Kinder müssen total überwacht werden…

… und dazu gibt es jetzt in Berlin die Schülerdatei mit allen wichtigen Daten und einer Nummer für jedes Kind.

Ich hatte gedacht, das Thema sei vom Tisch, aber tatsächlich hat man diese Unglaublichkeit dann doch verabschiedet. Anne Roth hat sich auf ihrem blog „annalist“ eingehender damit befasst und die Kommentatoren tun ein Übriges, um zu verdeutlichen, was man mit so einer Datei anstellen kann und was sie für Folgen haben wird.

Brrr, da wird mir kalt.

Die Herzen der Bevölkerung gewinnen….

Oder wie war das noch? Offensichtlich wissen die Amerikaner genau, wie sie das machen müssen:

Eine lange Liste von Vorfällen wird immer wieder vorgebracht. Wie dreimal in einer Woche Kommandos das Haus des Parlamentsabgeordneten Hanif Shah durchsuchten und ihn demütigend in Handschellen abführten. Wie in Koranschulen Hunde eingesetzt würden – für Afghanen eine Entweihung. Wie US-Kampfhubschrauber 14 Wächter einer im US-Auftrag tätigen Baufirma niedermachten. Sie sollen laut US-Truppen zuerst das Feuer eröffnet haben, als ihr Wagen von einem Posten gestoppt wurde. Dass im US-Stützpunkt Bagram seit Monaten zwei über 80-jährige Stammesälteste aus der Gegend festgehalten werden.

Besonders erbost hat die Khoster der Fall Doktor Bilals. Das Haus des Arztes wurde im Dezember mitten in der Nacht durchsucht. Mehrere Familienangehörige kamen ums Leben. Vor der Bevölkerung und in Anwesenheit Präsident Hamid Karsais, der persönlich kondolierte, schilderte Bilal den Hergang: „Die Amerikaner kamen ohne Warnung herein. Zuerst töteten sie einen meiner Neffen, der neben einem Gewehr schlief. Er war 14 Jahre alt. Einer meiner Brüder kam mit einer Waffe dazu. Sie schossen ihn nieder, dann auch seine Frau, die ihm gefolgt war. Dann ließen sie ihre Hunde los.“

Wenn so „Befreiung“, „Hilfe“, „Einführung von Demokratie“ aussieht – was ist dann eine Besatzungsmacht?

Nicht in ihrem Namen

Und jetzt tue ich etwas, was ich eigentlich nicht wollte: einen Artikel zum Tode Morsal O.s hier einstellen.

Vorab: ich bedauere ihren Tod und es tut mir leid, dass ihr kurzes Leben nicht schöner war. Alle sagen, sie hat es nicht verdient, zu sterben. Stimmt. Aber hat sie es verdient, dass ihr Tod jetzt von vielen Seiten, angefangen bei Ates, Cileli und wie sie alle heißen, gegen muslimische Familien verwendet wird? Wohl kaum.

Denn, sehen wir doch mal genauer hin. Was ist das für eine Familie? Vater verlor durch Trunkenheit den Arbeitsplatz, Bruder stritt mit Vater, weil er auch trinken und in Bordelle gehen wollte. Nicht gerade eine strenggläubige muslimische Familie.

Warum waren sie überhaupt hier? Nun, wenn ich der Presse glauben darf, weil der Vater bis 1992 auf Seiten der afghanischen Armee für das von den Russen eingesetzte Regime gekämpft hat. Sprich: eher ein Kommunist als ein Muslim. Eher ein Vertreter des säkularen Afghanistan denn ein Gläubiger auf dem Wege Muhammeds (saws).

Das, was ich über sein Leben in Deutschland finden konnte, spricht nicht dafür, dass er sich hier zum überzeugten Moscheegänger entwickelt hätte. Somit gehe ich mal davon aus, dass seine Kinder keinerlei islamische Erziehung genossen haben. Auch Ahmet nicht. Der, den jetzt die Presse als verurteilten Mörder, als Unmenschen, als Bestie darstellt, als Muslim, der seine Schwester wegen unislamischen Verhaltens tötete. Nur eine Gutachterin scheint genauer hingeschaut zu haben. Will ich ihn jetzt entschuldigen? Nein. Aber ein paar Anmerkungen sollten erlaubt sein.

Es ist viel darüber diskutiert worden, ob seitens der Behörden mehr für Morsal hätte getan werden können, um diesen Ausgang zu vermeiden. Tatsache ist, ihr Fall war bekannt, sie hatte Zugang zu Hilfen. Aber was war mit ihrem Bruder?

