Thailand – kein Lächeln im Land des Lächelns

„Land des Lächelns“ wird Thailand ja in der touristischen Werbung gerne genannt. Das Lächeln zeigt man aber nur den zahlenden Touristen. Mit anderen Nicht-Thailändern ist der Umgang erheblich rüder. So häufen sich in den letzten Tagen die Meldungen über die gewaltsame Zerstörung von Flüchtlingslagern, das Zurückschleppen von Bootsflüchtlingen auf das Meer, wo diese umkommen, etc. Erst kürzlich las ich in einem Forum einen Hilferuf für einen dort lebenden Deutschen, der zwei Kinder mit einer Frau hat, die – wenn ich mich nicht irre, aus Burma – als Flüchtling nach Thailand kam. Nun wird er wegen Arbeitslosigkeit das Land verlassen müssen, da aber seiner Frau keinerlei Papiere ausgestellt werden, haben die Kinder, die ja eigentlich Deutsche sind, keine Geburtsurkunden. Daher will die deutsche Botschaft ihnen keine Pässe ausstellen, der Mutter kein Visum geben… Die Schreckensvision ist in diesem Fall: er muss das Land verlassen, Frau und deutsche Kinder erst ins Flüchtlingslager, schlimmstenfalls zwangsweise über die Grenze. Mir grausts.

Die größte Verantwortung trägt natürlich der Verfolgerstaat Burma an dieser Misere: Burma verfolgt seine Minderheiten gnadenlos:

„Den gut 700.000 muslimischen Rohingyas spricht die buddhistische Junta etwa das Recht ab, überhaupt in Burma leben zu dürfen. Sie sind staatenlos und als menschliches Freiwild deshalb ständigen Übergriffen durch die Militärs ausgesetzt. Viele der mehr als 230.000 Rohingyas, die in Flüchtlingslager in Bangladesch dahinvegetieren, sagen, sie würden lieber sterben, als jemals wieder nach Burma zurückzukehren.

Dabei sind die Muslime aus dem Westen Burmas bei weitem nicht die einzige Minderheit, der eine Ausrottung durch Burmas Generäle droht. Auch das überwiegend christliche Chin-Volk, dessen gut 500.000 Angehörige im unzugänglichen Nordwesten Burmas an der Grenze zu Indien leben, ist ständig von Folter und Misshandlungen bedroht. Nach einem gerade erschienenen Bericht der Menschenrechtsgruppe „Human Rights Watch“ (HRW) sind allein in den vergangenen Jahren mehr als 100.000 Chin nach Indien geflüchtet.

Drei Jahrzehnte lang hatten sich die überwiegend christlichen Karen erfolgreich gegen die Ausrottungspolitik der Generäle in Rangun gewehrt. Es war ein grausamer Kampf, von dem die Welt nie viel mitbekommen hat. Doch ganze Dörfer wurden bei den Kämpfen ausradiert. Mehr als zwei Millionen Minen liegen heute in dem Kampfgebiet. Auf beiden Seiten erledigten häufig Kindersoldaten die Drecksarbeit des hässlichen Krieges. Und immer wieder setzten Burmas Soldaten Vergewaltigungen und ethnische Säuberungen als niederträchtige Waffe zur Demoralisierung ihrer Gegner ein.

Doch jetzt verfügen die Generäle von Burmas Armee über moderne Waffen aus China, Indien, Russland und der Ukraine. Es ist deshalb nur noch eine Frage von wenigen Tagen oder Wochen, bis auch die letzte Bastion der KNU gefallen ist.

Röggla von „Helfen ohne Grenzen“ hat schon resigniert. „Das Volk der Karen steht am Abgrund“, sagt er. Denn er weiß, dass bald wieder Zehntausende verfolgter Burmesen nach Thailand flüchten werden – dorthin, wo schon jetzt klar ist, dass sie niemand haben will.“

Hoffentlich wird das jetzt so publik, dass Thailand es sich nicht leisten kann, die Hilfesuchenden wieder in den Tod zu schicken. Besser wäre noch, es würde mal etwas gegen Burmas Junta unternommen – aber Burma hat wohl kein Erdöl?

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