Gaza hilft Haiti

Durch etliche blogs und Foren zieht sich die unsägliche Diskussion, „warum Muslime nicht für Haiti spenden“. So wird eine Lüge verbreitet, die hier in hetzerischer Weise die Erdbebenkathastrophe zum Islam-bashing missbraucht. Das konnte ich auch, wie bereits in meinem ersten Artikel zum Thema angemerkt, an den auf diesem blog eingehenden Suchanfragen merken.

Der Politblogger ist der Auffassung, das seien nur PI und die paar Hetzseiten. Ich bin im Gegenteil der Meinung, dass das – mal wieder – nur die Spitze des Eisbergs ist. Hinter diesen Tiraden steckt Methode. Diese drückt sich darin aus, dass es bislang keine deutschsprachige Quelle gibt, die die Hilfen aus muslimischen Ländern oder durch muslimische Organisationen auch nur erwähnt. Wer das als Zufall oder „nicht so schlimm“ sehen will, muss ziemlich gutgläubig sein.

Der Haaretz widme ich hier meinen Dank – sie veröffentlicht eine völlig unerwartete Hilfsleistung, nämlich von Menschen aus der Westbank, aber auch sogar aus Gaza, die versuchen, auch das Ihre zu tun, um den Haitianern etwas zukommen zu lassen.

Palestinians in Gaza are offering donations and financial support for the victims of Haiti’s devastating earthquake at the Strip’s Red Cross headquarters, the Palestinian Ma’an news agency reported on Monday.

The Ma’an reported said that Gazan family members of Palestinians imprisoned in Israel also participated in the effort, offering financial donations and goods such as blankets and covers, as well as food and milk for children.

Head of the Committee to Break the Siege Jamal Al-Khudary said „people may be astonished at our ability to collect donations from our people [in Gaza]; we tell them that this is a humanitarian campaign and our people love life and peace ?“

„We are here today supporting the victims of Haiti ? we feel for them the most because we were exposed to our own earthquake during Israel?s war on Gaza.“

The Red Cross director was only able to accept financial donations as transferring goods out of the Strip is near impossible, Al-Khudary added.

Mögen die, die die Muslime so verleumden, dabei aber in ihren Wohnungen voller Überfluss sitzen, vor den Palästinensern in Grund und Boden schämen!

8 Antworten

  1. Ein sehr interessanter Aspekt! Mir war es nicht aufgefallen, aber jetzt wo Sie darauf hinweisen, fällt mir auch auf, dass Muslime nicht als Spender erwähnt werden. Mit Sicherheit werden doch neben den Palästinensern auch die reichen Golfstaaten gespendet haben? Warum meldet das denn keiner? Vielleicht haben die Muslime keine PR mit den Spenden gemacht? Es gibt ein deutsches Sprichwort: Tue Gutes und rede darüber!

  2. Ich habe bereits vor ein paar Tagen hier einen Artikel: Haiti – muslimische Reaktionen – eingestellt. Dort sind im Kommentarbereich einige links zu den Spenden aus muslimischen Ländern gesammelt. Wie ich aus früheren Fällen weiß, wird erheblich mehr gespendet, als veröffentlicht. Nachdem aber bei der Tsunami-Kathastrophe und auch beim großen Erdbeben in Kashmir bereits diese Art der diskriminierenden Auslegung des Schweigens festzustellen war, gibt es jetzt doch einige Berichte, obwohl das – wie Sie sehr richtig sehen – der muslimischen Ethik eigentlich widerspricht.
    So gibt es keine Berichte über saudische Spenden – hier gehe ich davon aus, dass der saudische Staat als solcher nicht spendet, wohl aber der König und andere reiche Leute aus dem Privatvermögen.
    Die Diskussionen in einigen der Foren hat mich so geärgert, dass ich dem Thema jetzt mehr Raum gegeben habe, als es eigentlich verdient – wichtig ist ja, dass Hilfe kommt, aber leider muss man sich heute auch noch mit der PR befassen ^^

  3. Diese armen Leute in diesem armen Land. Die tun mir echt leid. Leben schon in Armut und dann das. Einfach schrecklich.

  4. Wohl wahr. Für Muslime ist es wichtig sich nicht mit Spenden zu brüsten, denn dann ist es keine gute Tat mehr.

    Ein anderer Punkt ist die Besetzung des Landes durch Amerika und die damit verbundene Unsicherheit ob die Spenden überhaupt ihr Ziel erreichen, oder statt dessen anderweitig verschwinden, weil Hilfe für Haiti gar nicht gewollt ist.