Ahmet kam nach Deutschland, als er schon zehn Jahre alt war. Vom Krieg traumatisiert, vom Vater in dessen Abwesenheit als Hüter der Familie eingesetzt. Er kam in der Schule nicht zurecht, wurde straffällig, gewalttätig. Ein von jahrelangem Krieg traumatisierter Junge, der vor allem als störend, als gewalttätig empfunden und abseits gestellt wurde. Hat irgendwann einmal ein Lehrer darüber nachgedacht, warum dieser Junge so war? Hat es irgendein Angebot für ihn gegeben, der unter den Verhältnissen zu Hause sicher auch gelitten hat? Ich bezweifele es. Bei all den vielen Ideen, die für Mädchen entwickelt werden, wie man sie von ihrer muslimischen Familie wegerziehen kann, werden meist die Jungen völlig übersehen. Hier kommt erschwerend hinzu, dass die Betreuung traumatisierter Flüchtlinge auch ein trauriges Kapitel ist, was ich gerade in diesem Fall erwähnen muss.

Vielleicht hat die Gutachterin dazu etwas gesagt, ich konnte zu diesem Thema leider nichts finden. Wenn er Glück hat, wird es ein Thema in der Revision. Denn, es tut mir leid, bei Mord kann ich dem Gericht nicht folgen. Aber das nur am Rande.

Worum es mir geht, ist, dass dieser Fall Anlass zu Diskussionen über viele Themen sein kann, sein sollte. Nicht aber über Islam und muslimische Familien. Dies hätte jede beliebige Flüchtlingsfamilie sein können, unabhängig der Konfession. Es dient weder Morsals Andenken noch einem anderen akzeptablen Zweck, ihren Tod nun auf der Seite der Islamgegner auszuschlachten.

Unterrichtsverbot für den Weihbischof? – und was hat das mit Parallelgesellschaften zu tun

Es geht um den neuen Weihbischof von Linz, dessen Ernennung dem Papst ja auch aufs Sündenregister geschrieben wird. Der soll sich gegen die Einsetzung von Ministrantinnen gewendet haben.

Zu diesem Thema, aber vor allem aber zum Thema Parallelgesellschaften veröffentlichte heute der Standard ein Interview mit der Migrationsforscherin Herzog-Punzenberger, das ich wirklich mit Schmunzeln las:

„Parallelgesellschaften kenne Österreich ganz gut, sagt Migrationsforscherin Barbara Herzog-Punzenberger – und zwar vom rot-schwarzen Proporzsystem, als sich Christlichsoziale und Sozialdemokratie nicht nur den Zugang zur Macht, sondern auch Bergwandervereine und Autofahrerclubs fein säuberlich nach Gesinnung aufteilten. Bei den türkischen Zugewanderten kann Herzog-Punzenberger keine Parallalgesellschaft erkennen. Und wer darüber klagt, dass „die Türken unter sich bleiben“, solle sich fragen, wie sehr er/sie selbst daran interessiert ist, mit dem türkischen Nachbar in regem Austausch zu stehen. Was den islamischen Religionsunterricht betrifft, verweist die Wissenschafterin auf den neuen Linzer Weihbischof, der sich jüngst gegen weibliche MinistrantInnen ausgeprochen hatte: „Kriegt der Weihbischof auch Unterrichtsverbot?“, fragt Herzog-Punzenberger.“

Das gesamte Interview ist lesenswert, gerade die Eingangsfrage und -antwort freuten mich aber besonders:

derStandard.at: In Deutschland sorgte jüngst eine Studie über türkische Zuwandererfamilien für Aufsehen: Selbst in der dritten Generation blieben Türkischstämmige unter sich, identifizierten sich immer noch mit der Türkei, obwohl sie das Land kaum kennen. Wie beurteilen Sie das?

Herzog-Punzenberger: Interessant ist, dass man die Türken immer herausstellt. Wenn ich sage, dass die italienischen Zuwanderer in Deutschland bei der Bildung noch schlechter abschneiden als die Türken, dann will das keiner hören, denn das ist eine katholische Gruppe aus einem EU-Land. Also fasst man sie als „Südeuropäer“ mit den viel erfolgreicheren Spaniern und Griechen zusammen, und hat sie damit unauffällig gemacht. Es ist irrsinnig praktisch, die Türken herauszugreifen – schließlich sind sie die größte und sichtbarste Gruppe.

Viel Spaß beim Rest.

Thailand – kein Lächeln im Land des Lächelns

„Land des Lächelns“ wird Thailand ja in der touristischen Werbung gerne genannt. Das Lächeln zeigt man aber nur den zahlenden Touristen. Mit anderen Nicht-Thailändern ist der Umgang erheblich rüder. So häufen sich in den letzten Tagen die Meldungen über die gewaltsame Zerstörung von Flüchtlingslagern, das Zurückschleppen von Bootsflüchtlingen auf das Meer, wo diese umkommen, etc. Erst kürzlich las ich in einem Forum einen Hilferuf für einen dort lebenden Deutschen, der zwei Kinder mit einer Frau hat, die – wenn ich mich nicht irre, aus Burma – als Flüchtling nach Thailand kam. Nun wird er wegen Arbeitslosigkeit das Land verlassen müssen, da aber seiner Frau keinerlei Papiere ausgestellt werden, haben die Kinder, die ja eigentlich Deutsche sind, keine Geburtsurkunden. Daher will die deutsche Botschaft ihnen keine Pässe ausstellen, der Mutter kein Visum geben… Die Schreckensvision ist in diesem Fall: er muss das Land verlassen, Frau und deutsche Kinder erst ins Flüchtlingslager, schlimmstenfalls zwangsweise über die Grenze. Mir grausts.

Die größte Verantwortung trägt natürlich der Verfolgerstaat Burma an dieser Misere: Burma verfolgt seine Minderheiten gnadenlos:

„Den gut 700.000 muslimischen Rohingyas spricht die buddhistische Junta etwa das Recht ab, überhaupt in Burma leben zu dürfen. Sie sind staatenlos und als menschliches Freiwild deshalb ständigen Übergriffen durch die Militärs ausgesetzt. Viele der mehr als 230.000 Rohingyas, die in Flüchtlingslager in Bangladesch dahinvegetieren, sagen, sie würden lieber sterben, als jemals wieder nach Burma zurückzukehren.

Dabei sind die Muslime aus dem Westen Burmas bei weitem nicht die einzige Minderheit, der eine Ausrottung durch Burmas Generäle droht. Auch das überwiegend christliche Chin-Volk, dessen gut 500.000 Angehörige im unzugänglichen Nordwesten Burmas an der Grenze zu Indien leben, ist ständig von Folter und Misshandlungen bedroht. Nach einem gerade erschienenen Bericht der Menschenrechtsgruppe „Human Rights Watch“ (HRW) sind allein in den vergangenen Jahren mehr als 100.000 Chin nach Indien geflüchtet.

Drei Jahrzehnte lang hatten sich die überwiegend christlichen Karen erfolgreich gegen die Ausrottungspolitik der Generäle in Rangun gewehrt. Es war ein grausamer Kampf, von dem die Welt nie viel mitbekommen hat. Doch ganze Dörfer wurden bei den Kämpfen ausradiert. Mehr als zwei Millionen Minen liegen heute in dem Kampfgebiet. Auf beiden Seiten erledigten häufig Kindersoldaten die Drecksarbeit des hässlichen Krieges. Und immer wieder setzten Burmas Soldaten Vergewaltigungen und ethnische Säuberungen als niederträchtige Waffe zur Demoralisierung ihrer Gegner ein.

Doch jetzt verfügen die Generäle von Burmas Armee über moderne Waffen aus China, Indien, Russland und der Ukraine. Es ist deshalb nur noch eine Frage von wenigen Tagen oder Wochen, bis auch die letzte Bastion der KNU gefallen ist.

Röggla von „Helfen ohne Grenzen“ hat schon resigniert. „Das Volk der Karen steht am Abgrund“, sagt er. Denn er weiß, dass bald wieder Zehntausende verfolgter Burmesen nach Thailand flüchten werden – dorthin, wo schon jetzt klar ist, dass sie niemand haben will.“

Hoffentlich wird das jetzt so publik, dass Thailand es sich nicht leisten kann, die Hilfesuchenden wieder in den Tod zu schicken. Besser wäre noch, es würde mal etwas gegen Burmas Junta unternommen – aber Burma hat wohl kein Erdöl?

Deutschland schwarz-weiss

…. ist der Titel eines Buchs, das sich mit dem alltäglichen, auch versteckten Rassismus in Deutschland befasst. Besonders lesenswert für Leute, die sich selbst niiiieeemals eines rassistischen Gedankens für fähig halten würden, aber sich gelegentlich furchtbar „witzisch“ finden.

Mehr über das Buch gibts hier:

http://www.deutschlandschwarzweiss.de/index.html

Die Lektüre kann anstrengend sein, aber es lohnt sich.

Was sagt das Volk? Schweiz und EU

Morgen findet in der Schweiz die Volksabstimmung über die Personenfreizügigkeit statt. Stimmt eine Mehrheit der Schweizer dagegen, werden auch einige andere Abkommen gekündigt bzw. gegenstandslos.

Wie nicht anders zu erwarten, macht die SVP seit Wochen mit ihren üblichen Methoden Stimmung für ein „nein“ in dieser Frage – ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.

Es könnte knapp werden.