nicht lesen, aber einige seiner Fatawa machten mir zunehmend Kummer. Am meisten störte mich jedoch die beschönigende Berichterstattung über Islam in Europa, namentlich in Deutschland. Ich habe mich mehrfach per mail beschwert, ohne eine Antwort zu erhalten.

Und nun gab es richtig Ärger, nachdem neu gewählte Vorstandsmitglieder des Trägervereins die frühere Richtung in dieser Form wohl auch nicht mehr weitermachen wollen und sehr radikal die gesamte in Ägypten ansässige Redaktion ausgesperrt haben. Auch Qaradawi soll gehen – oder ist schon weg.

Eine Zusammenfassung aus Sicht der Geschassten gibt einen Überblick. Anscheinend ist auch eine neue Seite, zu der dann wohl sehr viele der ehemaligen Mitarbeiter beitragen würden, in Planung.

Mir tuts ein bisschen weh. Ich kenne die Seite fast seit ihrem Bestehen, auch Mitarbeiter – aber auch für mich war sie zum Teil kaum noch zitierfähig, weil die Artikel und auch Antworten auf manche Fragen mich mit Kopfschütteln zurückließen. Möge der Neuanfang zum Besten sein.