Sarrazin – mal wieder

Irgendetwas muss Herrn Sarrazin an einem Stück Stoff doch sehr stören. Nachdem er sich neulich schon mit der Wortschöpfung „Kopftuchmädchen“ (wäre auch ein Vorschlag für das Unwort des Jahres) unmöglich machte, legt er heute nach:

Laut „Bild“-Zeitung forderte Sarrazin, der jetzt Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank ist, auf einer Podiumsdiskussion in Berlin ein Kopftuch-Verbot für muslimische Schülerinnen. Sarrazin sagte wörtlich: „Ich würde Kopftücher im Unterricht untersagen. Sie sind kein religiöses Symbol, sondern ein politisches. Ein Symbol des Machtanspruches des Mannes über die Frau.“

Zur besseren Integration forderte Sarrazin laut Zeitung: „Erstens den Zuzug begrenzen. Zweitens diejenigen, die da sind, unter Integrationsdruck setzen. Politik und Gesellschaft müssen eine Erwartungshaltung herstellen.“ Zudem würde er „darauf bestehen, dass man Deutsch redet.“

Na klasse. Er möchte also mal wieder auf den schwächsten Gliedern der muslimischen Community, nämlich den muslimischen Mädchen, rumtrampeln. Als ob die es nicht schon schwer genug hätten – Dauerdruck in der Schule, bei Praktika, bei der Berufswahl, auf der Straße – und das alles jetzt noch mit mehr gesellschaftlicher Billigung.

Auch wenn das anderswo einfach als „Sarrazins neueste Sprechblase“ abgetan wird – der Effekt seines letzten Rundumschlags hat durchaus Langzeitwirkung, und in Verbindung mit dem erfolgreichen Minarettverbot in der Schweiz fühlt er sich natürlich auf sicherem Boden, wenn er jetzt in diese – von mir nicht unerwartete – Richtung schlägt.

Ich würde mir wünschen, dass aus Protest ab morgen nicht ein einziges muslimisches Mädchen mehr OHNE Kopftuch zur Schule geht … aber da sind zu viele muslimische Eltern schon viel zu eingeschüchtert. Leider.

3 Antworten

  1. Glauben Sarrazin und Co wirklich, dass „Integrationsdruck“ Integration bewirkt? Und nicht das Gegenteil?

    Mein Instinkt sagt mir: Ich integriere mich doch nicht in eine Gemeinschaft, die mir feindlich gesinnt ist!

    Und mein Instinkt sagt mir: Wer heutzutage ausgrenzen will, greift gern zu einer Verschleierungstaktik. Man kann es natürlich auch offen machen wie Wilders und ganz direkt Assimilation bzw. Rausekeln anstreben. Man kann aber auch verdeckt vorgehen und Integrationsforderung nennen, was praktisch auf Rausekeln oder Rausterrorisieren hinausläuft.

  2. […] soll dieser Meinung nach durch staatliche Diskriminierung verschärft werden. Das Blog Alien in Europe zitiert und kommentiert Sarrazin dazu: „Ich würde Kopftücher im Unterricht untersagen. Sie sind […]

  3. Und Sarrazin findet natürlich jede Menge Beifall bei PI. Diese Idee eines Kommentators:
    „#15 punctum (13. Dez 2009 21:09) Warum hat noch niemand ein

    Volksbegehren “Kopftuchfreie Schule” in Bayern

    angeregt? Das Thema wäre im Handumdrehen in der Themen-Hitparade der Medien auf Platz Eins. Man könnte sich auf Sarrazin (SPD) berufen, der bekanntlich eine Zustimmung von über 50 % der Bevölkerung hat!

    PI München
    PI Nürnberg
    PI Unterfranken
    PI Augsburg
    PI Regensburg
    BPE, Landesverband Bayern

    und etliche andere islamkritische Organisationen und Persönlichkeiten könnten sich zu einer Aktionseinheit zusammenschliessen und das Volksbegehren initiieren!

    Auf geht’s: pack mer’s!“

    http://www.pi-news.net/2009/12/alfred-schier-im-dialog-mit-henryk-m-broder/#more-105098

    bereitet mir echt Übelkeit. Ich denke an ganz viele liebe fleißige Mädchen, denen auch nur der Versuch eines solchen Volksbegehrens die Schule verleiden würde.

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