1. Muharram 1430

Eigentlich sollte die Überschrift ein Neujahrsglückwunsch werden – aber angesichts der Berichte aus Gaza bleibt mir der heute im Hals – äh,  in der Tastatur – stecken. Möge Allah den Palästinensern gnädig sein!

Ich mochte gestern gar nichts schreiben, was auch? Es hilft nicht. Schön, wenn man „etwas G’scheits“ gelernt hat – ein Bekannter von mir, muslimischer Arzt in Deutschland, schließt seine Praxis für eine Woche und stellt seine Zeit und Arbeitskraft einer muslimischen Hilfsorganistation zur Verfügung, geht für sie in ein Krankenhaus, wo verletzte Palästinenser behandelt werden. Beispielhaft.

Es gab anderweitig einen Aufruf, nicht nur den 1. Muharram, sondern am besten jeden Montag und Donnerstag oder jeden zweiten Tag zu fasten und abends nur das normale Abendbrot zu essen – um dann das ersparte Haushaltsgeld für Gaza zu spenden. Auch eine gute Idee.

Und ja, jetzt mag jemand kommen und sagen, wieso heute, es war doch gestern oder ist doch morgen erst der 1. Muharram – ich habe mich bei moonsighting.com schlau gemacht, und der letzte Monat hatte inzwischen auch 30 Tage, also ist heute der erste – für mich jedenfalls.

PI und die Integration

Vielfältig kann man bei den PIlern die Forderung lesen, eingewanderte Ausländer sollen sich integrieren. Aber wie stehen denn die PIler zu solchen Menschen, die eigentlich alle Forderungen erfüllt haben, denen man keineswegs vorhalten kann, in einer Paralellgesellschaft oder auf Kosten des Staates zu leben?

Da lese ich heute über S. Edathy:

„#22 karl-friedrich (27. Dez 2008 15:20)

LOL, ich habe das heute morgen schon auf Welt.de gelesen, Herr Edathy fordert doch täglich irgendwas, ich fordere, das er in sein Heimatland zurück gesendet wird, dort kann er dann weiter machen.“

Quelle: pi-news.net/2008/12/edathy-fordert-demokratiegipfel-gegen-rechts/#more-34131

Die Hatz gegen Cem Öztürk ist ja sicher allgemein bekannt. Was verlangt PI also noch, damit jemand tatsächlich als Deutscher anerkannt wird? (Wobei, der Unwillen, Menschen mit nicht deutsch klingendem Namen oder fremdem Aussehen als Deutsche zu akzeptieren, beschränkt sich leider keineswegs auf PI)

Und wo ist in diesem speziellen Fall der Fehler, den PI aber auch bei Ayman Mazyek jederzeit wiederholt?

Genau – beide sind nicht nur hier geboren, sondern haben auch deutsche Mütter. Sie waren also niemals Ausländer….

Wohin möchte der werte PI-User also Herrn Edathy abschieben? Oder geht er patriarchalisch davon aus, dass die Staatsangehörigkeit – oder sollte ich sagen, die Volkszugehörigkeit, damit der mich auch versteht – nur vom Vater abzuleiten ist?

Die Flüchtlingsfrage

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich gehen ja die Wogen der Diskussion oft hoch, wenn es um Flüchtlinge, hier meist Asylbewerber genannt, geht. PI und ähnliche Leute erwecken dann gerne den Eindruck, dass alle Flüchtlinge der Welt nach Europa, insbesondere nach Deutschland, strömen.  Ein Kommentator im österreichischen Standard verstieg sich zu dieser Aussage:

„Es gibt meines Wissens
nur mehr 4 Länder die mehr Asylwerber haben, und nur 3 Länder die eine höhere Anerkennungquote haben.

Welche Länder sollen uns jetzt vorführen oder verurteilen?“

Das machte mich nachdenklich, und ich machte mich auf die Suche nach Zahlen. Die fanden sich in einem Bericht des UNHCR:

http://www.unhcr.org/statistics/STATISTICS/4852366f2.pdf

USA:                  281,200

Tschad:            294,000
UK:                     299,700
China:               301,100
Tansania:         435,600
Jordanien:      500,300
Deutschland:  578,900
Iran:                  963,500
Syrien:              1,503,800
Pakistan:         2,033,100

Österreich ist nicht zu sehen. Dass Deutschland so weit oben liegt, mag auch darin seinen Grund haben, dass die UN Flüchtlinge nicht mehr zählt, wenn sie sich niedergelassen haben. Sprich: Staaten, die ihre Flüchtlinge nicht jahrelang in Warteschleifen halten, sehen dann so aus, als würden sie weit weniger aufnehmen.

