Hilfe für Haiti – und ihre Rückseite

Haitis Menschen brauchen Hilfe, dringend. Aber wenn ich dann höre, welche Summen die USA vollmundig ankündigt, wie neben Clinton auch noch Bush von Obama als Beauftragte vor die Kamera gestellt werden, dann wird mir doch ganz anders. In welcher Form wird denn die Hilfe aus den USA kommen? Wieder als Soldaten? Zu viele Jahre haben die Amerikaner dort mitgemischt, als dass man ihnen nicht ein gutteil Verantwortung auch für die völlig desolate Lage der Insel bereits vor dem Erdbeben geben müsste. Gerade was den Putsch gegen Aristide angeht, sind noch viele Fragen offen.

Statt aber die Zeit seit dessen Absetzung für Maßnahmen zur Verbesserung der allgemeinen Situation zu nutzen, hat man das Putschregime gestützt, „Ruhe und Ordnung wiederhergestellt“ (inklusive 8000 Toten, die auf das Konto der Putschisten gehen, mit eventuell freundlicher Unterstützung durch CIA-ausgebildete Milizen).

Armes Haiti, das jetzt wieder diesen Leuten dankbar sein muss.

Mit Dank an Hintergrund.

Regimewechsel im Iran? – beliebte Irrtümer

Sicher bin ich nicht die einzige, die sich fragt, wie es tatsächlich im Iran aussieht, inwieweit die Demonstrationen und Proteste den Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Regierung oder dem System ausdrücken – oder nicht. Ich teile jedenfalls nicht den bisweilen festzustellenden hype, der davon auszugehen scheint, dass dort eine Mehrheit von Iranern sich vom Islam abwendend endlich wieder eine westliche „Demokratie“ mit westlichen „Werten“ eingerichtet sehen will – wenn möglich, mit Hilfe der lieben Amerikaner oder Europäer.

Ich sehe in solchen – von mir hier jetzt verkürzt und absichtlich sarkastisch wiedergegebenen – Annahmen zwei grundlegende Fehler:

1. Was in den Medien zu sehen ist, auch im Internet, auch in Twitter, ist keine Mehrheit. Die iranische Mehrheit ist ländlich, konseverativ -und muslimisch. Diesen Fehler, nur die für den Westen wahrnehmbare Schicht zur Kenntnis zu nehmen, wurde im Iran schon 1978 gemacht (und in der Türkei fast ständig). Aber selbst die Masse der Protestierenden ist als Anhänger Moussavis nicht das, was manche im Westen meinen.

2. Völlig gleichgültig, in welchem Verhältnis hier Opposition zu Regime steht – in dem Moment, wo es einen Angriff von außen gibt, wird die Opposition alles andere tun, als das als Hilfe und Rettung zu begrüßen. Vielmehr würde sie sehr viel leiser werden, Gegensätze würden eher bereinigt – und der größte Teil des Landes würde, bei allen Vorbehalten, hinter jeder Regierung stehen. Das sollten sich die, die so gerne mit Säbeln rasseln, vielleicht einmal ins Stammbuch schreiben lassen.

Einen interessanten Artikel, der vor allem die Unterschiede zwischen den Situationen 1977/78 und jetzt herausarbeitet, fand ich in der Asia Times:

Regime change in Tehran? Don’t bet on it
By Dilip Hiro

The dramatic images of protestors in Iran fearlessly facing – and sometimes countering – the brutal attacks of the regime’s security forces rightly gain the admiration and sympathy of viewers in the West. They also leave many Westerners assuming that this is a preamble to regime change in Tehran, a repeat of history but with a twist. After all, Iran has the distinction of being the only Middle Eastern state that underwent a revolutionary change – 31 years ago – which originated as a mild street protest.

 

Er zieht das Ganze noch etwas anders auf, kommt aber an vielen Stellen zum gleichen Schluss wie ich, wenn ich auch die Zahlen nicht so hatte, die ihm anscheinend vorliegen.