Direkt aus Gaza

Einer der Teilnehmer am Konvoi nach Gaza berichtet über seine Eindrücke – ich übernehme den größten Teil des Berichts, weil man das sonst so kaum findet:

Trotz der Hindernisse der ägyptischen Behörden, die unter anderem die Einreise des Hilfskonvois verboten hatten und die rund 220 Fahrzeuge auf eine Genehmigung am Hafen warten ließen, konnte der Hilfskonvoi endlich in den Gaza-Streifen gelangen. Die vom Konvoi mitgebrachten Hilfsmittel wie Medikamente, Rollstühle und vieles mehr seien Regierungsfunktionären und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen übergeben worden.

So erfreulich die Nachricht ist, dass die mitgebrachten Hilfsmittel die Not der leidenden Palästinenser ein wenig lindern kann, so erschütternd sind dennoch die Berichte der Teilnehmer des Gaza-Freiheitsmarsches. 

Beispielsweise wird über die Samuli-Familie berichtet, bei der 28 Mitglieder lebendig in den Trümmern ihres Hauses begraben wurden. Das Fatale ist jedoch, dass den traumatisierten Menschen in Gaza eine psychologische Unterstützung kaum möglich ist. 45. 000 Menschen stehen auf der Warteliste des Mental Health Zentrum, das Kinder mit Kriegstraumata therapiert. Die Bilder, die die Kinder malen hätten sie erschreckt, erzählt eine Aktivistin aus Sydney: Zerfetzte Körper, aus denen Blut spritzt oder ein übergroßes Auge, das Tränen aus Blut weint. 

Vielen Aktivisten, die in Gaza waren, ist der Mangel an Kinderschuhen aufgefallen. Überall würden Kinder barfuß durch die Kälte laufen oder durch die Trümmer klettern.

Eine andere Aktivistin berichtet darüber, dass das eigentliche Problem das Importverbot für Ersatzteile und Software für medizinische Geräte sei, obschon Medikamente vorhanden seien. Oft müsse mit lebensgefährlichen und defekten Apparaturen operiert werden. 

Besonders ergreifend sei der Empfang für vier Rabbis der orthodoxen Neturei-Karta-Bewegung gewesen, die der Buskonvoi irgendwo an der Straße im Sinai aufgelesen hatte, berichten Augenzeugen. „Wir, und sicherlich auch die von der Hamas kontrollierte Polizei, die die ganze Zeit ein strenges Auge auf uns hatte, waren zunächst ziemlich besorgt um die Sicherheit der Rabbis“, erzählt eine amerikanische Teilnehmerin. „Aber die Leute haben sie mit Begeisterung empfangen, haben sie umarmt und geküsst. Die Kinder haben sich ein Vergnügen daraus gemacht, mit den Locken der Rabbis zu spielen. Überall wo wir mit ihnen hinkamen, wurde ihnen der Ehrenplatz zugewiesen. Es gibt wohl kaum einen besseren Beweis, dass ein zusammenleben zwischen Juden und Palästinensern möglich ist“, berichtet die Amerikanerin.
Viele Friedensaktivisten seien zudem erstaunt über das hohe Bildungsniveau der Menschen. „Ich habe einem Polizisten, der mich begleitet hat gesagt, ich komme aus England und er begann englische Gedichte zu zitieren“, erzählt ein älterer Mann. Ein Student aus New York, der seinen 22. Geburtstag in Gaza feierte, erzählt, die Menschen wollten lernen und Bildung sei ihre einzige Hoffnung. Viele hätten Stipendien für amerikanische oder europäische Universitäten, aber sie könnten wegen der Blockade nicht ausreisen. „Ich werde keine Ruhe geben, bis meine neuen Freunde genauso frei durch die Welt reisen dürfen, wie ich“, erklärte der Student.

Ein Kanadier berichtet des Weiteren, er hätte einer Familie, die in Trümmern lebte, gesammelte Spenden geben wollen. Doch sie hätten konsequent abgelehnt. Schließlich hätte er kleine Beträge an die Kinder verteilt, so wie es in der arabischen Welt beim Zuckerfest am Ende des Ramadan Tradition ist.

Was eben auch hier wieder besonders hervorsticht: der Notstand auf dem Gebiet der medizinischen Versorgung. Israel mag derzeit nur wenig Menschen direkt töten – indirekt dafür aber um so mehr. Gestern sah ich noch dazu Bilder über die Auswirkungen der israelischen Waffen auf Neugeborene – kaum zum Aushalten. Und das setzt sich fort….

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