Fragliches Kindeswohl – im Sinne der Koalition

Nachdem ich nun den ersten Artikel zum Kindeswohl vor ein paar Tagen hier eingestellt hatte, las ich nun dies:

„Droht wegen mangelnder Deutschkenntnisse der Eltern eine Beeinträchtigung des Kindeswohls, soll“ nach dem Willen der schwarz-gelben Regierungskoalition „zukünftig schon aus diesem Grund eine Verpflichtung zur Teilnahme am Integrationskurs möglich sein.“

http://www.migazin.de/2009/11/23/beeintrachtigung-des-kindeswohls-wegen-mangelnder-deutschkenntnisse-der-eltern/#identifier_0_9431

Prima – und was kommt als Sanktion, wenn das dann doch nicht klappt? Langsam wird mir diese unselige Verquickung von Integration und „Kindeswohl“ mehr als unheimlich. Zwei Gummibegriffe, die Eingriffe in Grundrechte rechtfertigen sollen.

Zwar nimmt gerade das MIGAZIN diese Idee mit einer Karikatur hier gekonnt auf die Schippe, aber wirklich lachen kann ich nicht darüber.

Gerade in Zeiten, wo sich bereits polnische Elternteile bei der EU beschweren, dass Jugendämter ihnen beim Umgangsrecht Probleme wegen des Gebrauchs der polnischen Sprache machen, sollte man, so grauslich das auch ist, diese angefangenen Gedanken mal zu Ende denken – und sich bereits gegen Anfänge wehren, auch wenn die noch so wohlwollend verpackt sind.

 

Unerwünscht

45 % der in Deutschland lebenden Türken fühlen sich unerwünscht, 42% denken über eine Rückkehr in die Türkei nach – ergibt sich aus einer neuen Studie, die der Focus bespricht. Wobei ich mich frage, ob in der befragten Gruppe nur Türken ohne deutschen Pass befragt wurden – nur mal am Rande.

Wie unerwünscht sie sind, lässt sich auch gut an vielen der Kommentare zu diesem Focus-Artikel ablesen.

Lediglich einer fiel wirklich aus dem Rahmen:

TropikZone |  107 Kommentare (19.11.2009 16:37)

Deutsche Werte
bevor man jemanden zwingt, die Werte anderer anzunehmen, muss man sie den anderen vorleben, zeigen, was die deutschen Werte sind. Die Menschen kommen her und sehen, dass es in Deutschland keine Werte gibt, deshalb bleiben Sie beim alten, gewohnten. Deutschland muss sich erstmal selber finden, was für Werte es hat. Die Liberalen und konservativen haben andere Anschauungen, bei einer bayrischen Familie sind die Werte anders bei einer Kölner Familie. Was sind denn die Werte, die die Menschen hier annehmen müssen, ist es das Grundgesetz, ist es das Familiengefühl (wovon türkische Familien sicher nicht wenig haben), ist es die Kultur (Welche Kultur, Bach, Mozart oder Tokyo Hotel?) Deutschland hat ein großes Problem mit sich selber. Werte muss man vermitteln.
Andererseits räumte diese Studie wohl ganz nebenbei mit dem Mythos auf, die Türken in Deutschland seien konservativer als die in der Türkei:
Auch bei ihren Wertvorstellungen stehen die hier lebenden Türken oft zwischen den beiden Kulturen, teils sind sie in ihrer Meinung näher an den Türken in der alten Heimat als an den Deutschen, wie es weiter hieß. So sagten nur neun Prozent der Deutschen, dass Kindererziehung Frauensache sei. Unter den türkischen Migranten waren es 32 Prozent, unter den Türken in der Türkei 52 Prozent.

Ein Zusammenleben von Mann und Frau vor der Ehe lehnen acht Prozent der Deutschen ab, aber 47 Prozent der Türken in Deutschland und 67 Prozent der Türken in der Türkei. Beim vorehelichen Sex der Frau sind es den Angaben zufolge sieben Prozent der Deutschen, 56 Prozent der Türken in Deutschland und 84 Prozent der Türken in der Türkei. Vor wichtigen Entscheidungen fragen 66 Prozent der Deutschen die Familie um Rat, aber 84 Prozent der Türken in Deutschland und 88 Prozent der Türken in der Türkei.

Religiöse Vorbehalte

Wie die Autoren weiter berichteten, fänden es 28 Prozent der Deutschen unangenehm, wenn ein gläubiger Moslem in ihre Familie einheiraten würde. Dagegen fänden es 40 Prozent der türkischen Migranten und 63 Prozent der Türken in der Türkei unangenehm, einen gläubigen Christen in die Familie aufnehmen zu müssen.

Diesem Gerücht sagen wir mal also ganz schnell bye, bye….

Ein palästinensischer Staat?

