„Nur für Deutsche“

Nein, nicht dieser Artikel. Sondern so – ich habe wirklich dreimal hingeguckt – überschrieb Oberst Klein am 5. September seinen Bericht über das Bombardement der beiden Tanklastzüge in Kunduz. Es würde mich ja mal interessieren, was er sich dabei gedacht hat.

Ansonsten ist das, was der SPIEGEL aus diesem Bericht entnimmt, auch nicht grade ein Ruhmesblatt ….

Er habe letztlich das Kommando gegeben, weil er nach Lage der Dinge davon habe ausgehen können, „durch den Einsatz eine Gefahr für meine anvertrauten Soldaten frühzeitig abwenden zu können und andererseits mit höchster Wahrscheinlichkeit dabei nur Feinde des Wiederaufbaus Afghanistans zu treffen“.

Nun ja.

Werbeanzeigen

Weihnachtsbäume am falschen Ort – was haben wir nur dagegen?

Qaradawis Freitagspredigt hat in der nachrichtenarmen Zeit vor Weihnachten doch einiges an Echo, vor allem im Internet, verursacht. Der Zentralrat der Muslime hat inzwischen auch festgestellt, dass tatsächlich Qaradawi NICHT den Christen das Feiern von Weihnachten verbieten wollte – dies ist eine böse Entstellung seiner Rede. Gerade die Tatsache, dass es nicht stimmt, erklärt aber auch, warum in der arabischen Welt niemand etwas zu dem Thema sagte – es gab eher Kopfschütteln.

Leider hat es der Spiegel bis heute nicht für nötig befunden, diesen Fehler klarzustellen, so dass zu befürchten steht, dass der Artikel die nächsten Jahre ständig als Beweis für Qaradawis angebliche Einstellung wird herhalten müssen. Mein blog wird halt nicht so viel gelesen wie der Spiegel – haha – ich danke aber denjenigen, die den Artikel weiter verlinkt haben.

Nun ist aber Qaradawi nicht der einzige, der Weihnachtsbäume am falschen Ort ablehnt. Auch das israelische Oberrabbinat hat sich dagegen ausgesprochen:

Israelische Hotels, Restaurants und Clubs dürfen keine Weihnachtsbäume aufstellen, ihre Gäste nicht mit Weihnachtsmännern erheitern, keine rote Mützen austeilen oder „christliche Symbole“ in ihren öffentlichen Räumen aufstellen. Eine entsprechende „Empfehlung“ hat das Oberrabbinat ausgegeben…

Zusätzlich geht in letzter Zeit eine Rabbinergruppe namens „Lobby für jüdische Werte“ gegen Hotels und Restaurants vor, die gegen diese Regel verstoßen. „Wir planen, die Namen der Einrichtungen zu veröffentlichen, die christliche Symbole aus Anlass der christlichen Feste aufstellen und zu einem Boykott gegen sie aufzurufen“, zitiert die Zeitung Jedijot Achronot jene Lobby.

Auch die Stadtrabbiner von Jerusalem gehen gegen solche „christlichen Symbole“ vor und drohen den Restaurants und Hotels, die Koscher-Urkunden zu nehmen. Fromme Juden meiden Gaststätten ohne eine solche Urkunde, sodass ein Verstoß gegen den Willen der Rabbiner erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben kann, obgleich die Speisen genauso koscher vorbereitet werden.

Und ich finde es gut, dass es zunehmend wieder mehr Menschen und Institutionen gibt, die den kulturellen Mischmasch einschränken. Denn auch dieses ganze X-mas-Getue (das ja mit der christlichen Weihnacht nur bedingt zu tun hat) ist eine Form des Kolonialismus. Nicht mit Waffen, aber mit zweifelhafter Kultur – die noch dazu am Ende gegen grundlegende religiöse Dogmen verstößt. Und das ist in meinen Augen der Hintergrund für beide angeführten Fälle, denn dieses Dogma teilen Judentum und Islam: das der Einheit, der Einzigartigkeit Gottes, im islamischen das Prinzip des Tawhid.

Die Feier der Geburt dessen, der vom Christentum als „Sohn Gottes“ betrachtet wird, ist für Muslime – und wohl auch für Juden – schlicht blasphemisch. Eine Beteiligung daran, ein Gutheißen, wird von vielen ernsthaften Muslimen als Sünde angesehen – und das gegen eines der höchstrangigen islamischen Rechtsgüter. Da bin auch ich kompromisslos.

Bei Qaradawi war ich von Anfang an überzeugt, dass mit der ihm in den Mund gelegten Aussage etwas nicht stimmen konnte – denn ich habe mich noch vor wenigen Jahren sehr über ihn geärgert, als er es für zulässig hielt, dass Muslime Weihnachtsglückwünsche aussprechen. Das halte ich für verfehlt, weil ich nicht guten Gewissens jemandem gratulieren kann, der etwas tut, das in meiner Religion zu den größten Sünden gehört. Vor ca. einem Jahr hat man mich dafür auch fürchterlich gescholten – aber es gilt noch immer: da stehe ich und kann nicht anders.

Gaza – und die deutsche Presse

Ich habe eben – genau wie gestern abend – nach Nachrichten über den Konvoi für Gaza gesucht. Auf deutsch? Fehlanzeige, sorry. Wer etwas findet, bitte als Kommentar den link posten.

Das sind dann die Gelegenheiten, wo ich mich frage, was sonst noch so passiert, ohne dass wir etwas darüber erfahren.

Der Konvoi wird weiterhin von Ägypten behindert, so, wie es Al-Jazeera berichtet, soll er von Aqaba um die Sinai-Halbinsel durch den Suez-Kanal und dann über El-Arish nach Gaza verschifft werden – wenn es nach den Ägpytern geht. Das ist ein Riesenumweg.

Der Konvoi besteht aus 210 Fahrzeugen, gefüllt mit dringend benötigten Hilfsgütern, Spenden aus europäischen und arabischen Ländern sowie aus der Türkei.

In memoriam – 26.12.2004

Es gibt Daten, die man so leicht nicht vergisst. Heute jährt sich der große Tsunami in Asien zum 5. Mal.

Al-Jazeera brachte in den letzten Tagen schon mehrere Artikel zum Thema, heute auf der Frontseite ebenfalls ein längerer Text, auch über die in der Zeit seither getroffenen Maßnamen.

Außerdem ein Video über die Lektionen aus der Kathastrophe: