Islam als Integrationshindernis?

Bei PK schreibt ein PI-Kommentator:

Ich persönlich glaube auch, dass der konservativ gelebte Islam für die Integrationsschwierigkeiten zur Verantwortung zu ziehen ist.

Das sehen viele so. Stimmt das aber? Was sind denn die bewussten Integrationsschwierigkeiten? Und: welche Integration wäre denn zu fordern? Wo fehlt es, was ist auf „konservativ gelebten Islam“ zurückzuführen?

Also – was ist Integration? Bereits darüber könnte man sicher Abhandlungen schreiben. Da das GG aber in Art. 2 weitgehende Handlungsfreiheit einräumt, die nur durch die Gesetze beschränkt wird, kann zwar die Gesetzestreue verlangt werden, alles darüber hinaus wird schon schwierig. Sanktionen für mangelhaften Spracherwerb z.B. sind, gemessen an Art. 2 GG, nur mit Umwegen rechtsstaatlich begründbar. Kann, darf Integration Forderungen bedeuten, die über das GG hinausgehen?

Welche Integrationsschwierigkeiten sind die gemeinten? Ich sage mal, schlechte Schulabschlüsse, damit verbundene Arbeitslosigkeit, hohe Jugendkriminalität, leben in Parallelgesellschaften.

Aber ist der Islam wirklich bildungshemmend und kriminalitätsfördern? das ist eine gerne kolportierte Behauptung der islamophoben Szene. Sind es denn wirklich die Jugendlichen aus Elternhäusern, wo Freizeit oft und gerne in der Moschee verbracht wird, die so aus dem Ruder laufen? Darüber gibt es keine Erhebungen. Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Gute islamische Erziehung fordert fleißigen Wissenserwerb und Arbeit, Ehrlichkeit, Respekt gegenüber anderen, gutes Benehmen etc.

Warum geht das dann so schief? Ich sehe darin eher einen MANGEL an islamischer Erziehung. Dieser begründet sich darin, dass gerade ein großer Teil der ursprünglich als Arbeiter in D einwandernden Türken einerseits aus bildungsfernen Schichten stammte, andererseits aufgrund der kemalistischen Unterdrückung des Islams auch kaum islamische Bildung hatte. Diese Eltern konnten ihre Kinder kaum wirklich islamisch erziehen, und diese Kinder ihren eigenen auch oft nicht. Später einsetzende Bildungsarbeit durch islamische Organisationen wurde und wird in Deutschland nicht anerkannt, sondern zunehmend sabotiert.

Auch die Schulen und die Gesellschaft trugen und tragen insgesamt zu der Misere bei. Die Kinder lernten, ihre Eltern sind hier nicht anerkannt. Ihre Ansichten gelten als altmodisch, fremd, unwichtig. Und das übertrugen dann viele Kinder auch auf die Grundsätze ihrer Eltern, die der deutschen Gesellschaft recht gewesen wären, wie Ehrlichkeit und Gesetzestreue (die Kriminalitätsraten der ersten Generation lagen unter den Deutschen). Warum sollte so ein Teenager auf seinen Vater hören, wenn der ihm sagt, er solle zu Hause bleiben und für die Schule lernen, wenn andererseits in der Schule klar ist, dass das, was der Vater über viele andere Dinge sagt, dort für völlig abseitig gehalten wird? Ja, wenn sogar der Lehrer einen Hausbesuch macht, um die Eltern davon zu überzeugen, dass die Meinung der Schule gilt, und nicht die der Eltern? Kinder differenzieren da nicht, und zu viele Schulen haben die Autorität der Eltern massiv untergraben. Deutsche Wert- und Verhaltensmaßstäbe wurden jedoch nicht so ausreichend vermittelt, dass es diesem Problem abgeholfen hätte.

Aber „der Islam“ ist hier nicht schuld.

Ich weiß, dies ist eine pauschalierende Darstellung. Das ist dem Medium geschuldet, ein Blogartikel ist nun mal keine Dissertation.

Dann kommt die Frage nach den Parallelgesellschaften. Sind diese denn gesetzwidrig? Ist es verboten, ausländische Waren in Geschäften zu verkaufen, Fremdsprachen zu sprechen,  – und ist dies nur bei Muslimen so? Es gibt in Deutschland diverse Parallelgesellschaften, die nie thematisiert werden – die der Japaner, der Reichen… Aber die muslimische Parallelgesellschaft stört. Daher gibt es viele teils gut gemeinte, teils wirklich störende Versuche, sie aufzulösen. Das aber rutscht dann oft in Richtung Assimilationsdruck ab, und da wird dann der Kampf gegen die Parallelgesellschaft in meinen Augen rechtswidrig.

Dem deutschen GG würde es entsprechen, auch Minderheiten ihre Eigenheiten zu belassen, solange diese nicht gegen Gesetze verstoßen – allerdings würde das einschließen, dass man nicht schnell die Gesetze anpasst, um die Muslime ins Unrecht zu setzen (s. Kopftuch für Lehrerinnen!). In den achtziger und frühen neunziger Jahren gab es etliche obergerichtliche Entscheidungen, die dieses Prinzip gut umsetzten. Heute ist dann die Politik mit der Justiz nicht zufrieden, und sorgt dafür, dass das nächste Urteil wie gewünscht ausfällt…

Für heute belasse ich es dabei, bin auf Reaktionen gespannt und fordere:

MEHR ISLAMISCHE ERZIEHUNG!


Eine Antwort

  1. Unsere ganze Gesellschaft ist durchzogen mit Parallelgesellschaften und damit meine ich nicht nur ganze Familien, Straßenzüge und Stadtteile mit türkischen Migranten die keinen Kontakt zur deutschen Bevölkerung haben.
    Nein, ich meine die oberen 10.000, die in ihren Villen leben und keinen Kontakt zur arbeitenden Schichten haben möchten.
    Ja, ich meine die Mittelschicht, die es in Deutschland noch gibt, die keinen Kontakt zu Ausländern, Obdachlosen und HartzIV-Empfängern aufbauen möchte.

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