Darf der das?

Wer? Der Papst. Er hat es gewagt, festzustellen, dass er nur Ehen zwischen Mann und Frau anerkennt, dass er der Meinung ist, dass der Mensch nicht das Recht hat, die Schöpfung beliebig umzugestalten (ich erlaube mir hier, das Ganze sehr verkürzt wiederzugeben).

Und nun prügeln die Kritiker auf ihn ein.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,598189,00.html

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,598264,00.html

Am Lautesten im Übrigen im dazu geschalteten SPON-Forum. Dort allerdings lies man hin und wieder auch mal die Stimme der Vernunft: auch der Papst hat sein Recht auf Meinungsfreiheit, und wem das nicht passt, kann ja aus der Kirche austreten.

Das finde ich allerdings auch. Die Heftigkeit der Reaktionen allerdings zeigt wieder einmal auf, wie sehr sich diese Gesellschaft dagegen wehrt, wenn ihre Ersatzreligionen (hier: „freie Sexualität) angegriffen werden. Fundamentalistischer gehts kaum.

Dumm jedoch finde ich insbesondere das Argument, auch im Tierreich gebe es Homosexualität. Das mag ja stimmen. Nur: wir sind keine Tiere – oder sollten uns doch von ihnen unterscheiden. Im Tierreich gibt es ja auch solche, die ihre eigenen Kinder fressen. Soll das jetzt auch legitimiert werden?

Und der Papst hat in meinen Augen das Recht und die Pflicht (die von manchen Kirchenoberen seit Jahrzehnten eher vernachlässigt wird), seinen Katholiken aufzuzeigen, was geht und was nicht geht. Er hat begriffen, dass „anything goes“, so sehr sich das manche wünschen, keine zureichende Legitimation einer großen Religion ist, sondern à la longue ihren Tod bedeuten würde.

Tod eines – Vaters

Vor kurzem wurden alle Beamten, die in der Nacht, als Oury Jalloh starb, Dienst hatten, freigesprochen. Einerseits kann ich den Richter verstehen, denn beweisen lässt sich so lange nichts, wie sie einander decken. Aber das Gefühl ohnmächtiger Wut, dass bei diesem Freispruch wohl nicht nur in mir aufsteigt, kann wohl jeder nachempfinden, der z.B. diesen Artikel über den Prozess liest:

http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite-Rechtsextremismus;art705,2348471

Auch zu erfahren, dass zur Dienstzeit der selben Beamten schon einmal ein Mann dort starb, macht es nicht besser.

An einem Punkt unterscheidet sich der Tagesspiegel-Artikel von der restlichen Berichterstattung: er erwähnt Oury Jallohs Kind. Sein Kind, von der Mutter zur Adoption freigegeben – wohl gegen seinen Willen. Etwas, was bei einem deutschen Vater rechtlich nicht passieren dürfte, wogegen er sich kaum erfolgreich wehren konnte. Selbst ein aufenthaltsrechtlich weit besser gestellter Mann wie Kasim Görgülü kämpft seit Jahren in ähnlicher Situation um das Recht, sein Kind wenigstens sehen zu dürfen – trotz Hilfe vom EuGH bislang fast erfolglos, weil Jugendamt und Gerichte mauern. Jalloh hätte keine Chance gehabt – und das wusste er.

Was wird dieses Kind, das man seiner Familie vorenthält,  wissen dürfen, wenn es aufwächst?

 

Nachtrag: wer mehr wissen will, ich fand eine sehr gute Zusammenfassung bei Che:

http://che2001.blogger.de/stories/1011950/

Die Kirchen und die Wirtschaftskrise

Nun, pünktlich zu Weihnachten, äußern sich auch die Kirchenoberen zur Finanzkrise. Sowohl Bischof Huber als auch Kardinal Meißner finden da schöne mahnende Worte, ebenso eine Reihe anderer, alles vom SPIEGEL-online wohl dokumentiert.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,598321,00.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,598330,00.html

Daran ist nichts auszusetzen, obwohl ich mich frage, warum solche Worte erst in Zeiten der Krise gefunden werden. Solange das System von Luftverkäufen und Schneebällen hohe Gewinne abwarf, fehlten mir solch deutliche Hinweise. Oder gab es sie und die Presse fand sie nicht berichtenswert? Das will ich nicht ausschließen.

Eines jedoch habe ich nicht gefunden: einen Hinweis darauf, dass auch nur teilweise Berücksichtigung islamischer Grundsätze die schlimmsten Auswüchse verhindert hätte. Von einem ZInsverbot ganz zu schweigen wird nämlich im Islam auch der Verkauf von Futures und Spekulationen auf zukünftige Preisentwicklungen als unrecht angesehen – also genau die Dinge, die die Finanzmärkte so unberechenbar machten und jetzt in den Abgrund reißen.

Die Verbraucher haben es teilweise trotzdem mitgekriegt – die Islamic Bank of Britain meldet gute Geschäfte im Privatkundenbereich. Leider gibt es diese Art von Bank auf dem Kontinent noch nicht. Ich hätte dort bestimmt ein Konto.

Leider ein Einzelfall

In Köln gibt es ein Fitnessstudio für muslimische Frauen. Andere Frauen sind auch willkommen, aber Männer müssen gänzlich draußen bleiben. Leider gibt es das nur in Köln, und das ist mir zu weit. Schade.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,597657,00.html

Sowas würde ich mir für jede Großstadt wünschen. Ja, auch wenn da schon wieder ein paar Leute nicht einsehen, wozu man das braucht. Frauen wie ich brauchen es. Keine von uns will in einem Studio trainieren, wo Männer aus- und eingehen. Ich möchte mich fürs Training locker anziehen können.

Wieviele Muslime gibt es im Kongo?

Warum die dumme Frage? – Nun, eine Lieblingsbehauptung von Islamfeinden ist, muslimische Organisationen würden ausschließlich Muslimen helfen. Nun beginnt einer der Artikel über Hilfsaktionen auf der Website von Islamic Relief aber folgendermaßen:

 

Islamic Relief Worldwide gehört zu den 13 führenden Hilfsorganisationen in Großbritannien, die einen Spendenaufruf für den Kongo gestartet haben. Möglichst schnell soll mit den Spendengeldern die verzweifelte Notlage der Menschen gelindert werden, die unter dem aktuellen Anstieg der Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo zu leiden haben.“

http://www.islamicrelief.de/meldungen/islamic-relief-worldwide-im-kongo/

Aha, demnach müsste der Kongo ein vorwiegend von Muslimen bewohntes Land sein – nicht wahr, meine lieben Islamophobiker? Was sagt Wikipedia dazu:

 

Religionsgemeinschaft

Anhänger

Prozentsatz

Römisch-Katholische Kirche

25.841.930

42 %

Protestantismus

14.682.915

über 30 %

Kimbangismus

ca. 3.523.890

über 10 %

Neuapostolische Kirche

ca. 2.600.000

ca. 4,5 %

Islam

ungefähr 5 % [2]

traditionelle Religionen (und Synkretismus)

ungefähr 10 %

Zeugen Jehovas

144.000

0,25 %

http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Republik_Kongo#Religionen

 I rest my case.

 

 

 

Huch, noch ein neuer blog!

Huch, noch ein blog – gibt es nicht schon genug?

Das habe ich mir auch lange überlegt – aber wo kann ich sonst meine Meinung sagen, und zwar so, dass sie möglicherweise auch von anderen gelesen wird. Den letzten Anstoß gab eine Schreibsperre in einem Forum, das ich teilweise sehr schätze: Politisch Korrekt, auch kurz als PK bekannt. Blog und Forum sind der achtenswerte Versuch, den rechten Horden bei Politically Incorrect etwas entgegenzusetzen. Dieser Anspruch leidet jedoch darunter, dass der Admin manche anderen Ansichten einfach nicht dulden kann.

Näheres dazu kann man hier:

http://www.pkforum.politischkorrekt.info/viewtopic.php?t=3103

nachlesen. Ich denke, für die meisten Leser wird erkennbar sein, dass er meine Ausführungen über die Säuberung – absichtlich? – missverstand. Das Thema: Aleviten und Ahmadi zählen nicht zur muslimischen Umma, ist ein alter Streitpunkt, nicht nur dort, aber wenn man mir den Mund verbietet, suche ich mir eben einen anderen Ort. Zu beiden Streitthemen, ebenso wie zur Notwendigkeit von islamischen Schulen und Kindergärten, werde ich insha’Allah hier noch Beiträge veröffentlichen. Außerdem gibt es immer wieder bestimmte Themen in der Presse oder im Internet, zu denen ich gerne meine Meinung schreiben möchte und das nicht in einem weiteren Forum, wo ich nie weiß, ob das stehen bleibt oder zensiert wird oder…

 

Das bedeutet nicht, dass dies hier ein ausgesprochen islamischer blog werden soll, auch keine weiterer Watchblog zu PI, PK oder anderen Presseerzeugnissen. Von den Inhalten verlinkter Seiten distanziere ich mich i.Ü., soweit ich deren Meinung nicht hier übernehme.

 

Kommentare sind erwünscht – allerdings werde ich Pöbeleien nicht zulassen.