Unterrichtsverbot für den Weihbischof? – und was hat das mit Parallelgesellschaften zu tun

Es geht um den neuen Weihbischof von Linz, dessen Ernennung dem Papst ja auch aufs Sündenregister geschrieben wird. Der soll sich gegen die Einsetzung von Ministrantinnen gewendet haben.

Zu diesem Thema, aber vor allem aber zum Thema Parallelgesellschaften veröffentlichte heute der Standard ein Interview mit der Migrationsforscherin Herzog-Punzenberger, das ich wirklich mit Schmunzeln las:

„Parallelgesellschaften kenne Österreich ganz gut, sagt Migrationsforscherin Barbara Herzog-Punzenberger – und zwar vom rot-schwarzen Proporzsystem, als sich Christlichsoziale und Sozialdemokratie nicht nur den Zugang zur Macht, sondern auch Bergwandervereine und Autofahrerclubs fein säuberlich nach Gesinnung aufteilten. Bei den türkischen Zugewanderten kann Herzog-Punzenberger keine Parallalgesellschaft erkennen. Und wer darüber klagt, dass „die Türken unter sich bleiben“, solle sich fragen, wie sehr er/sie selbst daran interessiert ist, mit dem türkischen Nachbar in regem Austausch zu stehen. Was den islamischen Religionsunterricht betrifft, verweist die Wissenschafterin auf den neuen Linzer Weihbischof, der sich jüngst gegen weibliche MinistrantInnen ausgeprochen hatte: „Kriegt der Weihbischof auch Unterrichtsverbot?“, fragt Herzog-Punzenberger.“

Das gesamte Interview ist lesenswert, gerade die Eingangsfrage und -antwort freuten mich aber besonders:

derStandard.at: In Deutschland sorgte jüngst eine Studie über türkische Zuwandererfamilien für Aufsehen: Selbst in der dritten Generation blieben Türkischstämmige unter sich, identifizierten sich immer noch mit der Türkei, obwohl sie das Land kaum kennen. Wie beurteilen Sie das?

Herzog-Punzenberger: Interessant ist, dass man die Türken immer herausstellt. Wenn ich sage, dass die italienischen Zuwanderer in Deutschland bei der Bildung noch schlechter abschneiden als die Türken, dann will das keiner hören, denn das ist eine katholische Gruppe aus einem EU-Land. Also fasst man sie als „Südeuropäer“ mit den viel erfolgreicheren Spaniern und Griechen zusammen, und hat sie damit unauffällig gemacht. Es ist irrsinnig praktisch, die Türken herauszugreifen – schließlich sind sie die größte und sichtbarste Gruppe.

Viel Spaß beim Rest.

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