Als Mythos entlavt dieses Papier auch die Behauptung, die Flüchtlinge würde die Industrieländer überfluten. Vielmehr fliehen die meisten in Nachbarstaaten (s. S. 7 des Berichts, ich kriege die Graphik nicht hierherkopiert).

PI auf anderen Websites

Vor einiger Zeit schon fiel mir auf, dass auf der Liste der bei PI-news verlinkten Seiten ganz oben „1001 Geschichte“ steht. Für diejenigen,  die diese Seite nicht kennen: eine Dame namens Evelyne Kern hat einen Verein und diese Website aufgezogen, um gegen „bezness“ zu agieren. Unter „bezness“ versteht man dort die Fälle, wo AusländerInnen EuropäerInnen heiraten, nur um ein Aufenthaltsrecht in einem europäischen Land zu bekommen und die Ehegatten weitesmöglich auszunutzen.

Gut, diese Fälle gibt es. Liest man sich jedoch durch das Forum, fällt auf, warum PI diese Seite für verlinkenswert halten dürfte: pauschalisierte Abwertung der ausländischen Ehegatten mit den üblichen Floskeln. Den Bereich „Bezness und Religion“ hat man inwzischen gelöscht – offensichtlich war der dort versprühte Hass nicht mehr durch Moderation in Grenzen zu halten. Mir ist die Seite schon wegen der Pauschalisierungen unerträglich – und wenn die Falschen dort lesen, wirkt sie tatsächlich zerstörerisch auf das Vertrauen in binationalen Beziehungen.

Eine Weile habe ich mich gefragt, ob auf 1001 überhaupt bekannt ist, dass PI dorthin verlinkt – könnte ihnen ja u.U. doch peinlich sein, weil sie betonen, dass sie keine Rassisten und keine *** sind. Gestern jedoch fand ich dann diese Rubrik:

„Seiten, die 1001Geschichte verlinkt haben“.

http://www.1001geschichte.de/phpBB2/viewtopic.php?t=853

Dort steht neben PI-news  auch gegen-islamisierung.info – nein, offensichtlich stört man sich nicht daran.

Ich schon. Um so mehr, als ich in den letzten Tagen dort Beiträge fand, die mir endgültig die Haare zu Berge stehen ließen: es beginnt, dass der Hass auf den nicht erwartungsgemäß funktionierenden Ex-Mann nun nach Jahren auf das Kind ausgedehnt wird. Schlimm genug, dass jedes Mittel recht scheint, dem Kind jeglichen Kontakt mit dem Vater vorzuenthalten (Auskunftssperre, Namensänderung, nicht Angeben des Vaters bei Unehelichen) und es so weit wie möglich von der zweiten Hälfte seiner Kultur fernzuhalten – nein, im Falle das Kind sich doch dafür interessiert, schlägt wohl die Liebe in Abneigung um. Mir grausts.

Aber auch umgekehrt – in vielbesuchten binationalen Foren sind Kommentatoren anzutreffen,  die ich nur als U-Boote von PI oder 1001 empfinden kann. Leider sind die Forenmaster zu harmlos, um das zu erkennen, und lassen sie einfach weiterschreiben. Hoffentlich liest hier jemand mit.

Wer sich das Ganze selbst ansehen will, hier gehts lang:

http://www.1001geschichte.de/phpBB2/index.php

Oh weh!

Normalerweise mag ich PI-news absolut nicht. Ich würde sagen: da schreiben vorzugsweise Menschen, die das, was ich bin, hassen und die ich nur als meine Feinde ansehen kann.

Heute musste ich allerdings dort einen Artikel entdecken, den ich nicht ablehnen kann. Es handelt sich um den lyrischen Erguss einer Frau zur Linde auf der Titelseite des Flensburger Tageblatts:

Was die gute Frau sich dabei gedacht haben mag, weiß ich nicht.

Aber gleich die erste „Strophe“ ließ mich ob des Unverstandes fassungslos:

Für die Burka in Kundus
Bedeutet es
Vielleicht keinen Anschlag auf ihr Haus.
“Stille Nacht.”

Hält die Dame „Burka“ für einen Vornamen? Oder kann sie die Frauen nicht als Menschen sehen?

Ebenso hier:

Für Harlemer strongly pigmented
Bedeutet es
Vielleicht kein Crack zur Betäubung der Wut.
“Welt ging verloren.”

Wenn sie nicht weiß, wie man Schwarze richtig bezeichnet, sollte sie es lassen. Das hier ist eher aus dem Wörterbuch des Unmenschen.

Aber vielleicht sehe ich das ja nur falsch. So als Alien.

Weihnachten – nein, danke.

Ein Streitpunkt in einem Forum war kürzlich, dass ich es ausdrücklich ablehne, irgendetwas mit Weihnachten zu tun zu haben oder nicht mein Möglichstes tun würde, um zu verhindern, dass muslimische Kinder daran teilnehmen. Wie gemein und intolerant von mir, nicht wahr? Aber warum stehe ich auf diesem Standpunkt?

 

Was bedeutet denn Weihnachten? Es ist ein christliches Fest, und zwar wird die Geburt von Jesus gefeiert. Gut, die meisten Christen sind sich bewusst, dass es nicht wirklich sein Geburtstag war und die Muslime erkennen Jesus als Propheten an. Nur: gerade weil die Christen sehr wohl wissen, dass es keine rechte Geburtstagsfeier ist, feiern sie eigentlich etwas anderes: die Geburt ihres „Erlösers“, den sie auch als Gott ansehen. Für Muslime ist jedoch das die größte Sünde überhaupt, neben Allah jemanden als Gott anzusehen. Wie kann ich mich also an einer Feier zu diesem Anlass beteiligen oder es meinen Kindern, für die ich verantwortlich bin, gestatten? Wie kann ich jemandem dazu gratulieren, dass er eine solche Sünde begeht? Mir dreht sich dabei der Magen um!

Ja, ich weiß, dass es sogar Gelehrte gibt, die meinen, es sei eine freundliche Geste, jemandem „schöne Weihnachten“ zu wünschen – sorry, aber ich denke, das sind vor allem die, die weit weg von Europa wohnen und es nicht verstanden haben, oder aber solche, die um der Akzeptanz willen alle möglichen Kröten schlucken und ihren Din verraten. Alleine aus der oben von mir geschilderten Logik ist erkennbar, dass das nicht gehen kann.

Aber das wirkt doch so abgrenzend, was ich hier schreibe… Sicher. Ich stehe jedoch hier und kann nicht anders. Denn maßgeblich für mein Leben ist nicht, ob irgendwelche Leute mich nett und integriert finden – maßgeblich ist, ob ich so lebe, wie es Allahs Geboten entspricht – bzw. mein Bestes tue, um so zu leben, denn jeder Mensch macht immer wieder Fehler.

Das, was ich jedoch tun kann, ist, bei der Wahrheit zu bleiben und sie nicht zu verwässern:

 

Sure 112, „Bekenntnis der Einheit“
Im Namen Gottes des allbarmherzigen Erbarmers
1. Sprich: Gott ist Einer,
2. Ein ewig reiner,
3. Hat nicht gezeugt und ihn gezeugt hat keiner,
4. Und nicht ihm gleich ist einer.

NPD verbieten?

Darüber denke ich nach, seit die Forderung in der Folge des Angriffs auf den Passauer Polizeipräsidenten wieder ins Gespräch kam.

Bestens zusammengefasst hat das, was auch ich denke, Ekrem Senol in seinem Jurblog:

http://www.jurblog.de/2008/12/22/npd-verbotsverfahren-erinnerungsschwaechen-und-geistige-dioptrienstaerken/

Kurz: kein Parteiverbot und keine Lippenbekenntnisse werden etwas an der Einstellung eines Teils der Bevölkerung ändern, solange die Politik durch Reden und Taten (auch in Form von Gesetzen, die man nur als institutionellen Rassismus bezeichnen kann) vorzeigt, dass Fremdenhass in jeder Form gesellschaftlich akzeptabel ist.