Es weihnachtet mal wieder

Letztes Jahr um diese Zeit bin ich wegen einer Diskussion darüber, ob muslimische Kinder vom Weihnachtskram ferngehalten werden dürfen/sollen, fast aus einem Forum geflogen. Ich bin nämlich eine ganz böse Fundamentalistin. Um so mehr amüsierte ich mich, als ich gerade bei hagalil stöberte und diesen Artikel fand:

Konkret sieht das dann so aus: Frau Müller, die nette, ältere Dame aus dem Haus gegenüber klingelt Mitte November und steht mit drei Schokolade gefüllten Adventskalendern vor der Tür: „Hier Frau Ambs, die sind für Ihre Kinder. Sie feiern doch kein Advent, aber die armen Kinder brauchen doch sowas! Und schauen Sie doch mal den hübschen Nikolaus auf dem Bild! Der war doch auch Jude wie Sie!“

Ich erkläre ihr, dass der Nikolaus Türke war und nicht Jude und dass das rotbemäntelte Wesen auf dem Adventskalender nicht der Nikolaus, sondern der Weihnachtsmann von CocaCola ist. Leider zieht sie nicht beleidigt ab. Ganz im Gegenteil. Sie ist begeistert. Sie hat nämlich noch zwei Adventskalender gekauft für die Töchter von der Hülia aus dem 3. Stock und ist sich nun sicher, dass sich die Moslemkinder noch mehr freuen werden, wenn sie hören, dass der Nikolaus auch ein Moslem war.

Einen Moment überlege ich, ob ich ihr nun erklären soll, dass ihr Nikolaus zwar Türke, nicht aber Moslem ist, aber da sie so glücklich ist über den türkischen Nikolaus schweige ich und lass ihr die Freude. Schließlich ist bald Weihnachten. Also bedanke ich mich und nehm die drei Kalender mit rein.

Ende November trifft es uns dann erneut. Diesmal steht Frau Krögel-Meifeld vor der Tür. In der Hand einen Adventskalender. „Wir wollten Ihnen diesen Kalender schenken, damit auch bei Ihnen ein bißchen vorweihnachtliche Stimmung einzieht! Ihre Kinder kennen ja diese schöne Tradition sicher gar nicht und da dachten wir, Sie sollen halt auch was davon haben! Man muss bis Weihnachten jeden Tag ein Türchen öffnen. Aber immer nur eins – die Nummern stehen drauf“ Gut, denke ich, bedanke mich höflich und esse den gesamten Kalender leer, bevor die Kinder aus der Schule kommen.

Interessant sind auch die Kommentare – nein, ich war nicht beteiligt. Aber einen fand ich richtig gut:

Mishehu

nett gemeinte FreundlichkeitNur weil es als nett gemeinte Freundlichkeit gemeint war, bedeutet es noch lange nicht, dass sie als solches angenommen werden muss. Aber darauf scheinen Nichtjuden ja geradzu verbissen zu bestehen.

Es kann doch sein, dass es einem (religiösen) Juden aus seinem Glauben heraus verboten ist, diese Nettigkeiten anzunehmen. Nur weil die meisten Nichtjuden alles in sich hineinstopfen und alles mal ausprobieren (müssen), bedeutet es nicht, dass es ihre nichtchristlichen Nachbarn auch tun müssen.

Danke. Wenn ich sowas sage, ist das ganz gräßlich, daher bin ich froh, wenn das von jemand anderem kommt.

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