Deutscher Pass? Muss das sein?

Jetzt wird es beim Thema „Doppelte Staatsangehörigkeit – Optionsregelung“ möglicherweise interessant.

Mit der Neufassung des Staatsangehörigkeitsrechts zum 1.1.2000 trat eine Regelung in Kraft, die für hier geborene Kinder von Ausländern unter recht engen Voraussetzungen einen Erwerb der deutschen neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern vorsieht. Auch für solche Kinder, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Regelung noch nicht 10 Jahre alt waren, sollte die Möglichkeit des einfachen Erwerbs offen sein. Davon wurde auch Gebrauch gemacht.

Der Haken: das Gesetz sieht vor, dass sich diese Kinder zwischen ihrem 18. und 23. Lebensjahr zur Aufgabe einer ihrer Staatsangehörigkeiten entscheiden müssen – im Gegensatz zu Kindern aus binationalen Partnerschaften, die beide auf Dauer behalten dürfen.

Es gab von vielen Fachleuten und etlichen Politikern genug Kritik an dieser halben Maßnahme, auch gerade, seit die Zahlen bekannt sind, wie viele Menschen unter Hinnahme von Mehrstaatigkeit eingebürgert werden. Das sind allerdings i.d.R. keine Türken, sondern einerseits EU-Bürger, anderseits Angehörige solcher Staaten, die sich nicht ausbürgern lassen KÖNNEN (Iran, Marokko, etc.).

Sprich: diese Regel trifft mal wieder vor allem Türken.

Seit 2008 sind nun die ersten Kinder, die von dieser Regelung Gebrauch gemacht haben, 18 Jahre alt. Die ersten haben also diese Entscheidung zu treffen. Und nun hört man ganz vorsichtige leise Töne, dass vielleicht die Optionsregelung doch nicht so optimal sei, auch aus den Reihen der CDU. Nein, nicht von Frau Böhmer – ihre Vorgängerinnen wären da sofort dabei gewesen, aber sie – nun, das kennt man ja …

Sondern von einem regierenden Bürgermeister, Herrn von Beust:

Im Unterschied zu seinen Parteifreunden forderte nun Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust die doppelte Staatsbürgerschaft als einen wichtigen Beitrag zur Integration. So berichtet heute das Hamburger Abendblatt. Von Beust denkt vor allem an die Menschen, die in Deutschland geboren wurden, deren Familien aber aus der Türkei stammen. Bis spätestens zum Alter von 23 Jahren müssen die jungen Menschen wählen, ob sie den deutschen oder den türkischen Pass haben wollen. “Viele wollen sich aber nicht entscheiden. Da schlagen zwei Seelen in ihrer Brust”, sagte von Beust. “Lassen wir doch beide Herzen schlagen! Wir brauchen die jungen Leute”, ergänzte er.

Hört sich toll an. Kann es sein, dass er einfach bessere Informationen hat?

Tatsächlich entscheiden sich mittlerweile immer mehr Jugendliche für die türkische Staatsbürgerschaft. Mit einem zweiten deutschen Pass, so von Beust, falle die Integration leichter.

Er hat ja recht. Denn: wer von den türkischen Jugendlichen wählt im Zweifelsfalle lieber den türkischen Pass? Genau, diejenigen, die sich sagen, in der Türkei sind wir mit einer deutschen Ausbildung, einem Hochschulabschluss willkommen und nicht Bürger zweiter Klasse. Die aber hätte selbst Herr von Beust lieber in Deutschland. Gerade sie durch den Optionszwang aus dem Land zu treiben, ist gesellschafts- und wirtschaftspolitisch grober Unfug.

Allerdings, ob nur das gnädige Behaltendürfen des deutschen Passes diese Gruppe im Lande halten wird, wage ich zu bezweifeln. Da müsste sich noch mehr ändern.

3 Antworten

  1. […] kurze Reflexion über die jetzt ernst werdende Optionsregelung findet ihr auf dem Blog von Alien in Europe. Dort auch ein Zitiat von Ole von Beust. “Viele wollen sich aber nicht entscheiden. Da schlagen […]

  2. 1) man kann nicht zwei herren dienen, d.h. man muss sich schon fuer ein land entscheiden. bei den mohammedanern ist es aber meist so, dass man die deutsche (oder die staatsbuergerschaft eines anderen zivilisierten landes) nur dafuer braucht, um die rechte zu geniessen und die landnahme zu beschleunigen, ansonsten aber seiner heimat verbunden ist. diese leute brauchen auch keinen deutschen pass, sondern ein rueckflugticket (one-way)

    2) tuerken, oder sagen wir lieber mohammedaner, denn ich moechte es nicht auf die tuerken beschraenken, mit einer guten deutschen ausbildung oder gar einem hochschulabschluss sind nicht so haeufig anzutreffen, d.h. ob diese handvoll nun in deutschland bleibt oder nicht ist recht irrelevant. wenn man die gesamtheit der mohammedaner sieht, ergibt sich ein negativsaldo: sie kosten mehr als sie der gemeinschaft nuetzen.

  3. Lieber General Pershing,

    ich kann sehr wohl zwei verschiedenen Herren dienen, und tue es übrigens auch. Nicht alle Menschen haben ein verengtes Hirn und ein starres Herz.

    Wenn der Anteil an Türken bzw. Muslimen unter den Abiturienten und Studenten in Deutschland noch relativ gering ist, zeigt das nur, dass wir bisher zu wenig in sie investiert haben. Unser Fehler!

    Aber auch diejenigen, die ohne höheren Abschluss gut arbeiten – und das sind ja weitaus die meisten – nützen Deutschland, zahlen Steuern, sorgen dafür, dass du einmal deine Rente bekommst, egal, ob du, lieber Pershing, sie verdient hast oder nicht.

    Diejenigen Institutionen und Firmen, die universitär ausgebildete Muslime beschäftigen, wären außerdem ziemlich sauer, wenn du diese hochqualifizierten Arbeitskräfte vergraulen würdest. Wir haben daran keinen Überfluss in Deutschland, und so, wie du schreibst, lieber Pershing, hab ich auch nicht den Einddruck, dass du in die Lücke springen könntest.

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