Haiti – muslimische Reaktionen

Seit dem schweren Erdbeben schaut die Welt nach Haiti – gut einerseits, weil es Hilfe für das geplagte Land bedeutet, etwas nachdenklich machend andererseits, weil dieses arme Land sonst eher aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwindet, obwohl es so vieles bräuchte. Einen besonders guten Artikel zum Thema, der dazu mit etlichen Vorurteilen aufräumte, gab es heute beim Freitag.

Dem habe ich inhaltlich nichts hinzuzufügen, der Grund, warum ich trotz der großen medialen Aufmerksamkeit dem Erdbeben hier einen Artikel widme, ist, mich einem anderen Vorurteil zu widmen: Muslime helfen nur Muslimen. Das wird oft und gern in vor allem islamfeindlichen Foren und Artikeln behauptet. Glaubhaft klingt das auch deshalb, weil über die tatsächlich geleistete Hilfe selten bis nie in deutschsprachigen Medien berichtet wird. Ich bin jedoch seit gestern gleich verschiedenen Artikeln begegnet, die ein wenig mehr Einblick geben.

Islam online berichtet über Hilfszusagen, auch von den Islamischen Charities in Europa. Wem die Summen zu niedrig sind, der möge bedenken, dass diese Charities Spenden von den Muslimen aus den in Europa lebenden Minderheiten bekommen – dafür ist es relativ viel.

Al Jazeera widmet dem Erdbeben einen Front-Page-Artikel – mit einem Spendenaufruf, hier für internationale Organisationen.

Auch Jordanien sendet Hilfe, die Jordan Times berichtet:

Jordan Hashemite Charity Organisation Chairman HRH Prince Rashid, who saw the plane off at Marka Airport, said that work is under way to send another airplane with more medical staff and supplies in addition to humanitarian aid.

The military field hospital, which includes five physicians specialised in orthopaedics, general surgery and anaesthesia, in addition to logistical supplies, will be joining the medical team already in the Caribbean island as part of the peacekeeping mission.

Brigadier General Mohammad Muhaisin of the Royal Medical Services said that the hospital medics will perform surgeries and provide first aid to the victims, saying that more equipment and medicine will be shipped to Haiti in the coming two days.

The airplane is loaded with six tonnes of foods, relief items, medicine and clothing, according to Muhaisin.

Aus anderen Ländern, die finanziell besser gestellt sind, kommt sicher mehr, aber bei etlichen arabischen Staaten ist wohl eher der Grundsatz, nicht allzu viel darüber zu reden, mit ein Grund für die mangelhafte Wahrnehmung.

Mögen möglichste bald alle Haitianier versorgt werden können.

Nachtrag:

Ich hatte diesen Artikel in Anbetracht früherer Erfahrungen geschrieben. Trotzdem hat es mich schockiert, wieviele Hits er durch Suchen nach „warum helfen Muslime Haiti nicht“ oder ähnlich bekam. Ebenso die wie vorhergesagt entsprechenden Artikel (s. mein Kommentarbereich, wo ich einen solchen verlinkt habe) und Diskussionen, ganz übel mal wieder bei Kewil – den ich hier nicht verlinken will.

Diese Kathastrophe dazu zu nützen, mal wieder irgendwie Islam-bashing zu betreiben, ist wirklich das allerletzte.

Gaza unter Druck

In den letzten zwei Wochen gab es diverse israelische Angriffe – es wirkt, als wollte die IDF absichtlich Beschuss aus Gaza provozieren, um einen Vorwand für einen neuen Großangriff zu haben. Erst gestern gab es eine größere Attacke:

Israeli occupation forces, backed by tanks and bulldozers, invaded east of Rafah city, southern Gaza Strip, on Wednesday.Four tanks and three bulldozers penetrated for hundreds of meters to the outskirts of Sofa Crossing east of Rafah.

The Israeli forces also carried out the invasion under heavy fire towards the housings of Palestinians. Palestinian sources added that no injuries were recorded.

The Israeli tanks and bulldozers invaded Rafah city, while Israeli F16 warplanes were flying in low altitude over different cities in Gaza Strip which traumatized children and women.

Meanwhile, the Israeli tanks shelled the eastern agricultural lands in Jabalia, in north of Gaza Strip.

Die Nachrichten werden zunehmend bedenklich. In der deutschen Presse findet man sie jedoch mal wieder nicht.