Türkei in einer neuen, alten Rolle?

Jahrzehntelang banden die laizistischen Regierungen die Türkei an den Westen. USA, NATO, EU – das waren die wesentlichen Partner, egal, wie arrogant diese auftraten.

Seit dem Amtsantritt der AKP-Regierung hat sich da etliches geändert, nicht immer zur Freude der oben genannten – in der Öffentlichkeit aber bedingt durch die Berichterstattung gerne ignoriert. Will man da mehr wissen, muss man andere Quellen als WELT oder SPIEGEL etc. lesen.

Auffällig wurde das Ganze in den letzten Tagen, als Erdogan sich zum zweiten Mal nach dem Eklat in Davos energisch gegen Israel durchsetzte. Es endete – vorläufig – mit einer israelischen Entschuldigung. Das gab es wirklich noch nicht so oft. Aber klare Linie und Kompromisslosigkeit gegenüber dem im Land nicht sonders geliebten Verhandlungs- und Vertragspartner Israel ist nicht alles, was da an Änderungen zu finden ist.

Nach vielen Jahren, in denen die muslimischen Staaten, die zum nicht geringen Teil früher einmal Bestandteil des Osmanischen Reichs waren, mit der laizistischen Türkei eher distanzierte Beziehungen pflegten, tritt nun Erdogan einerseits geschickt in einer Rolle als Vermittler auf, plant sogar eine Art Schengen-System für zunächst sechs Länder, für die es keine Visumspflicht mehr gibt, darunter Marokko, Jordanien, Libanon und Syrien.

Einen langen Artikel hierzu mal wieder in der Asia Times – lesenswert.

An einem Punkt macht Erdogan allerdings vermehrt klar, dass er da keinen Spaß versteht: Palästina. Seine Reaktion auf den Israelischen Angriff vor einem Jahr war deutlich, und derzeit verschont er die arabischen Staaten, die Gaza nicht helfen, keineswegs mit Kritik:

Turkish Prime Minister Recep Tayyip Erdogan on Sunday decried what he called Muslim leaders‘ inadequate response to Palestinian suffering in the Gaza Strip as „pitiful.“He made the remarks when asked to compare the attitude of other Muslim countries to Turkey’s vehement outbursts against Israel over its devastating war on Gaza last year and its ongoing blockade of the impoverished enclave.

„The governments have failed to display the reactions that the world’s Muslims expected from them. And this has been a pitiful aspect of the matter,“ Erdogan told reporters.

Das wird sicher insbesondere Mubarak nicht schmecken, aber sehr vielen Muslimen in sehr vielen Ländern dafür um so besser gefallen.

Die weitere Entwicklung bleibt spannend.

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