  5. @ asma: so ein bloedes antiamerikanisches geschwaetz

  6. Zwecks Abschreckung freigeschaltet. Der Nick sagt ja schon aus, wes Geistes Kind dieser Kommentator ist.

  7. Was die momentane Präsenz der USA in Haiti betrifft, unterstütze ich die! Niemand sonst könnte die Logistik, Flughäfen, Häfen, Straßen so schnell aufbauen und auch die Sicherheit der Helfer gewährleisten. Dort wird es – des schlichten Überlebens willen – zu hässlichen Kämpfen und Unruhen kommen. Die Helfer müssen zumindest ihres Lebens sicher sein. Die andere Frage ist, was geschieht nach der ersten Katastrophenhilfe? Haiti war schon immer ein Tummelplatz der USA. Es war zuletzt eine Art von Kolonie der UN. Das hat mehr schlecht als recht funktioniert. Was soll also künftig geschehen? Wie soll es weitergehen? Wer soll die Federführung dabei übernehmen? Das wird eine Menge Arbeit und noch viel mehr Geld kosten! Wer ist in Zeiten unserer „Wirtschaftskrise“ zu einem nachhaltigen Finanztransfer bereit? Tatsache ist: Haiti war schon bisher sozusagen ein „failed State“, fast ohne funktionierende staatliche Strukturen. Das wird nach den erlittenen Zerstörungen nicht besser geworden sein. Vielleicht könnte man eine Föderation mit der Dominikanischen Republik eingehen? Vielleicht gäbe es dann eines Tages auf der Insel Hispaniola nur noch einen, und dann hoffentlich funktionierenden, Staat?

  8. @almabu: Nein, nachdem ich jetzt weiter gelesen habe, kann ich das, was die USA dort tun, keineswegs gut heißen.
    Z.B.:
    „Fatal für die Bevölkerung war und ist hingegen die geringe Verfügbarkeit insbesondere von Krankenhäusern und entsprechendem Personal, intakten Schulen und anderen Notünterkünften, von Baggern und von Wasser. Die Menschen verbluten vor den Krankenhäusern. Die Leichen werden zunehmend in Selbstorganisation gesammelt, verscharrt oder verbrannt. Häufig werden Menschen zitiert, die zwar die Flugzeuge sehen, die vermeintlich mit Hilfsgütern einfliegen, dass sie aber noch keine Hilfe erreicht hätte. Auch die internationalen Medien berichten, dass die Hilfe die Bevölkerung kaum erreichen würde. Sie machen hierfür v.a. die Sicherheitslage verantwortlich und vermitteln wegen der eintreffenden US-Soldaten eine Hoffnung auf Besserung. Tatsächlich blockieren aber die Flugzeuge der US-Army den kleinen Flughafen von Port-au-Prince und mehreren Transportflugzeugen wurde von dieser bereits die Landung verweigert, seit sie die Kontrolle über den Flughafen und den Luftraum übernommen hat. Denn es ist nicht genügend Platz auf dem Flughafen – nicht nur zum Starten und Landen der Maschinen – sondern vor allem für deren Entladung.

    Während die UN noch diplomatisch davon reden, das „größte Hindernis für eine zügige Verteilung der Hilfslieferungen, die mittlerweile aus aller Welt eintreffen, …[sei] der beschädigte Flughafen und die überlastete Luftraum über Port-au-Prince“, wird ein Vertreter des World Food Program schon deutlicher: „hier gehen 200 Flüge täglich an und ab… Aber die meisten dieser Flüge sind für das US-Militär“. Ein Sprecher der Flugsicherung in der benachbarten Dominikanischen Republik bestätigte, dass die Flugzeuge stundenlang warten müssten, weil kein Platz auf dem Flughafen sei und niemand unter diesen Umständen die Verantwortung dafür übernehmen wolle, die Hilfslieferunge zu entladen. Auch einer Lieferung der UNICEF mit medizinischer Ausrüstung, Decken und Zelten wurde von der USA die Landegenehmigung verweigert, worauf es nach Panama zurückkehren musste. Im französischen Außenministerium regte sich protest gegenüber dem US-State Departement, nachdem dieses die Landung eines französischen Fluges blockierte, das ein Hospital an Bord hatte. Der Flughafen Port-au-Prince sei de facto „kein Flughafen der internationalen Gemeinschaft [mehr], sondern ein Anhang Washingtons“.“
    http://www.imi-online.de/2010.php?id=2071

    Bitte den ganzen Artikel lesen, damit man sieht, was da wirklich passiert.

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