Jugendämter und türkische Kinder

Erfreulicher Weise nimmt sich die türkische Presse dieses Themas an. Ich hoffe sehr, dass einige Fälle weiterverfolgt werden, da man in Deutschland trotz internationaler Kritik, insbesondere an der mangelnden Aufsicht über die Jugendämter, das Thema mangels öffentlichen Interesses selten behandelt.

So war heute im Pressedienst zu lesen:

Rechtswidrige Praktiken der Jugendämter
Die ZAMAN veröffentlich ein Dossier über die Jugendämter in Deutschland. Es werden über Unzulänglichkeiten, Falschentscheidungen bis hin zu rechtswidrigen Praktiken in den Jugendämtern hingewiesen. Durch die Jugendämter in Obhut genommene Kinder würden etwa oft einem übermäßigen Alkoholkonsum verfallen. Das werde von vielen Mitarbeitern der Jugendämter jedoch nicht problematisiert. Jeder Jugendamtsmitarbeiter habe ohnehin ein anderes Verständnis vom Kindeswohl. Es sei in diesem Zusammenhang auch ein Problem, dass keine hinreichenden Kontrollmechanismen bestehen. Betroffene müssten mit jahrelangen Rechtsverfahren rechnen, wenn sie Entscheidungen bze. Einschätzungen der Jugendämter widersprechen.

Die SABAH gibt hierzu ein Einzelschicksal wieder. Eine alleinerziehende türkischstämmige Mutter habe für die Zeit ihres Krankenhausaufenthalts ihren Sohn für eine Woche in Obhut des Jugendamts gegeben. Das Jugendamt habe aber entschieden, dass es auch danach besser für das Kindeswohl sei, wenn es nicht zur Mutter zurückkehrt. Die verzweifelte Mutter könne seit einem Jahr ihren Sohn nur einmal im Monat für wenige Stunden sehen.

Erst kürzlich las ich in einer deutschsprachigen Publikation, dass man sich bemühe, mehr Pflegeeltern aus Migrantenfamilien zu bekommen. Migranten seien bislang bei der Jugendamtsklientel unterrepräsentiert – erst bei den älteren Mädchen ändere sich dies. Letzteres erstaunt mich nicht – leider höre ich immer wieder von Fällen, wo Jugendamtsmitarbeiter schnellstens bereit sind, muslimische Mädchen in Wohnprojekte zu vermitteln, weil diese ihren Pubertätsfrust passend zum deutschen Umfeld in angebliche zu strenge religiöse Erziehung zu verpacken verstehen. Desaströs für die Mädchen, die ein Leben ohne Familie, wie sie es sich damit einhandeln, überhaupt nicht kennen und durch ihre Sozialistation mit der gesellschaftlichen Einsamkeit kaum fertig werden können.

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Auch in Österreich – nichts wirklich Freundliches

In Österreich haben FPÖ und BZÖ schon seit längerem Wahrergebnisse, von denen andere rechte Parteien in Europa meist nur träumen. Nicht von ungefähr, auch bei Umfragen zu Themen wie Zuwanderung oder kulturelle Vielfalt zeigt sich, dass eine große Zahl von Österreichern davon nicht viel hält – vor allem dann nicht, wenn man das auch noch SIEHT!

Irene Brickner fasst das in einem Artikel ihres interessanten blogs im Standard-online so zusammen:

Zuwanderung? Bitte sehr, wenn es denn sein muss – vor allem, wenn es uns wirtschaftlich etwas bringt. Aber wenn schon, dann so, dass man es nicht merkt: So könnte man diese Meinungsmischgulanz zusammenfassen. Laut GfK-Chef Rudolf Bretschneider hat sie in Österreich Tradition, wobei jedoch seit Mitte der 1990er-Jahre die „kulturelle Offenheit“ massiv abgenommen habe: 1994 meinten 68 Prozent, dass „Ausländer ihren Lebensstil ein bisschen besser an jenen der Inländer anpassen“ sollten, 2008 war diese Mehrheit noch weiter angeschwollen, auf 80 Prozent.

Und in Österreich ist man auch im Alltag oft gar nicht zimperlich mit den Worten – die nun langsam, zuerst im Fremden- und Asylrecht, immer mehr in die Tat umgesetzt werden. Gesetzesentwürfe der FPÖ/BZÖ zu einschlägigen Themen dürften nicht lange auf sich warten lassen. Moscheebau ist gerade in Kärnten, ja ohnehin schon fast am Ende.

Ich fand nur einen Punkt in Frau Brickners Text, der mich etwas enttäuscht: auch sie sieht Islam immer noch hauptsächlich im Zusammenhang mit Ausländern – daher deklariert sie all dies als Zunahme von Ausländerfeindlichkeit. Dass dies auch die nicht ganz unerhebliche Zahl von Muslimen trifft, die eben keine Ausländer – mehr  – sind, und es sich ganz schlicht um Islamophobie handelt, ist bei ihr noch nicht angekommen, wie es scheint.

Sarrazin – mal wieder

Irgendetwas muss Herrn Sarrazin an einem Stück Stoff doch sehr stören. Nachdem er sich neulich schon mit der Wortschöpfung „Kopftuchmädchen“ (wäre auch ein Vorschlag für das Unwort des Jahres) unmöglich machte, legt er heute nach:

Laut „Bild“-Zeitung forderte Sarrazin, der jetzt Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank ist, auf einer Podiumsdiskussion in Berlin ein Kopftuch-Verbot für muslimische Schülerinnen. Sarrazin sagte wörtlich: „Ich würde Kopftücher im Unterricht untersagen. Sie sind kein religiöses Symbol, sondern ein politisches. Ein Symbol des Machtanspruches des Mannes über die Frau.“

Zur besseren Integration forderte Sarrazin laut Zeitung: „Erstens den Zuzug begrenzen. Zweitens diejenigen, die da sind, unter Integrationsdruck setzen. Politik und Gesellschaft müssen eine Erwartungshaltung herstellen.“ Zudem würde er „darauf bestehen, dass man Deutsch redet.“

Na klasse. Er möchte also mal wieder auf den schwächsten Gliedern der muslimischen Community, nämlich den muslimischen Mädchen, rumtrampeln. Als ob die es nicht schon schwer genug hätten – Dauerdruck in der Schule, bei Praktika, bei der Berufswahl, auf der Straße – und das alles jetzt noch mit mehr gesellschaftlicher Billigung.

Auch wenn das anderswo einfach als „Sarrazins neueste Sprechblase“ abgetan wird – der Effekt seines letzten Rundumschlags hat durchaus Langzeitwirkung, und in Verbindung mit dem erfolgreichen Minarettverbot in der Schweiz fühlt er sich natürlich auf sicherem Boden, wenn er jetzt in diese – von mir nicht unerwartete – Richtung schlägt.

Ich würde mir wünschen, dass aus Protest ab morgen nicht ein einziges muslimisches Mädchen mehr OHNE Kopftuch zur Schule geht … aber da sind zu viele muslimische Eltern schon viel zu eingeschüchtert. Leider.