Nach Netanjahus Weigerung, die rechtswidrige Zersiedlung palästinensischer Gebiete zu stoppen, geht den Palästinensern sichtlich die Geduld aus. Sie überlegen laut, die UN um Anerkennung eines palästinensischen Staates zu bitten. Das würde eine neue Lage bedeuten, wohl auch mehr Rechte, deren Verletzung Israel internationale Schwierigkeiten bereiten würde. Aber, klar, die USA und wohl auch die EU winken schon ab, bevor der Antrag an die UN raus ist – sie würden einen solchen Staat nicht anerkennen.

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?c=Article_C&cid=1258445676215&pagename=Zone-English-News/NWELayout

Eines schönen Morgens, vielleicht….

Fragliches Kindeswohl

Immer wieder hat es Länder und Zeiten gegeben, wo sich Menschen anmaßten, zu bestimmen, wie Kinder erzogen werden sollen und sie zu diesem Zweck ihren Eltern wegnahmen.

Der Spiegel beschreibt heute ein besonders trauriges Beispiel – 7000 Kinder, die von England aus im 20. Jahrhundert nach Australien und Kanada verschleppt wurden. Angeblich, damit es ihnen besser gehe, tatsächlich viele aber zu Ausbeutung und Misshandlung.

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/5535/_wir_brauchen_euch_zum_erhalt_der_weissen_rasse.html

Kanada hatte mit solchen Praktiken ja Erfahrung – bis 1970 bestanden die Internate, in denen Kinder von Inuit und Indianern zwangsweise ihre Muttersprache und -kultur aberzogen wurden. Auch in Australien hatte man diese Zwangsform von Assimiliation ausprobiert. Immer mit dem Überlegenheitsgefühl der weißen Rasse – diesmal mit dem der Bessergestellten gegenüber den „sozial Minderen“.

In Deutschland gab es einiges auf diesem Gebiet an Kindeswegnahme im Dritten Reich und Zwangsadoptionen in der DDR – alles noch längst nicht aufgearbeitet.

Wenn ich dann Überlegungen mancher Blogger und Kommentatoren lese, möglichst muslimische Kinder früh in Institutionen einzugliedern, um sie entgegen ihrer Kultur und oft auch ohne ihre Muttersprache zu erziehen, fallen mir durchaus Parallelen ein. Schlimmer noch, wenn ich sehe, wie Jugendämter Kinder aus Eltern-Kind-Konflikten herausnehmen, weil sie die Kultur und Erziehung der Eltern ablehnen, Teenager damit vollends entwurzeln. Aber damit hat man dann ein assimiliertes Kind mehr, klar. Ein Kind ohne Familie, ohne Wurzeln – aber natürlich „frei“.

Keine fröhlichen Gedanken heute, an diesem ersten Tag des Pilgermonats….

 

Profiteure….

…gibt es ja immer.

Und gerade nun, in den Zeiten der Schweinegrippe wird erfreulicherweise doch öfter mal hinterfragt, wem denn das alles nützt. Ich frage mich seit der Vogelgrippe, was diese neuartige Hysterie soll – wenn man nämlich die Zahl der Grippetoten der früheren Jahre, in denen nie so viel darüber publiziert, diskutiert und aufgebauscht wurde, vergleicht, sehe ich noch keinen rechten Grund.

Aber manchen freuts halt, vor allem, wenn er die richtigen Aktien hat und dann große Vorräte des von der Aktiengesellschaft produzierten Grippemedikaments überall vorsorglich geordert werden müssen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,382714,00.html

Ach nee, der Herr Rumsfeld… den kennen wir doch noch?

 

„Die ethnische Säuberung Palästinas“

… heißt ein Buch des israelischen Historikers Ilan Pappe, für das er in seiner Heimat scharf kritisiert wird. Kein Wunder, denn er vertritt die Meinung, dass die Gründung Israels nur durch die Vertreibung der Palästinenser möglich gewesen sei.

Er ist jedoch ein anerkannter Historiker, insofern wird man sich ernsthaft mit seinen Ausführungen auseinandersetzen müssen. Ich hoffe jedenfalls, dass man das in Israel tun wird. In Deutschland wurde zunächst versucht, ihn durch Absage der für einen Vortrag vorgesehenen Räume mundtot zu machen:

„Schon vor Wochen hatte der „Salam Shalom – Arbeitskreis Palästina/Israel“ Räume im Pädagogischen Institut der Stadt München gebucht.

Dennoch zog das zuständige Schulreferat die Genehmigung am Morgen vor dem geplanten Auftritt zurück. So sprach Pappe am vergangenen Wochenende in den eilig organisierten Räumen eines Bildungsvereins. Es kamen über 100 Zuhörer.“

http://www.taz.de/regional/nord/bremen/artikel/?dig=2009%2F10%2F30%2Fa0094&cHash=c9004acd0d

Meinungsfreihheit?